Weltwirtschaft 2022

Mehr Inflation. Weniger Wachstum. Auf Gold und Siler setzen

ZUSAMMENFASSUNG

►Weltweit setzt sich in 2022 die Konjunkturerholung fort, der um sich
greifende „anti-marktwirtschaftliche“ Zeitgeist trübt allerdings die langfristigen
Wachstumsperspektiven ein.

►Eine „echte Zinswende“ wird es nicht geben, die Realzinsen bleiben vielmehr
im negativen Territorium, die Zentralbanken lassen eine dauerhaft
erhöhte Preisinflation zu.

►Nicht nur die Konsumgüterpreise, sondern vor allem auch die Vermögenspreise
(vor allem Aktien- und Häuserpreise) gehen weiter in die Höhe,
so dass die Kaufkraft von US-Dollar, Euro & Co auf breiter Front schwindet.

►Physisches Gold und Silber bleiben für langfristig orientierte Anleger
eine (sehr) attraktive Option in 2022 und darüber hinaus, um der Geldentwertung
zu entgehen.

WELTKONJUNKTUR: ERHOLUNG SETZT SICH FORT

Die Volkswirtschaften erholen sich nur mühsam aus der politisch diktierten Lockdown-
Krise. Die Konjunkturerholung, die in 2021 eingesetzt hat, wird sich jedoch
sehr wahrscheinlich in 2022 fortsetzen. Und wie stets mit Blick auf den künftigen
Konjunkturverlauf lassen sich Licht und Schatten erkennen.

Positiv stimmt, dass die Auftragsbücher vieler Unternehmen voll sind – ein Zeichen, dass Firmen und Konsumenten auf eine „Normalisierung“ der Lage drängen –, dass die Bestellungen meist aufgrund von Materialknappheit nicht vollumfänglich ausgeführt werden
können. Positiv ist ebenfalls, dass die Kredit- und Kapitalmärkte weiterhin liquide
sind, Investoren den Zugang zu Kapital ermöglichen.

Zuversichtlich muss stimmen, dass die voranschreitende Digitalisierung das Potential
hat, große Produktivitäts- und Gewinnpotentiale zu heben, neue Märkte zu
schaffen. Beispielhaft zu nennen sind der verstärkte Einsatz von Robitik und Künstlicher
Intelligenz („KI“) in der Produktion sowie die zunehmende digitale Vernetzung
zwischen Produktion und (Online-)Vertrieb.

Das ist verbunden mit weitreichenden Veränderungen von bestehenden unternehmerischen Geschäftsmodellen und Anforderungen an Arbeitnehmer. Dieser Prozess hat sich in der
Coronakrise beschleunigt, und er trägt auch dazu bei, dass viele Unternehmen ihr
operatives Geschäft weiter betreiben können und die Konjunktur gestützt wird.

Allerdings es gibt auch „Gegenwind“. Die Effizienz der internationalen Produktions-
und Lieferketten ist nach wie vor beeinträchtigt; der „grünpolitisch“ herbeigeführte
Energiepreisschock, der sich vor allem in Europa zusehends zu einer Energie(-
sicherheits-)Krise auswächst, belastet die Unternehmen und Konsumenten.

Es ist weiterhin zu befürchten, dass die anhaltende Unsicherheit über den gesellschaftspolitischen Umgang mit der Viruskrise die Risiko- und Investitionsneigung
der Unternehmen dämpfen könnte. Insbesondere aber wächst sich die Güterpreisinflation
– sowohl auf der Verbraucherstufe, aber auch in den Vermögensmärkten
– immer mehr zu einem ernsten Problem aus, dass sowohl Unternehmen
als auch den Haushalten immer stärker zu schaffen macht (davon später mehr).

Hinzu kommen geopolitische Risiken: Dazu zählen derzeit vor allem die Konfrontation
zwischen den USA und China, aber auch der Ukraine-Konflikt zwischen
Russland und dem Westen. Und – das lehrt die Erfahrung – man muss mit weiteren
Überraschungen und Risiken rechnen, die uns im Hier und Heute jedoch (noch)
nicht bekannt sind (gemeint die „unbekannten Unbekannten“).

