Wirecard: „Niemals gedacht, dass das bei einem Dax-Konzern gehen kann“….

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Lieber Leser,

Wirecard hält uns – oder zumindest mich – weiterhin im Atem. Immer mehr Menschen melden sich, die „betroffen“ sind. Unter anderem wurden wir offenbar seit über 5 Jahren sogar mit gefälschten Bilanzen belogen. Die Treuhandkonten, die nicht hinreichend viel Geld aufweisen sollten, hat es möglicherweise nie gegeben, so die jüngsten Berichte. Ein Anleger wollte es wohl lange Zeit nicht wahrhaben und dachte „niemals, (dass es das) bei einem Dax-Konzern geben“ kann. Auch wenn der Kurs der Aktie inzwischen wieder etwas kletterte – lassen Sie am besten die Finger davon.

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Wirecard: Schwächen im ganzen System

Wirecard hat letztlich Umsätze ausgewiesen, die das System im realen Wirtschaftsleben gar nicht gemacht hat. Diese Umsätze müssen sich natürlich auch irgendwo auf Konten zeigen, sodass die Fälschung von Kontoständen oder gar Kontoexistenzen nur logisch ist. Unlogisch bleibt das Verhalten fast aller anderen Menschen, die für die Kontrolle an den Aktienmärkten Geld erhalten. Was der Wirtschaftsprüfer EY dort über Jahre testiert  hat, bleibt mir schleierhaft.

Dass das BaFin als Finanzdienstleistungsaufsicht bei der Bewertung des gesamten Geschäftsmodells (und nicht nur einzelner Vorgänge) vollkommen daneben lag, ist auf den ersten Blick unverständlich. Auf den zweiten Blick kaum. Ich hatte vor Jahren das Vergnügen, das BaFin aufsuchen zu dürfen und mir deren Arbeit präsentieren zu lassen.

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Das BaFin prüft im Grunde am Ende lediglich die Existenz und Vollständigkeit von Anleger-Prospekten, um es auf den Kern zu bringen. Es sah sich zumindest damals außerstande, alle wirtschaftlichen Vorgänge und Behauptungen selbst zu prüfen. Eigentlich, so mein Eindruck, war oder ist das BaFin dafür zuständig, die Papiere zu kontrollieren – und selbst bei falschen Papieren lassen sich noch einige Systemtrottel finden. Die großen Fische wird das BaFin am Finanzmarkt niemals finden (so mein Eindruck). Hier schoss das BaFin allerdings sogar als devoter Partner von Wirecard über das Ziel hinaus. Das BaFin schloss sich einer Klage gegen die aufdeckende FT an, weil sie hier eine Kursmanipulation zugunsten eines Hedgefonds witterte, der short gegangen war. Eine kühne Behauptung, die auch schon immer kühn war. Zumindest Wirecard durfte sich über die behördliche(!) Unterstützung freuen. Anleger, die darob investierten, haben Millionen verloren.

Ähnlich sah die Aufklärungsarbeit bei den Medien aus, wie ich vor einigen Tagen einmal schrieb. Die Zweifel, die eine Minderheit von der FT oder vom Handelsblatt hatte, wurden erwähnt. Niemand aus aus immer noch recht gut bezahlten Redaktionen ging den Hinweisen einmal nach. Es war offenbar einfacher, stets neue Unternehmensmeldungen immer wieder ungeprüft direkt oder als Zitat zum Kern von Artikeln zu machen. Wirecard hatte das Narrativ im Griff: Die Sage von Short-Hedgefonds, der Auslöser der ganzen Falschnachrichten sei, ist praktisch ungeprüft in den Geschichten diverser Redaktionen aufgetaucht.

Jetzt will es auch nach den jüngsten Vorwürfen niemand gewesen sein: Wenn Wirecard seit 2015 Bilanzen gefälscht hat, stehen hier die Wirtschaftsprüfer, die Behörden und die großen Medien auf dem Prüfstand. Wir bräuchten zumindest am Finanzmarkt offenbar keine dieser Institutionen mehr. Der Skandal ist nur oberflächlich betrachtet ein reiner Wirecard-Skandal. Tatsächlich ist es ein institutionelles Totalversagen – vergessen wir dieses Dokument zur Leistungsfähigkeit großer Medien oder der Behörden niemals mehr.

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Also WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung werten mehr als 100.000 Mails aus? Wie jetzt? Machen die die
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Das waren die "Jungs", die sich gleich selbst zum Verkauf angeboten haben.
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Manchmal geschehen Wunder:)
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