Zins, Inflation, Gold – und der „Great Reset“

Dem zunehmenden Kaufkraftschwund von US-Dollar, Euro & Co zu entgehen, wird für Anleger eine der zentralen Herausforderungen in den kommenden Jahren.

VERKEHRTE ZINSWELT

Die nachstehende Abbildung 1 zeigt die nominale Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe und ihre reale, das heißt inflationsbereinigte Rendite von 1957 bis Oktober 2021. Folgendes lässt sich erkennen:

(1) Von 1957 bis etwa Mitte der 1990er Jahre schwankte die reale Rendite um einen Mittelwert von ungefähr 4 Prozent (einen großen Ausreißer „nach unten“ gab es im Sommer 1990).

(2) Spätestens mit der Einführung des Euro zu Beginn des Jahres 1999 setzte ein markanter Zinsabwärtstrend ein, der sowohl die nominale als auch die reale Ren-dite erfasst hat.

(3) Erstmalig fiel die Nominalrendite Mitte 2016 unter die Nulllinie; die Realrendite war bereits gegen Ende 2010 erstmalig negativ.

Am aktuellen Rand, im Oktober 2021, lag die Realrendite bei minus 4,6 Prozent – ein Rekordwert in der Betrachtungsperiode. Vereinfacht gesprochen heißt das: Derjenige, der eine 10-jährige Bundesanleihe mit einer Rendite von real minus 4,6 Prozent erwirbt und sie bis zur Fälligkeit hält, der verliert (vorausgesetzt, die Marktlage ändert sich nicht) knapp 38 Prozent seines Kapitals.

Die Nominalrendite ist folglich nicht mehr ausreichend, um dem Anleger eine positive Realrendite zu sichern; ähnlich ist es in den USA (siehe Abb. 2). Diese irritierende, geradezu groteske Situation in den Anleihemärkten hat von Seiten der Ökonomen verschiedene Erklärungen hervorgebracht.

Eine der Erklärungen lautet, dass die Ersparnis sehr stark angestiegen sei, und das hätte, weil die Investitionsnachfrage nicht mithält, den Nominal- wie auch den Realzins abgesenkt; und weil der „Ersparnisüberhang“ so groß sei, ist nun sogar der Realzins im Minusbereich angelangt.

Eine andere Erklärung lautet: Die Zentralbanken fragen Staatsanleihen nach, treiben deren Kurse in die Höhe und senken dadurch die Nominalrendite ab – und zwar so weit, dass die Realrendite negativ wird; der starke Anstieg der Güterpreisinflation, der sich in den letzten Monaten zugetragen hat, treibt die Realrenditen nun stärker denn je unter die Nulllinie. Welche dieser Erklärungen nun die stichhaltige ist, oder ob beiden eine Berechtigung zukommt: Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass auf den weltwei-ten Zinsmärkten eine höchst außergewöhnliche Situation entstanden ist.

Ein negativer Realzins ist ex post gesehen gut zu erklären: Die Investoren haben die Anleihen zu einem bestimmten Zinssatz gekauft, und nach dem Kaufzeitpunkt stellte sich heraus, dass die zum Kaufzeitpunkt erwartete Preisinflation zu niedrig war, dass sie unter der tatsächlich eingetretenen Inflation lag.

Ganz anders stehen die Dinge jedoch ex ante: Würde jemand, der bei Sinnen ist, sein Geld verleihen, wenn er dafür eine negative Realrendite erhält? Wohl kaum. Schon die Vorstellung einer Nominalrendite von null erscheint absurd: Es wäre dann nämlich vorteilhafter, wenn der Anleger Geld hält anstelle in Anleihen zu investieren. Könnten vielleicht „institutionelle Faktoren“ erklären, warum Nominal- und Realzins auf oder unter die Nulllinie fallen können?

Beispielsweise sind die Kapitalsammelstellen (Versicherungen, Renten- und Pensionsfonds etc.) durch Regularien verpflichtet, einen Großteil der ihnen zugehenden Anlagegelder im Anleihemarkt anzulegen; und dieser Direktive müssen sie auch dann folgen, wenn die Nominal- und Realzinsen bei null Prozent oder darunter liegen.

