US-Aktien – Amazon: Das gab es noch nie!

Die Aktie von Amazon hat nach monatelangem Niedergang wieder etwas zugelegt. Das liegt offenbar an einer Premiere in Kalifornien. Auch die Kursziele bleiben hoch.

Die Papiere von Amazon gehören unter den US-Aktien bislang zu den großen Verlieren des Börsenjahres 2022: Am ersten Handelstag im Januar noch mit 3.408 US-Dollar an der Nasdaq bewertet, fielen die Anteilscheine des Onlineversandhändlers am Dienstag dieser Woche bis auf 2.027 Dollar ab – ein Abschlag von rund 40 Prozent. Der Niedergang der Amazon-Aktie hat gleich mehrere Ursachen. Dass es am Mittwoch an der New Yorker Börse wieder ein klein wenig nach oben ging, hat offenbar mit einer Gegenreaktion des E-Commerce-Riesen zu tun. In Kalifornien feierte Amazon eine Premiere.

Amazon eröffnet sein erstes Mode-Kaufhaus

Denn erstmals in der mittlerweile 28 Jahre währenden Firmengeschichte eröffnete Amazon am Mittwoch ein eigenes Mode-Kaufhaus. Laut Handelsblatt ist es die erste Filiale der Marke „Amazon Style“, angesiedelt in einem Einkaufszentrum in der Nähe von Los Angeles. „Nach dem Internet-Shopping-Boom in der Corona-Pandemie setzt der Konzern damit auf eine Rückkehr zum klassischen Einzelhandel“, heißt es. Mit seinem ersten Ladengeschäft trete Amazon somit in Konkurrenz zu US-Kaufhausketten wie Macy’s.

Es ist nicht das erste Präsenzgeschäft des US-Konzerns: Amazon betreibt dem Bericht zufolge unter anderem kleinere Ketten für Lebensmittel und andere Produkte. Außerdem gehöre Amazon die Supermarktkette Whole Foods. Mit einer Fläche von knapp 2800 Quadratmetern ist das Geschäft aber deutlich größer als Amazons bisherige Läden. Digital geht es, wenig überraschend, ebenfalls zu: Der Einkauf soll stark automatisiert werden, Kunden erhalten über Amazons App demnach etwa Kaufempfehlungen. „Durch Scans von QR-Codes auf den Artikeln sollen Produktdetails sowie verfügbare Größen, Farben und Bewertungen eines breiten Mode-Sortiments angezeigt werden“, schreibt das Handelsblatt.

Amazons Schwäche hat Gründe

Aus Sicht des Internetriesen ergibt der weitere Schritt ins Präsenzgeschäft durchaus Sinn: Am Anfang der Corona-Pandemie noch ein großer Gewinner des Onlinehandel-Booms, hatte Amazon zuletzt mit massiven Problemen im Handel zu kämpfen. Zu nennen wären:

  • Zinsängste
  • Ukraine-Krieg
  • Inflation

Im ersten Quartal 2022 stieg der Umsatz von Amazon daher um lediglich neun Prozent auf 116,4 Milliarden US-Dollar. Das war laut Börse am Sonntag das schwächste Wachstum seit der Dotcom-Krise vor mehr als zwanzig Jahren. Gleichzeitig brach der Betriebsgewinn von Januar bis März von 8,9 auf 3,7 Milliarden Dollar ein.

Mehr noch: Der Online-Riese verbuchte gar einen Nettoverlust von 3,8 Milliarden Dollar. Grund für diese Entwicklung war neben dem schwächelnden Onlinehandel vor allem die Abschreibung auf die Beteiligung am Elektroauto-Start-up Rivian. Diese schlägt laut Medienberichten mit 7,6 Milliarden Dollar zu Buche. Allein die weiterhin prosperierende Cloud-Sparte hatte Amazon zuletzt das Ergebnis noch gerettet.

