x
Finanztrends App Icon
Finanztrends App Kostenlos herunterladen! Jetzt bei Google Play

UBM Development: CEO Thomas Winkler im Interview, abwarten und alert bleiben

Der CEO der UBM Development im Interview mit Börsenradio.de. Es geht um den "Höhepunkt des perfekten Sturms" und um eine grüne und smarte Bauweise.

Auf einen Blick:
  • Der CEO Thomas Winkler im Interview mit Börsenradio.de
  • Er erklärt die Gründe für das antizyklische Verhalten der UBM in den aktuellen Zeiten.
  • Einer der größten Holzbau Developers Europas gibt detaillierte Einblicke.

Die Börsen Radio Network AG hat in einem Interview mit dem CEO der UBM Development gesprochen. Dabei hat der CEO Thomas Winkler einen interessanten Einblick in das Verfahren, mit green, smart und more dem „Höhepunkt des perfekten Sturms“ begegnen, gegeben.

Thomas G. Winkler: Mein Name ist Thomas Winkler. Ich bin der CEO der UBM Development, des wahrscheinlich schon aktuell größten Holzbau Developers in Europa.

Peter Heinrich: Wir treffen uns hier in Frankfurt. Über Frankfurter Projekte unterhalten wir uns gleich noch, was ich aber noch so im Kopf habe. In unserem letzten Interview, gar nicht lang her. Es war im August, da sagten Sie mir im Radiointerview, Zitat: „Wir leiden eben unter dem, was wir einen perfekten Sturm nennen.“ Und da haben Sie mir die Geschichte von München erzählt und dass quasi so eine gewisse Schockstarre investiert im zweiten Quartal.

Und Sie sagten auch Lustigerweise haben Sie weder einen Verkäufer noch einen Käufermarkt. Beide haben so eine Art Abwarten und Tee trinken Haltung. Und es gab auch einen Einbruch in München um fast 90 % in diesem Transaktionsmarkt. Hat sich dann irgendwas verändert?

Thomas G. Winkler: Im Moment noch nicht. Ich sollte sagen, wir sind einer der Hauptveränderer, weil wir heute bekannt gegeben haben, dass wir im Medienhafen in Düsseldorf ein Grundstück vis-a-vis erworben haben, weil wir eben auch in unserem Halbjahres Bericht, auf den Sie sich bezogen haben, klargestellt haben, dass es uns möglich ist, uns auch antizyklisch zu verhalten.

Und das ist ja eine alte Immobilien Weisheit, dass Sie die besten Käufe in der schwierigsten Zeit machen und dann davon auch in Zukunft profitieren. Und dass es eben auch unsere Hoffnung bei dieser Acquisition, die wir gerade durchgeführt hatten.

Peter Heinrich: Aber kommen die schwierigsten Zeiten nicht noch? Steigende Zinsen müssten doch jetzt eigentlich mehr freie Objekte in den Markt spülen.

Thomas G. Winkler: Sie haben vollkommen recht. Wir haben sicher den Höhepunkt des perfekten Sturms noch nicht gesehen. Bei uns als Pure Play Developer ist es nur so, dass wir eben kontinuierlich Projekte hereinnehmen sollten, um auch eine Kontinuität in den Ergebnissen darzustellen. Den Medienhafen in Düsseldorf verhandeln wir seit Herbst 2021.

Peter Heinrich: Ja, man braucht ein bisschen Vorlauf mit diesen Verhandlungen. Also Schockstarre. Nicht mehr abwarten und Tee trinken.

Thomas G. Winkler: Also, wir warten weiterhin ab. Aber man muss auch in diesen Zeiten alert bleiben, weil es nicht so sein wird, dass dann alles mit einem Mal auf den Markt kommt und man es sich aussuchen kann. Und deshalb eben unser antizyklische Verhalten dort oder da, aber im überschaubaren Rahmen.

Peter Heinrich: Kommen wir zu den Energiepreisen. Der ist ja nur ein Teil der Kosten. Die anderen Kosten besprechen wir gleich noch mal. Also wenn man sich jetzt einen neuen Energieversorger sucht, zum Beispiel hier in Frankfurt, dann hat man Preise mittlerweile von 60 bis 80 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen.