Institutionelle Anleger und ihre Kunden verabschieden sich bei Null- oder Negativzinsen nicht notwendigerweise sofort aus dem Kreditmarkt, sondern legen das Geld weiterhin dort an, wenn sie davon ausgehen, dass die Phase des nominalen/realen Null- und Negativzinses nur von kurzer, von vorübergehender Dauer ist; weil sie die (Transaktions-)Kosten einer Portfolioumschichtung scheuen; oder weil sie zu träge sind.

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GROSSE VERZERRUNG

Wie dem auch sei: Nominal- und Realzinsen von null oder weniger können kein „Gleichgewicht“ darstellen in dem Sinne, dass Nominal- und Realzins in der Volkswirtschaft dauerhaft und ungestraft auf oder unter der Nulllinie liegen. Wie bereits gesagt: Bei einem Nominalzins von null oder weniger ist es besser, Geld zu halten und keine Anleihen zu kaufen; bei einem Realzins null oder weniger gilt das gleiche.

Die wirklich entscheidende Einsicht an dieser Stelle ist jedoch, dass der sogenannte „Urzins“, den jeder handelnde Mensch quasi in sich trägt, immer und überall positiv ist; dass der Urzins sprichwörtlich nicht aus dem menschlichen Denken und Handeln, aus der Welt verschwinden kann. Der Urzins bezeichnet den Wertabschlag, den ein Zukunftsgut gegenüber dem Gegenwartsgut (von gleicher Art und Güte und unter gleichen Umständen) erleidet.

Einfach gesagt: 1 Euro heute hat (aus handlungslogischen Gründen) einen höhe-ren Wert als 1 Euro in einem Jahr. Im „realen Leben“ ist natürlich nicht auszu-schließen, dass es Menschen geben mag, die gegen diese „Logik des menschlichen Wertens und Handelns“ verstoßen. Dann aber zum eigenen Schaden. Denn sie werden damit ihre Ziele nicht oder nicht so gut erreichen wie ihre Mitmenschen, die ihr Werten und Handeln in Einklang mit der Handlungslogik bringen.

Wenn der Urzins der Menschen stets positiv ist (und nicht null oder negativ wer-den kann), dann ist auch klar, dass eine moderne, arbeitsteilige Volkswirtschaft ohne einen positiven (Real-)Zins nicht denkbar ist. Ohne eine Entlohnung für den Konsumverzicht, für das Sparen und Investieren würde die Volkswirtschaft viel-mehr desintegrieren, in eine primitive Subsistenzwirtschaft zurückfallen.

Es käme zu einem Kapitalverzehr. Die Regale würden sprichwörtlich abgeräumt, Produktionsgüter aufgebraucht, und sie würden auch nicht mehr durch Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen wiederaufgebaut. Das bisher produktive Sparen (also die mit zeitlichem Aufwand verbundene Umwandlung von knappen Ressourcen in Produktionsgüter, mit denen sich das künftige Konsumgüterangebot erhöhen und verbessern lässt) weicht einem Horten.

Ohne einen positiven Zins würden das arbeitsteilige Wirtschaften und damit das heutzutage verfügbare Güterangebot verschwinden, die Menschheit würde verarmen. Millionen wenn nicht gar Milliarden Menschen würden, so wäre zu befürchten, dem Hungertod preis-gegeben. Das Geschehen auf den Anleihemärkten rechtfertigt jedoch noch nicht die Schlussfolgerung, dass es keinen Zins mehr gäbe.

Denn der Zins findet sich nicht nur im Kreditmarkt, also dort, wo gegenwärtig verfügbares Geld gegen erst künftig verfügbares Geld getauscht wird. Er findet sich in allen Arten von intertemporalen Tauschvorgängen. Also auch beispielsweise im Aktienmarkt: Hier wird beim Kauf einer Aktie gegenwärtiges Geld getauscht gegen (erwartete) künftige Geldzahlungen in Form von Erlösen aus Aktienverkäufen und/oder Dividendenzahlungen.