Gerade die letzten Jahre haben nur allzu deutlich gezeigt, dass es gerade das Unvorhersehbare sein kann, das die Entwicklung der Weltwirtschaft, der Weltfinanzmärkte stärker beeinflusst, als die Faktoren, die die Überlegungen der Prognostiker üblicherweise in ganz besonderem Maße beschäftigen.

Die Einschätzung der Zukunft, vor allem die künftigen Geschicke ganzer Volkswirtschaften,
ist und bleibt eben ein schwieriges, ein mit unüberwindbar großen Unsicherheiten
behaftetes Geschäft – und deshalb ist der Investor gut beraten, umsichtig
zu sein, Chancen und Risiken sorgsam gegeneinander abzuwägen.

Das jährliche Wachstum der Weltwirtschaft wird sich, so schätzen wir, im laufenden
Jahr auf 4,2 Prozent abschwächen – nach noch 5,8 Prozent in 2021 (Abb. 1).
China, Großbritannien und die USA erweisen sich als konjunkturelle Zugpferde in
der Gruppe der entwickelten Volkswirtschaften, dahinter wird der Euroraum merklich
zurückbleiben.

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Konsum und Investition ziehen an, aber die konjunkturelle Erholung
wird vor allem angeführt durch die weiterhin großen Staatsdefizite, mit
denen Transfers, aber auch direkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage finanziert
wird; und natürlich treiben vor allem auch die nach wie vor sehr niedrigen nominalen
Zinsen (die nach Abzug der Güterpreisinflation vielerorts negativ sind) die
konjunkturelle Erholung an.

INFLATION: STEIGT IM TRENDVERLAUF

Dass sich in der westlichen Welt ein „Inflationsproblem“ entwickelt, ist nicht mehr
zu übersehen. Über die Ursachen der Inflation ist schon viel Tinte vergossen worden,
und an dieser Stelle soll die Diskussion nicht erneut aufgenommen werden.
Mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse ist es aus unserer Sicht jedoch gerechtfertigt,
den Inflationsprozess wie folgt zu erklären:

(1) Vor allem die Folgen der politisch diktierten Lockdown-Krisen sowie auch der politisch angetriebenen Energiewende/grüne Politik haben für Knappheit und Preissteigerungen auf den Gütermärkten gesorgt.

(2) Dieser „Preisschock“ trifft jetzt auf einen gewaltigen
„Geldmengenüberhang“, für den die Zentralbanken gesorgt haben: Um die Einkommensausfälle der Lockdown-Politik aufzufangen, haben die Zentralbanken
Schuldpapiere der Staaten in großem Stil aufgekauft und dadurch die umlaufende
Geldmenge gewaltig erhöht, die sich nun in steigenden Güterpreisen – steigenden
Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen – entlädt.

In den USA dürfte der Geldmengenüberhang derzeit schätzungsweise bei 20 Prozent
liegen: In dieser Prozentzahl kommt das Preissteigerungspotential zum Ausdruck,
dass sich noch in steigenden Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen
niederschlagen kann. Mit anderen Worten: Das Inflationspotential ist beträchtlich,
zumal die US-Geldmenge nach wie vor mit sehr hohen Raten wächst. Im Euroraum
sieht es nicht viel anders aus.

Der Geldmengenüberhang beträgt ebenfalls etwa 20 Prozent, und folglich ist auch hier das Inflationspotential beträchtlich. So gesehen gibt es gute Gründe, in den kommenden Jahren eine im Vergleich mit den letzten Jahren sehr hohen Inflation zu rechnen – denn der Inflationsdruck, der sich bereits „in der Pipeline befindet“, lässt sich nicht mehr entschärfen.

