Zu den Nebenwirkungen fragen Sie bitte…

… nein, noch nicht Ihren Arzt oder Apotheker – den benötigen Sie wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt. Ich schlage vor, einfach mal den für Sie zuständigen Bundestagsabgeordneten zu fragen, wie die Folgeprobleme, die aus der überbordenden Geldflut entstehen, gelöst werden können. Denn die politischen Retter, die sich heute noch feiern lassen, werden sich wegducken, wenn sich die unangenehme Seite der Aktionen „Geld für alle“ zeigt.

Dass der Staat Maßnahmen ergreift um die durch unverschuldete Umstände in Not geratenen Unternehmen zu unterstützen – keine Frage. Dass Arbeitnehmer, die aufgrund dieser Umstände ihren Arbeitsplatz verlieren temporär mit staatlicher Hilfe rechnen können – keine Frage. Es kann aber nicht sein, dass der Staat grundsätzlich für alles zuständig ist und jeder aufkommenden Begehrlichkeit, ob aus den Unternehmen oder der Bevölkerung nachkommt bzw. nachgibt.

Dem muss dringend ein Riegel vorgeschoben werden. Die Aufgabe des Staates sollte es sein, wirtschaftliche und soziale Härten abzufedern. Abfedern heißt aber nicht, dass der Einzelne nicht mit Einschränkungen wird leben müssen. Wenn von Seiten unserer Regierungsadministration uns etwas Anderes suggeriert wird, dann ist das ganz einfach irreführend!

An dieser Stelle möchte ich an die Worte des früheren Bundeskanzlers Ludwig Erhard erinnern: Maß-halten! Dieses „Maßhalten“ ist heute wichtiger denn je. Es scheint vielen Subjekten in unserer Gesellschaft einfach abhandengekommen zu sein. Aktuell herrscht das Motto: “Wer am lau-testen schreit und jammert, bekommt das meiste Geld.

So bekommt der finanziell angeschlagene Fußballclub Schalke 04 öffentliche Hilfe in Höhe von EUR 40 Millionen – und das Ganze bei Gesamtschulden in Höhe von ca. EUR 200 Millionen. In erster Linie müssen doch diejenigen unterstützt werden, die in der aktuellen Krise die Hilfe am dringendsten benötigen.

Die Verantwortung und das Risiko bei den Unternehmen und im privaten Bereich darf nicht an den Staat übertragen werden. Der hat ausschließlich für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen, damit alles halbwegs rund läuft. Europaweit versucht man mit der Rettungsdecke „Geldflut“ gegenwärtig das Ausmaß und die Folgen von COVID-19 zuzudecken bzw. zu kaschieren und geht davon aus, dass die Konjunkturmaßnahmen greifen und die Verbraucher zu ihrem alten Rhythmus zurückfinden.

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Diese Erwartung möchte ich mit einem dicken Fragezeichen versehen. Der jüngste Anstieg der Sparquote deutet darauf hin, dass wie in allen Krisenzeiten davor, die Leute den Euro zweimal umdrehen, bevor er ausgegeben wird. Die Explosion der öffentlichen Verschuldung führt auch dazu, dass die Schuldentragfähigkeit von Gemeinden, Bundesländern oder europäischen Staaten ihre Grenzen erreicht haben.

Wenn sich Deutschland an dieser Stelle in der Komfortzone wähnt, dann ist dies ausschließlich auf die hohe Steuerlast, die Niedrigzinspolitik der EZB und die gute Konjunkturentwicklung zurückzuführen. Der deutsche Fiskus ist der große Gewinner des von der EZB ausgelösten Umverteilungsprozesses vom Sparer zum Schuldner, wie dies jüngst von Jürgen Stark, dem ehemaligen Chefvolkswirt der EZB, artikuliert wurde.

Wenn über den Europäischen Stabilitätsmechanismus, der Europäischen Investitionsbank und dem Europäischen Wiederaufbaufonds Finanztransfers und Kredite in Höhe von EUR 750 Milliarden gewährt werden, dann läuft dies auf eine Vergemeinschaftung der europäischen Schulden vor dem Hintergrund einer fraglichen Rechtsgrundlage hinaus.

Sehr gespannt darf man sein, mit welchen Ratings dies von Seiten der Ratingagenturen versehen wird. Insbesondere Italien hat sich gegen wirtschaftliche Auflagen, mit denen diese Programme in der Regel verbunden sind, gewehrt. Mit anderen Worten: man nimmt gerne das Geld der anderen, gibt aber keine Auskunft darüber wofür man es verwendet und die Rückzahlung? Nein, eine Spendenquittung wird auch nicht ausgestellt.

Also bewegen wir uns, dank COVID-19, mit raschen Schritten auf eine Haftungs- und Transferunion in der Eurozone zu. Dass eine Vergemeinschaftung von Schulden zu erheblichen Spannungen führt, kann am Verlauf der amerikanischen Geschichte nachvollzogen werden.

Der Unterschied besteht allerdings darin, dass die einzelnen US-Staaten eine Konföderation bildeten, was in der EU bekanntermaßen nicht der Fall ist. Der amerikanische Historiker Harold James hat sich intensiv damit auseinandergesetzt. Das perfide an dieser Geschichte ist allerdings, dass die ganze Sache unter dem Motto „Next generation EU“ abläuft.

Und diese Generation wird ihr „Blaues Wunder“ erleben. Die geburtenschwachen Jahrgänge, die jetzt mehr oder weniger am Beginn ihres Berufslebens stehen, treffen auf überbordende Schulden und damit auf extrem finanzielle Belastungen – oder anders ausgedrückt: Die hohen Schulden von heute sind die noch höheren Steuern von morgen. Es findet eine sogenannte „kalte Enteignung“ statt.