Ganz ähnlich verhält es sich im Immobilienmarkt: Der Investor erwirbt beispielsweise ein Mietshaus, indem er gegenwärtiges Geld gegen künftig erwartete Geldzahlungen aus Mieten und/oder Verkaufserlösen eintauscht. Auch hier tritt der Zins als Wertabschlag in Erscheinung, den die künftig erzielbare Geldeinheit gegenüber der gegenwärtig verfüg-baren Geldeinheit erleidet.

INFLATIONÄRE SPEKULATIONSBLASE

Die extremen Tiefstände der Zentralbankzinsen und der Staatsanleiherenditen lösen weitreichende Effekte aus. Wenn die Zinsen für Bankguthaben, kurz- und langfristige Anleihen null oder negativ sind, weichen Anleger früher oder später aus. Sie fragen zum Beispiel Aktien und Immobilien nach. Dadurch steigen deren Preise an, so dass bei unveränderten künftigen Unternehmensgewinnen und Mieten (und Bewertungsmaßstäben) die erzielbaren Renditen abnehmen.

Wer also (ver-)spät(-et) in die inflationierten Vermögensmärkte investiert, kann nur noch geringe(re) Renditen erzielen. Wenn hingegen die Erwartung um sich greift, dass die künftigen Gewinn- und Mietzahlungen ebenfalls inflationsbedingt ansteigen werden, dann vergrößert sich selbstverständlich das Ausmaß der Preisinflation, und entsprechend lassen sich auch noch höhere inflationsbedingte Renditen erzielen – bis auch hier irgendwann die Ernüchterung eintritt.

Damit das nicht so schnell passiert, muss die extreme Niedrigzinspolitik der Zent-ralbanken begleitet sein von einer kräftigen, fortgesetzten Geldmengenausweitung. Sie ermöglicht nicht nur das Ansteigen der Vermögenspreise aufgrund des gesunkenen Zinses. Die Aussicht auf eine chronische Geldmengenvermehrung inflationiert auch die erwarteten künftigen Einzahlungen und vergrößert dadurch die Vermögenspreisinflation.

Doch bekanntlich kann eine Inflationspolitik ihre „belebende Wirkung“ nur solange entfalten, wie die tatsächliche Inflation die erwartete Inflation übersteigt. Es muss also eine – wie die Ökonomen es bezeichnen – fortgesetzte „Überraschungsinflation“ geben. Bislang ist das den Zentralbanken ganz offensichtlich gelungen.

Dieses „Kunststück“ wurde vor allem deshalb möglich, weil die Zentralbanken die Kreditausfallrisiken gezielt beruhigt haben. Wie Abb. 3 zeigt, hat das Eingrei-fen der US-Zentralbank (Fed) nunmehr das „Stressniveau“ in den Finanzmärkten auf ein historisches Tief gesenkt. Die Fed hat nämlich den Finanzmärkten de facto zugesichert, keine Zahlungsausfälle systemrelevanter Akteure zuzulassen, den Kreditmarkt also zu stützen, wann immer das als politisch erforderlich angesehen wird.

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Das „unsichtbare Sicherheitsnetz“, das die US-Zentralbank unter die Finanzmärkte gespannt hat – und alle anderen bedeutenden Zentralbanken eifern ihr darin nach –, treibt den Kreditfluss an, verleitet Investoren, neue Risiken einzugehen, und die inflationäre Spekulationsblase wird weiter aufgeblasen.

DIE SCHATTEN DES „GREAT RESET“

Die Zentralbanken stehen nun aber unter wachsendem Druck: Das markante Ansteigen der Konsumgüterpreise gefährdet das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit in das Geld. Und da die Zentralbanken ihr Geldmonopol verteidigen wollen, müssen sie ein „glaubwürdiges Vertrauenssignal“ aussenden: also den Eindruck erwecken, sie nehmen es ernst mit der „Inflationsbekämpfung“ (obwohl sie es ja selbst sind, die für das anhaltende Ansteigen der Güterpreise auf breiter Front die Verantwortung tragen).