Die Inflation ist nicht nur auf das Ansteigen der Konsumgüterpreise beschränkt.
Sie zeigt sich auch im Ansteigen der Vermögenspreise – wie zum Beispiel Aktienund
Häuserpreisen. Die „Vermögenspreisinflation“ ist für die Geldhalter genauso
problematisch wie die Inflation der Konsumgüterpreise: Auch sie setzt die Kaufkraft
des Geldes herab. Vor allem aber spielt die Inflation dem Staat in die Hände.

Denn er (und die von ihnen begünstigten Gruppen) ist der große Gewinner. Beispielsweise
durch die „kalte Progression“: Wenn die Löhne an die Inflation angepasst
werden, rutschen die Einkommensverdiener in eine höhere Grenzbesteuerung.
Dadurch steigt ihre reale Steuerlast, die dem Staat zugutekommt.

ZINS: KEINE ECHTE WENDE

Seit Jahrzehnten wird das internationale Finanz- und Wirtschaftssystem durch ein
Anschwellen des Kredit- und Geldangebots, das die Zentralbanken, in enger Kooperation
mit den Geschäftsbanken, bereitstellen, angetrieben. Damit einher geht
unübersehbar eine Geldpolitik des fallenden Zinses: Im Zeitablauf schleust die
Zentralbank den Zins auf immer niedrigere Niveaus. Warum?

Vereinfacht gesprochen lautet die Antwort: Die Verschuldung der Volkswirtschaften steigt immer weiter an, und um einen Schuldenkollaps zu vermeiden, sorgt die Zentralbank für
immer geringere Kreditkosten. Das ist ein (ganz wesentlicher) Grund, warum die
Kapitalmarktzinsen in vielen Volkswirtschaften seit Jahrzehnten fallen.

Mittlerweile sind die Möglichkeiten, die Staatshaushalte durch neue Steuern und Platzierung neuer Anleihen ei privaten Investoren zu finanzieren, weitestgehend ausgeschöpft. Die Staaten greifen daher auf ihre Zentralbanken zurück, die ihnen per Kredit neues Geld in die Kassen spülen.

Das ist nichts anderes als die Finanzierung der Staaten durch die elektronische Notenpresse – etwas, was in der Vergangenheit immer wieder den Volkswirtschaften zum Verhängnis wurde, das in Hoch- oder gar Hyperinflation geendet hat. Die Zentralbanken stehen mittlerweile unter der „Dominanz der Fiskalpolitik“. Das heißt, die öffentliche Kassenlage bestimmt den geldpolitischen Kurs; und dass dadurch die Inflation in die Höhe getrieben
wird, liegt auf der Hand.

Damit ist ein ganz entscheidender Aspekt angesprochen: Die Prioritäten in der
Geldpolitik haben sich verschoben. Es geht nicht mehr darum, die Inflation der
Konsumgüterpreise (relativ) niedrig zu halten, es geht darum, die Inflation „kontrolliert“
zu erhöhen, um dadurch eine Entwertung der ausstehenden Schulden –
vor allem der Schulden von Staaten und Banken – herbeizuführen.

Dazu fixieren die Zentralbank die Kapitalmarktzinsen auf einem niedrigen Niveau (beispielsweise durch Ankäufe von Staatsanleihen), und gleichzeitig erhöhen sie die Geldmenge, die sich nachfolgend in steigenden Güterpreisen entladen, also die Kaufkraft der offiziellen Währungen herabsetzt. Die Inflation wird gezielt als „Inflationssteuer“
eingesetzt, um die Staatsfinanzen und die „Scheinprosperität“ zu „retten“.

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Natürlich sagt man das der Öffentlichkeit so nicht. Schließlich ist die Inflation ja ein
Betrug, eine Täuschung, die nur dann im Sinne des Staates (und der von ihm begünstigten
Sonderinteressengruppen) „funktioniert“, wenn sie für die von ihr Betroffenen
überraschend eintritt.

Vor allem die Zentralbankräte werden alles tun, um den Eindruck zu vermeiden, sie würden für höhere Inflation sorgen, dass sie die Staatshaushalte durch Inflation finanzieren beziehungsweise sanieren wollten.
Denn wenn der Inflationsschwindel auffliegt, droht das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, dass sich durch die chronische Papiergeldinflation in den letzten
Dekaden aufgebaut hat, in sich zusammenzustürzen.