Sie müssten doch eigentlich fast täglich Anrufe haben bei Ihnen in der Firma. In denen gesagt wird, wir haben da ein Projekt von Ihnen, können wir doch nochmal umplanen. Was können wir noch mal schnell Energiemäßig ändern? Wo können wir noch mehr Energie einsparen? Was passiert da momentan gerade im Markt und bei Ihnen?

Thomas G. Winkler: Das passiert bei uns nicht, weil wir diese Wände bei uns mit dieser neuen strategischen Ausrichtung nicht nur unter Anführungszeichen in Richtung Grün, sondern auch in Richtung Smart vollzogen haben. Und Smartifizierung von Gebäuden heißt, die ganze Intelligenz, die ja heute schon im Gebäude verbaut wird, durch eine Sensorik so zu nutzen, dass die Energiekosten möglichst gedrückt werden.

Und dieser Aspekt ist natürlich größer geworden, weil wenn die Nebenkosten bei der Miete vielleicht 3 € waren oder vier, dann ist es natürlich weit weniger erheblich, als wenn sie jetzt sechs oder 8 € wären. Tendenz steigend.

Peter Heinrich: Ich hatte vor eine Woche ein Interview mit dem Vorstand von Zumtobel und der meinte Na ja, wenn man so ein Gebäude umbaut bei den momentanen Preisen, amortisieren sich plötzlich diese Umbaukosten innerhalb von einem Jahr bis eineinhalb Jahren.

Thomas G. Winkler: Gut, so schnell geht es bei uns insgesamt nicht, aber das mag durchaus im Beleuchtungteil der Fall sein. Wir haben ja auch mit Zumtobel gemeinsam in der SBIF der Smart Building Innovation Foundation eine Zusammenarbeit, die genau auf das abzielt, also möglichst optimale Ressourcenschonung in neuen Gebäuden. Und da gibt es Maßnahmen, die sich wesentlich schneller rechnen, nachdem sich die Energiekosten versiebenfacht haben, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Peter Heinrich: UBM der größte Holzbau Developer in Europa. Was brauchen Sie noch zu Holz? Die Preise sind extrem gestiegen, zum Beispiel Ziegel, Zement haben sich 30, 40, 50 % erhöht. Wie ist das mit den Holz Preisen?

Thomas G. Winkler: Also die Holz Preise haben sich dieses Jahr halbiert, nachdem sie sehr stark angestiegen sind. Das sind immer Momentaufnahmen und wir machen ja eben auch Holz Hybrid Bauweise. Und bei uns ist es ja nicht eine Frage. Entweder Beton oder Holz. Sondern es ist sowohl Beton als auch Holz.

Und wir leiden natürlich auch unter den Baustoffen, die eine hohe Energie Kapazität haben, um erstellt zu werden, wie eben Stahl oder Zement. Aber es ist so, dass wir schon eine Beruhigung feststellen können und eine kalkulierbare Sicht der Dinge haben, als wir sie noch vor einem halben Jahr hatten.

Peter Heinrich: Warum gibt es diese Beruhigung? Weil die Nachfrage nachlässt?

Thomas G. Winkler: Auch. Und weil sich die Preise zwar teilweise auf sehr hohem Niveau, aber doch eingependelt haben und es keine erratischen Abweichungen gibt, wie wir sie natürlich beim Ausbruch des Ukraine Kriegs gesehen haben. Ich erinnere an den Nickel Preis und die ganze Verrohrung, die davon betroffen ist oder eben auch andere Preise.

Insgesamt ist aber mit dieser Ausrichtung green, smart and more natürlich auch verbunden, einen möglichst geringen CO2 Fußabdruck zu hinterlassen. Und das bewahrheitet sich und bestätigt sich im jetzigen Umfeld natürlich umso stärker.

Peter Heinrich: In Mainz der Kaufmanns Hof, 40 Meter hoch, zwölf Stockwerke. Bis wohin können Sie mit Holz bauen? Und wenn Sie so etwas bauen, wie viel Prozent hat dieses Gebäude dann wirklich an Holz und wie viel Prozent sind noch Stahl und andere Bauteile?

