Vaudoise Assurances: Exklusiv-Interview mit CEO Jean-Daniel Laffely – “Wir glauben weiterhin an ein Hybrid-Modell der Kundenbetreuung!”

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CEO von Vaudoise Assurances, Jean-Daniel Laffely.

Die Vaudoise gehört zu den zehn größten Privatversicherern in der Schweiz. Das 1895 gegründete Unternehmen ist der einzige unabhängige Versicherer mit Geschäftssitz in der Westschweiz. Das Unternehmen bietet Privatkunden und KMU hochwertige Beratung und Produkte in allen Bereichen der Versicherung und der Vorsorge.

Jean-Daniel Laffely, CEO Vaudoise Assurances

Herr Laffely, was hat sich in Ihrem Unternehmen durch die Corona-Pandemie verändert?  

J-D. Laffely: Wir haben in der ersten Welle im Frühling 2020 und auch seit dem 18. Januar 2021 auf “100%” Home-Office umgestellt – effektiv bei 95% am Hauptsitz und unsere Agenturen bleiben in 2021 mit einer Notbesetzung für unsere Kunden unter Einhaltung strikter Sicherheitsmaßnahmen geöffnet.

Ab Mai und durch den Sommer sind wir allmählich wieder ins Büro gegangen und seit diesem Herbst haben wir die Home-Office-Tage schrittweise erhöht. Dies funktioniert reibungslos. Kurzarbeit und Soforthilfen wurden und werden nicht in Anspruch genommen. Die Dividende wurde für das Geschäftsjahr 2019 wie geplant ausgeschüttet und konnte sogar für unsere Aktionäre von CHF 13 auf CHF 15 erhöht werden.

Wir gehen auch davon aus, dass für das Geschäftsjahr 2020 (also im Frühjahr 2021) die Dividende regulär gezahlt wird. Unsere soliden Eigenmittel haben uns erlaubt, Solidaritätsmaßnahmen in Form von Mieterlassen, -reduktionen oder -verschiebungen für die von Ladenschließungen betroffenen Geschäftskunden einzusetzen.

Firmenkunden, die eine Epidemie-Deckung im Vertrag eingeschlossen hatten, erhielten von uns Leistungen. Wir haben auch an Online-Unterstützungsplattformen für die Schweizer KMUs teilgenommen.

Welche langfristigen Folgen können dadurch entstehen?

J-D. Laffely: Grundsätzlich denken wir, dass das Bedürfnis nach Absicherung durch die Krise gestiegen ist, was sich positiv für die Versicherungswirtschaft auswirken sollte.  Die Digitalisierung wurde durch die Krise beschleunigt und dieser Trend wird anhalten, wenn nicht zunehmen.

Allerdings haben wir auch weiterhin das hohe Bedürfnis unserer Kundinnen und Kunden für eine Beratung durch unsere Versicherungsberater im Außendienst festgestellt. Insofern glauben wir weiterhin an ein hybrides Modell der Kundenbetreuung (Kombination Digital & persönliche Beratung).

Unser Omnikanalansatz bedeutet, dass wir für unsere Kunden mit derselben hochwertigen Beratung zur Verfügung stehen, egal ob wir online, per Telefon oder in der Agentur kontaktiert werden.

Kurz-/mittelfristig ist für 2021 und allenfalls 2022 weiterhin mit adversen Effekten zu rechnen: Der weitere Verlauf der Krise, die Entwicklung der konjunkturellen Lage, der Lohnsumme und eventuellen vermehrten Konkursen tragen zur erhöhten Unsicherheit in diesem Zeitraum bei.

Als Investor im Immobilienmarkt beobachten wir auch hier die Entwicklung eng. Allerdings sieht unsere Anlagestrategie für Immobilien eine Untergewichtung von gewerblichen Immobilien vor und somit sind wir hier wenig exponiert.

Die Krise hat leider auch gezeigt, dass die wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie / Epidemie wie Covid19 nicht durch die privatwirtschaftlichen Versicherungen abgedeckt werden können. Hier wird es (teil-)staatliche oder koordinierte Lösungen für die Zukunft geben müssen – ähnlich wie es schon für Erdbeben und Atomkraft der Fall ist.

Vielen Dank für diesen Einblick! Sie haben bereits ihr Hybrid-Modell angesprochen. Bleiben wir direkt dabei: Was unterscheidet Vaudoise Assurances von den Wettbewerbern der Branche?