Gleichzeitig dürfen sie aber den Kredit- und Geldzufluss nicht so stark abbremsen, dass das ganze Kreditkartenhaus in sich zusammenstürzt. Kann dieser Balanceakt gelingen? Die Frage lässt sich wohl nur vor dem Hintergrund der Schatten, die der „Great Reset“ vorauswirft, beantworten.

Der „Great Reset“ steht für die konkrete Idee eines politisch-ideologisch herbeigeführten Umbaus des heutigen Wirtschaft- und Gesellschaftssystems des Wes-tens, die spätestens durch die politische Instrumentalisierung der Themen „Klimawandel“ und „Coronavirus-Krise“ rasant an Dynamik gewonnen hat. Die Kernidee des Great Reset ist es, dass der Mensch seine Geschicke auf dem Plane-ten nicht in einem System der freien Märkte gestalten soll, sondern dass Wirtschaft und Gesellschaft vielmehr nach politischen Vorgaben zu lenken sind.

„Die Vierte Industrielle Revolution“, „Transhumanismus“, Künstliche Intelligenz, Aufstieg der Genomik und Nanotechnologie, das „Social Credit System“, die Verschmelzung von Mensch und Maschine sind Schlagworte, die andeuten, wie tief-greifend der Great Reset aus Sicht seiner Protagonisten, die sich hinter der Initiative „World Economic Forum“ (WEF) versammelt haben, das Leben des Menschen verändern soll.

Der Great Reset, in die Tat umgesetzt, liefe letztlich auf die Errichtung einer Art Befehls- und Lenkungswirtschaft hinaus: einer zunehmenden Verquickung von Lenkungsstaat und Großunternehmensinteressen (BigBusiness, BigBanking, BigTech, BigPharma) – man könnte auch von „Corporate Socialism“, „Neo-Feudalismus“ oder einer „Chinarisierung des Westens“ sprechen -, die, entweder abgekoppelt vom Wählerwillen oder von ihm geduldet, richtungsweisenden Ein-fluss ausübt auf die Gestaltung der volkswirtschaftlichen Produktions- und Konsumstruktur – durch Ge- und Verbote, Regulierungen, Privilegien, Besteuerung, Mengen- und Preisvorgaben, etc. Der Great Reset wirft bereits seine Schatten un-verkennbar voraus, und da stellt sich natürlich auch die Frage, in welcher Weise er die Geldpolitik beeinflussen wird?

Vor allem die folgenden vier Faktoren dürften der Geldpolitik ihren prägenden Stempel aufdrücken.

(1) Die Staaten drängen darauf, den Umbau der Volkswirt-schaften, vor allem die damit einhergehende Abkehr von fossilen Energieträgern, aktiv voranzutreiben. Das wird der Privatwirtschaft gewaltige Finanzmittel abver-langen und auch die Staatskassen (die sich natürlich aus Steuern der Privaten speisen) belasten – vor allem auch dann, wenn die absehbaren Arbeitsplatzverluste in vielen Industrien zu bezahlen sind.

Die Zentralbanken geraten folglich noch stärker als bisher unter die „Fiskalische Dominanz“ der Politik: Sie sollen die Finanzierungswünsche der Regierungen mit der Ausgabe von neuem Geld bei niedrigen Zinsen bedienen, und dieser Aufforderungen werden sich die Zentralbankräte wohl nicht ernsthaft entgegen stellen wollen.

(2) Die Verschuldungslage der meisten Staaten ist schon heute prekär. Um sie zu entschärfen, erscheint für viele Regierungen eine höhere Preisinflation ein probates Mittel zu sein: Wenn die Zentralbanken die Marktzinsen niedrig halten und gleichzeitig durch die Geldmengenausweitung – die insbesondere den Staatshaushalten zugutekommt – die Güterpreisinflation in die Höhe treiben, dann lässt sich die Schuldenlast des Staates in realer Rechnung reduzieren.