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Ich habe manchmal die Befürchtung, dass das COVID-19-Virus noch ein weiteres Mal mutiert und eine Pandemie ganz anderer Art weltweit ausgebrochen ist. Wir haben es mit einer „Schuldenpandemie“ zu tun. Die Ansteckungsgefahr ist um ein x-faches höher als bei dem bislang bekannten Virus.

Regierungsmitglieder aller Staaten sowie die gewählten Abgeordneten sind besonders gefährdet. – Nein, ein Medikament ist auch hier in absehbarer Zeit nicht in Sicht, da es bis zu den nächsten Wahlen noch etwas dauert. Erfolgversprechend scheinen auf diesem Gebiet die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten zu sein. Es könnte sein, dass im Spätherbst dieses Jahres dort ein entsprechendes Mittel gefunden wird, das hoffentlich kein Placebo ist.

Die Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und den USA spitzen sich weiter
zu. Die Tonlage nimmt an Schärfe zu. Es ist nicht nur der Truppenabzug von ca. 9.500 Personen und deren Verlegung nach Polen – es ist auch die Auseinandersetzung um die Gaspipeline Nordstream II von Russland nach Deutschland.

Einige Punkte hatte ich dazu in der Vergangenheit schon ausgeführt. Die Sanktionen, die von Seiten der USA gegen die an der Pipeline beteiligten Firmen erwogen werden, erreichen neue Dimensionen und machen auch vor den Mitarbeitern in Ämtern und Behörden keinen Halt. Auch Lokalpolitiker kommen damit ins Visier von Sanktionen der Weltmacht USA.

Sollten also persönliche Sanktionen greifen, dann könnten beispielsweise Amtsträger die vom Bau der Pipeline tangiert sind, nicht mehr in die USA reisen. Der Hintergrund hierzu ist ganz einfach: Bei den Amerikanern stecken handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter.

Es ist die hochverschuldete Fracking-Industrie die am Rande des Abgrundes steht. Einige Unternehmen haben bereits den Geschäftsbetrieb eingestellt oder beantragten Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechtes. Es war nicht die COVID-19 Pandemie die das Geschäft zum Erliegen gebracht hat – es waren auch nicht die Umweltschützer die sich gegen das politische Establishment von Republikanern und Demokraten durchgesetzt haben – nein, es waren die niedrigen Energiepreise.

Im Gegensatz zum Ölpreis, der sich in den letzten Wochen wieder etwas erholen konnte, erreichte der Preis für Schiefergas einen neuen Tiefpunkt. Hinzu kommt, dass die Lagerhaltung für Flüssiggas am Anschlag ist.

Für die USA hat sich der laxe Umgang mit der Pandemie bislang nicht positiv ausgezahlt.
Während in den Großstädten an der Ostküste die Fallzahlen etwas rückläufig sind, erkranken viele Menschen in den Südstaaten und im mittleren Westen. Innerhalb von 24 Stunden wurden über 53.000 Neuerkrankungen verzeichnet. Die Gesamtzahl der Erkrankungen liegt bei 2,68 Millionen. Dies entspricht mehr als 25 % der weltweiten Erkrankungen.

Die Todesfälle liegen bei ca. 4,8 % der Erkrankten. Insgesamt haben bislang 20 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren. Zwar sind erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung zu erkennen, allerdings bleibt offen, wie nachhaltig diese sind. Der Chef der amerikanische Notenbank FED hat inzwischen gewarnt, dass die wirtschaftlichen Abwärtsrisiken nicht zu unterschätzen sind. Da sollte man sich auch von den jüngsten guten Arbeitsmarktdaten nicht blenden lassen.

Trotz dieser besorgniserregenden Hinweise werden an den Aktienbörsen weiter „fröhliche
Urständ“ gefeiert. Es wird so getan, als hätte es keinen Lockdown gegeben. Es kann
natürlich auch sein, dass die riesigen Mengen an frisch gedrucktem Geld nicht komplett in die Wirtschaft fliesen sondern an den Aktienmärkten die Blase weiter aufblähen.

Und das Thema Wirecard? Kein Kommentar dazu. Nur so viel: Es war kollektives Versagen
auf der ganzen Linie. Am Markt für Zertifikate sind ca. 17.000 Produkte betroffen. Allerdings ist hier der Sachverhalt etwas anders als seinerzeit bei den Lehman Zertifikaten, wo Lehman auch der Emittent war. An den Märkten für verzinsliche Papiere sind die Renditen weiter in den Minusbereich abgesackt.

Ein Markt findet quasi nicht mehr statt, da von Seiten der EZB alles aufgekauft wird, was noch halbwegs seriös erscheint. Der Goldpreis entwickelt sich weiter in Richtung USD 1.800 pro Feinunze. Unter Sicherheitsaspekten sollten ca. 15 % bis 20 % in Ihrem Depot sein. Der US-Dollar bewegt sich leicht schwächer gegenüber den EURO und pendelt zwischen 1,125 und 1,13.

Und zum Schluss noch etwas zu meinem „Lieblingsfeind“: Kennen Sie schon den neuesten Werbeslogan der Deutschen Bahn? „Schön, dass Sie da sind. Die Bahn bringt Sie auch in schwierigen Zeiten an Ihr Ziel“. Allerdings wird nicht dazu gesagt, wann das sein wird. Das Unternehmen ist immer noch gut mit sich selbst beschäftigt. Da ist es wirklich schön, dass mangels Alternativen noch Kunden da sind.

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