J-D. Laffely: Unsere Wurzeln liegen in der Genossenschaft und definieren so auch unsere Werte: nah, vertrauenswürdig und menschlich. Die Vaudoise ist eine der besten kapitalisierten Versicherungsgesellschaft (gemessen am SST) der Schweiz und konnte in den letzten Jahren kontinuierlich die Prämieneinnahmen und Marktanteile steigern.

Gleichzeitig verteilen wir unsere Gewinne an die Aktionäre und Kunden. Unsere Kunden konnten in den letzten Jahren von einer Gewinnbeteiligung über 30 Millionen Franken jährlich profitieren. Gleichzeitig haben wir auch die Dividende für unsere Aktionäre in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht von 12 CHF für das Geschäftsjahr 2017, auf 15 CHF für das Geschäftsjahr 2019. Unser ausschließlicher Fokus auf die Region Schweiz trägt zu unserer Solidität und Stabilität der Ergebnisse zusätzlich bei.

Wo sehen Sie dadurch Ihr Unternehmen in 5 Jahren?

J-D. Laffely: Unsere Vision ist es im Schweizer Markt die Nr. 1 in Hinblick auf die

Kundenzufriedenheit zu sein (bzw. weiterhin zu bleiben) und somit kontinuierlich über dem Markt zu wachsen. Dazu soll unser Kundestamm auf 500.000 Kunden bis 2025 erhöht werden.

In den kommenden Jahren werden wir die Digitale Transformation unseres Kerngeschäft vorantreiben. Im Jahr 2020 haben wir einen Lizenzvertrag mit Guidewire unterschrieben, dem Weltmarktführer für Kernversicherungsplattformen in der Nichtlebenversicherung.

Wir werden die erste Versicherungsgesellschaft der Schweiz sein, die die allumfassende Lösung von Guidewire (Claims, Policy, Billing, Digital Engage) implementieren wird. Gleichzeitig investieren wir in das Datamanagement und Analytics.

Können Sie hier genauer auf Ihre Gewinnziele eingehen?

J-D. Laffely: Gerne Herr Möbus, außerdem wollen wir zusätzliche Gewinnquellen in strategisch verwandten Gebieten zum Versicherungsgeschäft erschließen. Hier haben wir in den letzten

Jahren mit M&A Aktivitäten im Bereich Immobilienanlagefonds (Berninvest) und Pensionskassenberatung für KMU (Pittet) unsere Ertragsquellen außerhalb dem Versicherungsgeschäft aufgebaut. Diese tragen heute bereits über 5% zu unserem Gewinn bei und sollen in den nächsten Jahren auf ca. 20% steigen.

Zusätzlich investieren wir in interne und externe Start-Up-Projekte um Ökosysteme (z.B. Animalia für Haustiere) aufzubauen, Innovation zu fördern und unsere digitale Kompetenz zu erhöhen. Seit Ende 2020 verfügt die Vaudoise auch über eine Nachhaltigkeitsstrategie.

Als Versicherer und Asset Manager ist sich die Vaudoise der Herausforderungen bzgl. Umwelt, Soziales und Governance (ESG) bewusst und übernimmt darum bei ihren Investitionstätigkeiten gesellschaftliche Verantwortung. In diesem Sinne verfolgt sie eine verantwortungsvolle Investitionspolitik und hält sich bei ihrer Vermögensverwaltung an ESG-Kriterien. Wir setzen uns ebenfalls aktiv für unsere Mitarbeitenden sowie für eine nachhaltigere Schweizer Gesellschaft ein. Das Ziel ist es, dass die Vaudoise auch in der Zukunft einer der führenden Schweizer Akteure bleibt.

Zum Abschluss habe ich nun noch eine Frage an Sie: Aus welchen Gründen sollten Anleger letztendlich in Ihr Unternehmen investieren?

J-D. Laffely: Die Vaudoise Versicherungen ist die einzige Aktie, die ein Investment mit exklusivem Fokus auf das schweizerische Versicherungsgeschäft bietet. Wir haben die Principles for Responsible Investment (PRI) unterzeichnet und wir streben an, unseren positiven Impact unserer Kapitalanlagen zu erhöhen. Die Bilanzstärke und der nachweisliche trackrecord in Bezug auf Wachstum und Gewinn machen uns zu einem attraktiven schweizerischen Substanzwert.

Vielen Dank für den detaillierten Einblick in Vaudoise Assurances, Herr Laffely. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

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