Die Zentralbanken werden daher vermutlich versuchen, dass die Inflation nicht außer
Kontrolle gerät, gleichzeitig aber verhindern wollen, dass die Finanzierungskosten
des Staates steigen. Wie lässt sich dieser „Spagat“ vollziehen? Antwort:

Indem die Zentralbanken der Öffentlichkeit in Aussicht stellen, sie werden die Inflation
(die sie ja selber erzeugt haben) „bekämpfen“ – und zwar indem sie vorgeben,
die Zinsen zu einem künftigen Zeitpunkt anzuheben. Dadurch sollen die Inflationserwartungen der Marktakteure im Zaume gehalten werden, es soll also verhindert
werden, dass sich die Inflationserwartungen nach oben schrauben und
entsprechend Preiserhöhungen auf den Gütermärkten angeheizt werden.

Worten werden notgedrungen Taten folgen (müssen), sonst ist die Glaubwürdigkeit
der Zentralbanken verspielt – zumal die breite Öffentlichkeit ja die Inflation als
Problem erkannt hat. Die US-Zentralbank wird daher im laufenden Jahr sehr wahrscheinlich
die Leitzinsen anheben – denkbar ist ein Anstieg des Leitzinses auf 0,75
bis 1,5 Prozentpunkte bis Mitte 2023.

Eine solche Zinsstraffung wird jedoch nicht mehr als eine kosmetische Änderung sein: Nach Abzug der laufenden Teuerungsrate wird der US-Leitzins tief im negativen Territorium verharren. Das heißt, der Kaufkraftschwund des Greenback wird weitergehen, die US-Zentralbank steuert in einen „neues Regime“: eines, in dem die Inflation höher ausfallen wird als 2 Prozent – vermutlich wird sie fortan eher bei 4 (oder mehr) Prozent liegen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ebenfalls an der Zinsschraube drehen, aber
nur ganz leicht. Wir erwarten, dass die Geldbehörde vielleicht schon im Sommer
beginnt, in ganz kleinen Schritten den Einlagenzins (der derzeit bei minus 0,5 Prozentpunkte liegt) in Richtung der Nulllinie zu schleusen, und dass sie vielleicht einen
ersten Zinsschritt gegen Ende 2022 vollziehen wird.

Allerdings wird das nicht ausreichen, die Inflation der Güterpreise in den kommenden Jahren auf beziehungsweise unter die 2-Prozentmarke zurückzuführen. Für die Euro-Geldhalter bedeutet das: Der Euro-Realzins bleibt noch lange negativ, die Kaufkraftentwertung des Euro geht weiter. Für Anleger im Euroraum besteht zudem das Risiko, dass die Geldentwertung größer wird, als es derzeit erwartet wird.

GOLD: WIRD AUCH KÜNFTIG GLÄNZEN

Das bringt uns zur Frage: Was kann der Anleger machen, um sich vor Geldwertschwund
zu schützen? Die Antwort auf diese Frage ist schwieriger, als es vielleicht
zunächst erscheinen mag. Das liegt daran, dass die Ziele, das Risikobewusstsein und
die Möglichkeiten von Anleger zu Anleger mitunter sehr unterschiedlich sind, es
also vermutlich keine Antwort gibt, die für alle geeignet ist. Eine Maßnahme jedoch,
die vermutlich sehr viele ergreifen können, ist das Halten von physischem Gold und
Silber. Dazu nun ein einige grundsätzliche Anmerkungen.