Das setzt allerdings voraus, dass die Staaten sich nicht weiter stark neuverschulden. Doch leider: Das Great-Reset-Projekt wird eine hohe Neuverschuldung wohl unausweichlich machen – denn anders sind die damit verbundenen staatlichen Ausgaben nicht finanzierbar. Also auch das wird die Zentralbanken anhalten, die Geldmengen recht ungestüm auszuweiten und die Preisinflation anzuheizen.

(3) Die fortgesetzte Ausweitung der Geldmengen zur Finanzierung der Staats-ausgaben treibt die Güterpreisinflation in die Höhe. Das wiederum hilft, die aus-stehenden Staatsschuldenlasten in realer Rechnung zu reduzieren und neue Schulden zu negativen Zinsen aufzunehmen – denn die Zentralbanken halten die Marktzinsen weiter künstlich so niedrig, dass die Rate der Geldentwertung unter dem nominalen Zins liegt.

Allerdings führt die Güterpreisinflation früher oder später auch zu erhöhten Staatsausgaben – zur Bezahlung von Aufträgen, Löhnen und Gehältern, Transfers etc. –, und so sorgt die Politik der Preisinflation für eine Politik der noch höheren Preisinflation. Zu befürchten ist, dass kurzsichtige Politiker sehr wahrscheinlich bereit sind, den kurzfristigen Nutzen der Inflation (Konjunkturbelebung) gegen die langfristig damit verbundenen Kosten (Kapital-fehllenkung, Zerstörung der Ersparnis etc.) auszuspielen.

(4) Und nicht zuletzt ist eine erhöhte Güterpreisinflation auch deshalb politisch akzeptabel, weil sie dazu beiträgt, die wahren Kosten des Wirtschafts- und Gesellschaftsumbaus zu verschleiern. Beispielsweise verringert die Ausweitung der Geldmenge die negative Wirkung der Energiepreisverteuerung auf Output und Beschäftigung:

Die Kosten zeigen sich (zunächst) vor allem in erhöhten Güter-preisen, in einer Entwertung des Geldes und der Ersparnisse, und nicht so sehr (und unmittelbar) in Produktionsverlusten und Arbeitslosigkeit. Um Akzeptanz für die Politik der höheren Preisinflation zu sorgen, verklären daher auch bereits einige Hauptstrom-Ökonomen eifrig die gestiegene Preisinflation als „notwendiges Opfer“, als ein „Preis für die grüne Politik“, den es sich lohne zu zahlen.

Es muss nicht gesondert betont werden, dass der politisch-ideologisch vorangetriebene Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft, verbunden mit einer inflationären Geldpolitik, vielfältige Risiken für die Anleger birgt. Ein nahezu sicheres Opfer des Great Reset wird die Kaufkraft des Geldes sein. Sie wird unter der fortge-setzten, erhöhten Güterpreisinflation dahinschwinden.

Dadurch werden die klassischen Anlageklassen wie Bankguthaben, Geldmarktfondsanteile und Anleihen ebenfalls ihre Werthaltigkeit einbüßen. Ein Umfeld künstlich gesenkter Zinsen, vor allem das Andauern des negativen Realzinsregimes, verbunden mit einem relativ hohen Geldmengenzuwachs, wird sehr wahrscheinlich die Vermögenspreise wie Aktien und Immobilien noch weiter in die Höhe treiben – wie voranstehend schon angemerkt.

Solch ein Inflationsprozess ist allerdings keine Einbahnstraße. Die Güterpreisinflation ist volkswirtschaftlich schädlich. Sie sorgt für Kapitalfehlleitungen und Kapitalverluste. Nicht allen Unternehmen wird es gelingen, die gestiegenen Produktionskosten auf die Absatzpreise zu überwälzen, und die Gewinne leiden. Die Preisinflation sorgt auch dafür, dass die Nachfrage nach vielen Gütern fällt, weil die Nachfrager Kaufkrafteinbußen erleiden.

Die Erträge von Immobilien leiden, wenn politisch motivierte Mietpreisstopps verhängt werden, oder wenn Firmen schließen und Gewerbeflächen keine Nachmieter finden. Die Umwälzungen, die mit dem Great Reset – wenn er sich auch nur annähernd so entfaltet, wie seine Befürworter es in Aussicht stellen –, werden viele Industriezweige zurückdrängen, zum Verschwinden bringen, andere expandieren, neu entstehen lassen. In einem solchen Umfeld, in dem die Risiken, die Unwägbarkeiten, besonders hoch sind, erscheint ein Mindestmaß an Diversifizierung des Portfolios ratsam zu sein.

