TUI-Aktie: Analyse – warum die Anleger dem Braten nicht trauen!

Auch am Mittwoch war die TUI-Aktie tiefrot. Lesen in dieser Analyse, warum die Anleger dem Braten nicht trauen und welche positiven Aspekte es trotzdem gibt.

Der Mittwoch war für die TUI-Aktie wieder einmal ein tiefrotes Desaster. Am Nachmittag verzeichnete das Papier des deutschen Touristikgiganten ein Minus von satten 6,5 Prozent auf 1,60 Euro (Stand: 29.06.2022, 15:30 Uhr).

Der Titel setzte damit seine übergeordnete Talfahrt fort. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie (Anfang 2020) war die Aktie noch 5,6 Euro wert gewesen.

TUI-Aktie: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dabei hat TUI in den letzten Wochen durchaus optimistische Signale gesendet. So kündigte Konzernchef Fritz Joussen an, dass man im laufenden Sommer eine starke Reisesaison erwarte und man gar zu einem signifikant positiven Ergebnis zurückkehren werde.

Schaut man sich die Profit- oder eher die Verlustzahlen des Reisegiganten aus den letzten Jahren an, wäre eine solche Rückkehr natürlich mehr als wünschenswert:

Jahr Gewinn (Netto) Dividende pro Aktie Umsatz
2019 (vor Corona) +416 Mio. € 0,54 € 18.928 Mio. €
2020 -3.148 Mio. € 0,00 € 7.944 Mio. €
2021 -2.467 Mio. € 0,00 € 4 732 Mio. €

TUI: keine Einschränkungen durch Personalmangel an Flughäfen

Und erst am Montagabend betonte der Touristikkonzern, dass die Sommerferien für eine überwiegende Mehrheit reibungslos verlaufen würden. TUI spielte damit auf die allgemeinen Personalengpässe an deutschen Flughäfen an, weswegen etliche Maschinen nicht abheben können.

Der Konzern und dessen Airline TUI fly jedenfalls wollen im Unterschied etwa zur Lufthansa keine Flüge streichen. Der Flugplan bleibe bestehen, hieß es vom Reiseveranstalter. Und noch einmal betonte TUI, dass die Nachfrage nach Sommerreisen in den letzten Wochen deutlich zugenommen habe und über dem Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019 liege. Aber auch die Buchungszahlen für die Monate September und Oktober seien vielversprechend.

TUI setzt hier natürlich auf Nachholeffekte infolge der Corona-Maßnahmen. Viele Menschen sehnen sich nämlich nach zwei Jahren Pandemie geradezu nach Entspannung und Spaß in der Ferne.

TUI-Aktionäre nicht überzeugt

Die Börse aber scheint dem Braten nicht wirklich zu trauen. Anders lässt sich das Kursminus am Mittwoch kaum erklären. Die Befürchtung: Die hohe Inflation könnte dazu führen, dass viele Verbraucher ihre Ausgaben doch noch überdenken und auf einen teuren Urlaub verzichten werden.

Gerade in Haushalten, in denen die massiv gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise zu Existenzängsten führen, könnte es einen Luxusverzicht geben.

Deutschland: Inflation stieg im Juni doch nicht

Immerhin gab es hierzu am Mittwochnachmittag eine zumindest etwas erfreuliche Nachricht. So hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die Inflationsrate in Deutschland im Juni überraschend nachgelassen habe. Demnach lag die Teuerungsrate im auslaufenden Monat bei 7,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Mai waren es noch 7,9 Prozent gewesen.

Ökonomen hingegen hatten mit einer Verschärfung der Inflationslage gerechnet. Für einen stark von der Verbraucherstimmung abhängigen Konzern wie TUI ist die marginal rückläufige Inflation erst einmal eine gute Nachricht.