In der Zeit von 1970 bis 2021 ist der Goldpreis (USD/oz) um jahresdurchschnittlich
9,8 Prozent gestiegen, in der Zeit von 2000 bis 2021 um 9,6 Prozent (Abb. 4). Zwar
waren dabei die Schwankungen der jährlichen Preiszuwächse durchaus ausgeprägt.
Aber diese Zahlen belegen doch recht eindrücklich, dass sich das Halten von Gold
für langfristig orientierte Anleger im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht:

Wer Gold geduldig für lange Zeit gehalten hat, der wurde nicht nur für die laufende
Inflation der Konsumgüterpreise entschädigt, er hat auch einen realen Wertzuwachs
erzielen können – und hat damit die offiziellen Währungen US-Dollar, Euro
& Co „geschlagen“.

Auch im Vergleich zu anderen Asset-Klassen hat sich Gold bewährt. So lag der
jahresdurchschnittliche Zuwachs des Goldpreises von Anfang 1973 bis Dezember
2021 bei knapp 6,9 Prozent, der für US-Aktien bei 11,2 Prozent – wobei zu beachten
ist, dass für den deutschen Anleger der Ertrag für das Gold steuerfrei, während
von der Rendite für US-Aktien noch die Kapitalertragssteuer abzuziehen war.

(Zudem sei hier betont, dass der hier verwendete US-Aktienmarktindex ein „Performance-
Index“ ist: Dividenden werden reinvestiert, wobei dabei keine Dividendensteuer
berücksichtigt wird. So gesehen sind die Renditen, die ein Aktien-Performance-
Index ausweist, für den Anleger de facto gar nicht erzielbar.)

Vor allem zeigt sich, dass das Gold besser abgeschnitten hat als verzinsliche US-Dollar-
Bankdepositen. (Der Greenback wird hier als repräsentativ für das ungedeckte
Geld angeführt). In der Zeit von den frühen 1970er Jahren bis Ende 2021
lag der jahresdurchschnittliche Zuwachs des Goldpreises merklich über der Inflationsrate
der Konsumgüterpreise.

Diese „Outperformance“ des Goldes gegenüber dem ungedeckten Geld hat in den letzten zwei Dekaden noch zugenommen: Von Mitte 2007 (also kurz vor Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise) bis Ende 2021 lag der jahresdurchschnittliche Preiszuwachs des Goldes bei 6,7 Prozent, während der Wertzuwachs für kurzlaufende US-Dollar-Bankguthaben bei nur 0,6 Prozent lag und damit deutlich unterhalb der Inflation der Konsumgüterpreise von knapp 1,9 Prozent.

EINSCHÄTZUNG FÜR KÜNFTIGEN GOLDPREIS

Bekanntlich ist es überaus schwierig, eine verlässliche Prognose für die Edelmetallpreise
abzugeben. Der (Haupt-)Grund: Es gibt keine verlässliche Bewertungsformel,
die es erlauben würde, Prognosen in einer hinreichend überzeugenden Weise
abzuleiten. Doch das ist kein Grund zu verzagen.

Man kann einen anderen, etwas weniger ambitionierten Weg beschreiten, um zumindest eine „gut informierte“ Ahnung davon zu gewinnen, wohin sich der Goldpreis tendenziell entwickeln könnte. Dazu haben wir in den letzten Jahren verschiedene Modellrechnungen
angestellt. Kernidee ist dabei, den Goldpreis in Abhängigkeit von ausgewählten
makroökonomischen Faktoren zu erklären.

Das Ergebnis dieses Ansatzes ist keine Prognose in dem Sinne, dass das Gold am
Ende einer bestimmten Periode einen bestimmten Preis aufweist. Vielmehr wird
der Frage nachgegangen, ob der gegenwärtige Goldpreis zu teuer, zu günstig oder
angemessen ist mit Blick auf seine bestimmenden makroökonomischen Faktoren.

Folgt man diesem Ansatz, wird offensichtlich, dass der („faire“) Goldpreis Ende
2021 bei etwa 2.180 USD/oz lag, während der Marktpreis etwa 1.830 (USD/oz)
betrug (Abb. 5 a). Die aktuelle Unterbewertung des Goldpreises ist Abb. 5 b zu
entnehmen. Mit diesem Ergebnis ist allerdings nichts darüber ausgesagt, wann
(und wie schnell) die Preisanpassung erfolgen wird.