Welche Rolle spielen dabei physisches Gold und Silber? Mit Blick auf die letzten etwa 14 Monate haben sie ihre Wertaufbewahrungs- beziehungsweise Versicherungsfunktion, auf die viele Edelmetallanleger setzen, keineswegs „glänzend“ erfüllt. So ist die US-Geldmenge M2 seit Ende 2019 bis heute um 35 Prozent angestiegen, der Goldpreis nur um 18 Prozent, der Silberpreis um 37 Prozent. Im Vergleich dazu:

Der US-amerikanische Aktienmarktindex S&P500 ist um 40 Prozent gestiegen, der Bitcoin-Preis sogar um 782 Prozent. Ganz offensichtlich waren Gold und Silber nicht die erste Wahl für die Anleger in Krisenzeiten. Es war vermutlich vor allem das „Sicherheitsnetz“, das die Zentralbanken unter die Volkswirtschaften gespannt haben, das die Befürchtungen vor einem Systemzusammenbruch zurückgedrängt hat. Die Geldanlage in Aktien, Häusern und Kryptoeinheiten wurde dadurch ermuntert, Gold und Silber hatten das Nachsehen.

Angesichts einer zusehends digitalisierten Welt, einer Welt, die dem Great Reset geradezu entgegendrängt, könnte eine Empfehlung für das Halten von Edelmetallen allzu leicht als „überholt“, „unmodern“, ja als „aus der Zeit gefallen“ erscheinen. Doch das wäre vorschnell geurteilt. Physisches Gold und Silber sind zum einen unverzichtbare Metalle in der Industriefertigung und -anwendung.

Allein diese Nachfragekomponenten garantieren ihnen quasi einen positiven Marktpreis, machen das Szenario eines „Totalverlustes“ sehr unwahrscheinlich, auch wenn ihr Mengenangebot im Zeitablauf weiter zunimmt. Vor allem aber zeichnen sich Gold und Silber durch Eigenschaften aus, die sie zu einem – langfristig gesehen – verlässlichen Wertaufbewahrungsmittel, zu gutem Geld machen im Vergleich zum ungedeckten Geld in Form des US-Dollar, Euro, chinesischem Renminbi und anderen offiziellen Währungen auf der Welt.

Auch in Zeiten des Great Reset verlieren die Edelmetalle nicht ihre vorzüglichen monetären Eigenschaften. Vielmehr wird vor allem das Gold wohl die einzig verbleibende, währungshistorisch bewährte Geldart sein, die nicht durch geldpolitische Machenschaften entwertet werden kann. Und anders als das ungedeckte Buchgeld – das sehr wahrscheinlich zu einem digitalem Zentralbankgeld mutieren wird – unterliegt der Tauschwert des Edelmetalls auch keinem Kontrahentenrisiko.

Man sollte zudem nicht der Illusion erliegen, der Great Reset, die voran-schreitende Digitalisierung würden die Probleme, für die das Fiat-Geldsystem gesorgt hat, geräuschlos aus der Welt schaffen. Kryptoeinheiten sind vermutlich eine Möglichkeit, der anstehenden Entwertung von US-Dollar, Euro & Co zu entkommen. Aber sie sind, Stand heute, noch nicht die endgültige Lösung des Geldproblems. Gold wird dabei sehr wahrscheinlich eine bedeutende Rolle spielen. Das sehen übrigens auch einige Investmentprofis so.

In einem Interview mit CNBC am 4. August 2021 sagte Investor Ray Dalio auf die Frage, was er wählen würde, Gold oder Bitcoin: „If you put a gun to my head, and you said, ‘I can only have one’, I would choose gold.” Man kann davon ausgehen, dass Ray Dalio sich intensiv mit den Folgen des Great Reset beschäftigt hat.

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