Eine grundsätzliche Entwarnung stellen die neusten Zahlen des Statistikamtes allerdings nicht dar. Noch immer muss die Wirtschaft befürchten, dass Russland seine Gaslieferungen nach Deutschland komplett einstellt. Das würde die Energiepreise und die Inflation wohl noch einmal massiv verschärfen – bis hin zu einer möglichen Rezession.

TUI: Überraschender Abgang von Joussen macht traurig

Bevor wir uns einige positive Faktoren der TUI-Aktie anschauen, zunächst noch eine eher traurige Nachricht. Zumindest wurde dies an der Börse so aufgefasst. TUI gab nämlich vor einigen Tagen bekannt, dass Konzernboss Fritz Joussen bereits Ende September das Unternehmen verlassen werde.

Eigentlich sollte Joussen bis Herbst 2025 die Geschicke des Reisegiganten leiten. Dass der Konzernlenker nun so schnell abtreten wird, war eine Überraschung, mit der wirklich kaum jemand gerechnet hat. Besonders bitter: Joussen genoss am Kapitalmarkt durchaus hohes Vertrauen.

Schließlich hatte der Manager den Konzern vergleichsweise gut durch die wohl schlimmste Krise der Unternehmensgeschichte gebracht: die Corona-Pandemie. Nachfolger soll übrigens der bisherige Finanzchef Sebastian Ebel werden. Dieser ist in der Öffentlichkeit zwar weit weniger bekannt, trug aber ebenfalls einen großen Teil zur Bewältigung der Krise bei.

Mehr Effizienz: Corona-Pandemie als Chance für TUI-Aktie

Apropos Krisenbewältigung: Corona war für TUI natürlich ein Desaster. Daran gibt es keinen Zweifel, wie man den oben dargestellten Ergebniszahlen entnehmen kann. Doch das Virus birgt für den Reisekonzern auch eine Chance.

Denn: Infolge der Krise hat sich TUI ein enges Korsett angelegt – ein Sparprogramm, das die Effizienz des Konzerns maximiniert. Dabei ging es freilich nicht nur um Stellenstreichungen. TUI hat in den letzten Monaten nämlich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mehr digitale Prozesse und Automatisierung etwa in der Verwaltung zu schaffen. Diese lukrative Strategie geht eben auf das Konto von Fritz Joussen.

Das Effizienzprogramm schafft jedenfalls enormes Potenzial für die Gewinnmarge. Neben den coronabedingten Nachholeffekten ist das der zweite große Punkt, der aktuell für die TUI-Aktie spricht. Der Grund: Sollte TUI seine Profitabilität wieder in den Griff bekommen, kann der Konzern vielleicht schneller als gedacht seine bei staatlichen Geldgebern aufgenommenen Schulden zurückzahlen. In den letzten Monaten hatte man jedenfalls bereits damit begonnen, die Corona-Hilfen zu tilgen.

Sollte sich TUI hier wieder unabhängig machen können, wäre der Konzern auch in der Lage wieder Dividenden auszuschütten. An diese Hoffnung dürften sich nun viele Aktionäre klammern.

Mein Fazit zur TUI-Aktie

Die TUI-Aktie bleibt ein Spiel mit dem Feuer. Ein Drahtseilakt, dessen Ausgang kaum abzusehen ist. Da helfen auch die positiven Faktoren (Nachholeffekte Effizienzsteigerung, mehr Unabhängigkeit vom Staat) erst einmal nur wenig.

Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie noch längst nicht ausgestanden ist. So könnte es gerade im Herbst und Winter in einigen westlichen Ländern wieder zu harten Maßnahmen kommen, die den Reiseverkehr empfindlich einschränken würden.

Behalten Sie das unbedingt im Hinterkopf, wenn Sie jetzt die auf den ersten Blick doch recht günstigen Einstiegskurse nutzen wollen. Eine Renditegarantie gibt es sowieso nicht – und bei TUI erst recht nicht. Das haben die letzten Monate deutlich gezeigt.

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