Thomas G. Winkler: Also der Kaufmanns Hof ist noch ganz konventionell gebaut, aber das, was wir jetzt vorhaben, wir nennen es Timber Peak. Das höchste Gebäude in Mainz, wird in Holz hybride Bauweise sein, das heißt in der Mitte ist es nach wie vor aus Beton, aber man versucht so viel wie möglich durch Holz zu ersetzen. Einfach weil die Produktion von Stahl und Zement weltweit gesehen 2 Milliarden Tonnen CO2 jedes Jahr bewirkt und jede Tonne Stahl oder Betont, die sie einsparen, kommt direkt dem CO2 Fußabdruck zugute.

Das hängt jetzt auch davon ab, wie viel das ist. Ich schwenke jetzt von Mainz nur ganz kurz rüber zum fast fertiggestellten Timber Pioneer hier in Frankfurt. Aber hier im Timber Pioneer in Frankfurt verbauen wir 1800 Kubikmeter Holz, was dazu führt, dass wir 1800 Tonnen CO2 auch einsparen, gegenüber einer konventionellen Bauweise. Das ist immer noch natürlich sehr viel Beton, weil auch die zischen Decken in Beton sind aus Schallschutz gründen. Aber 1800 Tonnen sind schonmal eingespart.

Peter Heinrich: Ja und es ist ja vermutlich auch auch der Trend. Haben Sie jetzt, wenn Sie immer mehr Holz bauen, auch immer mehr Holzbauingenieure? Sind die selten? Müssen die vorher eine Schreinerlehre haben oder schaffen das Architekten immer so? Oder welches Spezialwissen brauchen Sie jetzt in Ihrer Firma, damit Sie mit Holz bauen können?

Thomas G. Winkler: Ja, also wir haben einen Holzbauteam von fünf und sind damit Marktführer und sagen auch manchmal etwas kokett, dass wir damit den Markt auch leer gefegt haben. Das sind zwei Praktiker, die eine Schreinerlehre gemacht haben und immer aus der Ecke mit Holz gebaut haben.

Das sind zwei Uniabsolventen, die sich vor allem intensiv mit der Zukunft des Holzbaus beschäftigen. Und das ist einer, der seit 30 Jahren nie etwas anderes gemacht hat. Ein Bauingenieur als Holzbau, weil der immer diese Affinität gehabt hat. Und die sind bei uns die Kerntruppe, die wir auch versuchen. Ob es jetzt der Timber Pioneer in Frankfurt ist, der Timber Peek in Mainz ist oder die Timber Factory in München mit ihrem spezifischen Know how, vor allem am Anfang, einzubinden.

Weil das große Problem der meisten Holzbauten, die wir bisher gemacht haben, ist, dass sie mineralisch geplant waren, heißt in konventioneller Bauweise geplant waren und dann umgemodelt, sagt man auf Österreichisch, um modelliert wurden. Und wenn man von Anfang an in Holzbau plant, kann man es natürlich noch wesentlich effizienter gestalten.

Peter Heinrich: Warum heißen eigentlich alle Timber?

Thomas G. Winkler: Weil wir mit dem begonnen haben und Timber eben nichts anderes ist, als der Ausdruck für Holz und wir damit auch eine Assetklasse geschaffen haben. Und wenn Sie sich auf Social Media den Erfolg des Timber Pioneer anschauen, der offensichtlich auch als Genre Name oft missverstanden wird. Da haben wir gesagt, da haben wir durch Zufall das Richtige gemacht, dann setzen wir das auch fort und lassen uns das auch überall schützen.

Peter Heinrich: So, Sie müssen gleich auf die Bühne zu Ihrem Vortrag. Schlussfrage, noch mal Smart Green and more. Wir haben uns öfters drüber unterhalten. Sie hatten das letzte Mal so ein Beispiel erzählt, man steigt in den Aufzug ein und dann hört man Musik. Also man geht quasi in eine andere Welt hinein. Hätten Sie noch ein Beispiel, wie ich mir das vorstellen kann? Dieses More, dieses Smart, dieses Green?