Für langfristig orientierte Anleger ist das Ergebnis der Modellrechnung dennoch
erfreulich: Das Gold (und entsprechend auch das Silber) stellen eine Portfolio-Versicherung
dar, die (auf Basis der Modellrechnung gesehen) ein beträchtliches Preissteigerungspotential in Aussicht stellt. Gerade auch mit Blick auf das weltweite monetäre Umfeld sind es vor allem die folgenden Aspekte, die das Halten von physischem
Gold (und Silber) attraktiv erscheinen lassen:

►Anders als Bargeld, verzinslichen Bankguthaben und kurzlaufenden Staats- und
Bankschuldverschreibungen lässt sich die Kaufkraft von Gold und Silber nicht durch
geldpolitische Kunstgriffe wie Güterpreisinflation und/oder Negativzinsen herabsetzen.

►Physisches Gold und Silber tragen kein Kredit- beziehungsweise Zahlungsausfallrisiko.
Anders als ungedecktes Geld und Gold-ETFs oder –ETCs besteht bei physischen
Edelmetallen nicht das Risiko, dass eine Vertragspartei ihren Verpflichtungen
(wie z. B. Verwahrung und Auslieferung) nicht nachkommt.

►Physisches Gold und Silber sind weitgehend unabhängig vom Finanzsystem, ihr
(Tausch-)Wert ist nicht an die Öffnungszeiten der Börsen gebunden. Sie lassen sich
– wenn sie an geeignetem Ort gelagert werden – im Grunde als jederzeit verfügbares
Tauschmedium vorhalten.

Edelmetallanleger sind gut beraten, einen langfristigen Blick anzunehmen; man
sollte keine überzogenen Erwartungen mit Blick auf die kurzfristigen Preiszuwächse
der Edelmetalle haben. Denn:

(1) Gold und Silber sind „politische Metalle“: Sie stellen auch heute noch
im Grunde Geld (in Wartestellung) dar, und ihre Aufwertung gegenüber
dem ungedeckten Geld – sei es gegenüber US-Dollar, Euro, chinesischen
Renminbi und japanischen Yen etc. – ist politisch alles andere als erwünscht.
Sie sind daher vor politischer Einflussnahme in ihrer Preisbildung
nicht gefeit.

(2) Der Preis von Gold und Silber wird heutzutage ganz maßgeblich durch den
„Papiergoldmarkt“ (mit-)beeinflusst, der sich wiederum in den Händen einiger weniger
Investment-Banken befindet. Der Preis des Goldes kann sich daher mitunter
abkoppeln von der Angebots- und Nachfragekonstellation im Markt des physischen
Goldes und dominiert werden von den Gold-Futures- und –Optionsmärkten.
Das kann zumindest kurz- bis mittelfristig einen Anstieg der Edelmetallpreise, wie
er aus dem Markt für physische Ware getrieben wird, entgegenwirken.

(3) Viele Anleger und Investoren in den westlichen Volkswirtschaften haben die
Leiden einer „Währungskrise“ vermutlich nicht mehr vor Augen. Sie kennen die
wirtschaftliche und gesellschaftliche Zerrüttung, die eine Entwertung des Geldes
mit sich bringt, nicht aus eigener Erfahrung. Vermutlich braucht es für sie erst die
„schlechte Erfahrung“, um die Qualität des physischen Goldes und Silbers einschätzen
zu können – und die dann ihre Gold- und Silbernachfrage belebt.

Abschließend: Die Preise für physisches Gold und Silber befinden sich seit
Jahren in einem Aufwärtstrend, und es gibt gute Gründe zu erwarten, dass
dieser Aufwärtstrend in 2022 anhält, sich in den kommenden Jahren noch
ganz merklich verstärken wird – und physisches Gold und Silber dem Anleger
und Investor positive Preiszuwächse bescheren und seine Portfolio-
Risiken absenken. Wie unsere (vorsichtigen) Preiseinschätzungen zeigen,
ist es ratsam, Edelmetallpositionen auf- und auszubauen.

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