Auch andere US-Aktien litten – vor allem Netflix

Doch auch für das laufende Quartal erwartet Amazon demnach nur ein schwaches Wachstum und einen Umsatz zwischen 116 und 121 Milliarden US-Dollar. Das ist weit weniger als Analysten mit im Schnitt 125,5 Milliarden zuvor erwartet hatten. Am Tag der Verkündung Ende April ging es mit der Amazon-Aktie folglich massiv nach unten, von 2.891 auf 2.432 Dollar; seitdem hat sich der Abwärtstrend  fortgesetzt – zumindest bis am Dienstag.

Insgesdamt aber erwischte es den Handelsriesen an der Börse mächtig, neben anderen US-Aktien, insbesondere aus der Tech-Sparte. Allen voran Netflix, das seit ihren Höchstständen im November bei 700 Dollar auf aktuell knapp 188 Dollar einbrach, ein Minus von mehr als 70 Prozent. Die Amazon-Aktie erreichte hingegen im Juli 2021 bei einem Kurs von 3.772 Dollar ihr Allzeithoch. Nachdem sie sich aktuell wieder auf 2.135 Dollar leicht verbessert hat, beträgt der Abschlag seitdem aber noch immer knapp 45 Prozent.

Analysten mit hohen Kurszielen

Die Analysten, die vor dem Quartalsbericht allesamt immense Kursziele für die US-Aktie aufgerufen hatten, reagierten hernach mit etwas gedämpften Erwartungen – die im Rückblick aber noch immer als viel zu hoch erscheinen. So hatte etwa die britische Investmentbank Barclays das Kursziel für Amazon am 29. April lediglich von 4400 auf 4240 US-Dollar herabgesetzt, beließ die Einstufung auf „Overweight“. Umsatzseitig seien die Erwartungen im ersten Quartal erfüllt worden, der operative Gewinn sei aber enttäuschend genauso wie der Ausblick auf das zweite Jahresviertel, schrieb Analyst Ross Sandler. Fortan, so der Experte, „sollte sich der Trend für den Online-Händler aber wieder bessern“.

Die US-Investmentbank Bank of America (BofA) senkte den fairen Wert für die Amazon-Aktie zwar von 4225 auf 3770 US-Dollar, beließ die Einstufung aber ebenfalls auf „Buy“. Die schweizer Großbank UBS hatte das Kursziel für Amazon von 4550 auf 4185 US-Dollar gesenkt, die Einstufung aber ebnenfalls auf „Buy“ belassen. Amazon bleibe „eine Story für das zweite Halbjahr“, schrieb Analyst Lloyd Walmsley.

Credit Suisse empfiehlt zum Kauf

Zuletzt hat die Schweizer Bank Credit Suisse die Einstufung für Amazon auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 3700 US-Dollar am vergangenen Freitag bestätig. Analyst Stephen Ju begründete in einer sein positives Anlagevotum für den Handelskonzern mit der Erwartung „einer kontinuierlichen Ausweitung der operativen Marge im E-Commerce und der Möglichkeit eines schnelleren Free-Cashflow-Wachstums in Bezug auf das Werbesegment“, wie es hieß.

So zuversichtlich zeigen sich die Experten aktuell noch immer:

Bank Kursziel Potenial
Credit Suisse Group 3.700,00$ +73,26%
Deutsche Bank AG 3.500,00$ +63,90%
Merrill Lynch & Co., Inc. 3.770,00$ +76,54%
Barclays Capital 4.240,00$ +98,55%
UBS AG 4.185,00$ +95,97%
JP Morgan Chase & Co. 4.000,00$ +87,31%

Quelle: finanzen.net

Folgt man Barclays-Analyst Ross Sandler, sollte sich der Kauf der Amazon-Aktie lohnen: Das derzeitige Kursniveau spiegle nur den Wert der Web-Services-Sparte wider, schrieb er Ende April. Den angestammten Handelsteil bekämen Anleger also praktisch geschenkt. Ob er mit dieser gewagten Einschätzung Recht behalten wird, bleibt abzuwarten.

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