Thomas G. Winkler: Ja, also das ist das More. Das ist das, was wir auch als Hotel Developer, gelernt haben, dass ein Gebäude auch ein gewisses Thema sich setzen muss und eine Geschichte erzählen muss. Und auch wenn es belächelt wird von dem einen oder anderen.

Aber wenn Sie jetzt in den Timber Pioneer, sobald der fertig ist, hier in Frankfurt hineinkommen. Dann werden Sie nicht nur das Harz von den Holzbalken riechen, sondern auch noch zusätzlich hergestellt, den Geruch von Waldboden und werden dann eben auch, wenn sie mit dem Aufzug in den achten Stock hinauffahren, von einem Specht oder Kuckuck begleitet. Das haben wir noch nicht entschieden, und das macht es ein bisschen unverwechselbar.

Ähnlich wie Sie beim Umsteigen in Zürich von Kuhglocken und Alphörnern begrüßt werden. Und auch wenn man sagt, das ist alles Klischee und abgedroschen, erinnert man sich doch leichter daran, wo man umgestiegen ist.

Peter Heinrich: So bekommt ein Gebäude einen Charakter.

Peter Heinrich: So ist es. Und das ist, glaube ich, auch das Entscheidende. Weil am Ende ist es sowohl für die Nutzer, also die Mieter, als auch für den Eigentümer, ein Stück weit immer diese soft Faktoren, die dafür gesprochen haben, dass er gemietet oder gekauft hat.

Peter Heinrich: Vielen Dank.

Das Interview wurde im Original von der Börsenradio Network AG von Redakteur Peter Heinrich geführt.

Trending Themen

Diese 3 ETFs bieten attraktive Dividenden!

Investoren, die sich nicht sicher sind, welche Aktien sie kaufen sollen, oder die ihr Portfolio mit einem zusätzlichen Sicherheitskonzept ausstatten wollen, kön...

Warren Buffetts 4 Anlagestrategien, die sich auch für Sie auszahlen können!

Es gibt nur wenige Menschen auf diesem Planeten, die das Innenleben des Aktienmarktes besser verstehen als Warren Buffett. Der milliardenschwere Investor ist be...

Diese 4 Aktien sollten Sie auf dem Schirm haben!

Der S&P 500 begann das Jahr 2022 mit einem Paukenschlag und erreichte am 4. Januar mit 4.818,62 Punkten ein neues Allzeithoch. Dieses Datum markierte den Hö...

Wie man während der Inflation in Aktien investiert!

Die Aktienkurse neigen zu Schwankungen, je nachdem, wie die Anleger über den Aktienmarkt denken, und diese emotionale Reaktion kann zu einigen volatilen Schwank...

Auf diese 6 Aktien sollten Sie achten!

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am vergangenen Samstag den Ausbruch der Affenpocken zu einem globalen Notfall erklärt und damit die höchste Alarmstufe...

Die Dip-Strategie: Ein Weg, niedrig zu kaufen und hoch zu verkaufen!

Im Leben eines jeden Anlegers gibt es Zeiten, in denen die Dinge einfach nicht so laufen wie geplant. Vielleicht hat Ihr Portfolio im letzten Quartal einen Rück...

Disclaimer

Die auf finanztrends.de angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.de veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. finanztrends.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrends.de und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.de an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.de und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)

UBM Development
AT0000815402
27,20 EUR
-1,79 %

Mehr zum Thema

UBM Development AG: CEO Thomas Winkler im Interview über die aktuellen  Quartalszahlen
Börsenradio | 29.08.2022

UBM Development AG: CEO Thomas Winkler im Interview über die aktuellen Quartalszahlen

Weitere Artikel

DatumAutorLeser
05.06. UBM Development-Aktie: Bitte unbedingt beachten Die Aktien-Analyse 14
Der Umsatz stieg um 51,6% auf 278 Mio €. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 44 Mio €. Bei den Sparten waren hauptsächlich Büros und Wohnimmobilien für das Wachstum verantwortlich. Die Sparte Office konnte den Umsatz um 86,4% auf 42 Mio € steigern. Bei den Wohnimmobilien wurde ein Wachstum von 75% auf 110 Mio € erreicht. Bei den Absatzmärkten punktete…