Terra: Die De-Zentralbank der Welt liegt am Boden!

Terra war ein ambitioniertes Projekt der Krypto-Branche, das nun durch eine gezielte Attacke diskrediert wurde. Über den Täter wird noch spekuliert.

Noch vor wenigen Tagen galt das Krypto-Projekt Terra als eines der aussichtsreichsten Krypto-Projekte überhaupt. Der Wert des zugehörigen LUNA-Coins lag über 100,00 US-Dollar und zeigte sich lange sehr resistent gegen den Abwärtstrend an den Krypto-Märkten. Inzwischen kostet der LUNA-Coin weniger als 0,01 US-Dollar. Wie ist das möglich, wie konnte es dazu kommen? Schauen wir uns das an!

Zunächst einmal muss man feststellen, dass Terra die De-Zentralbank der Welt werden wollte. Zu diesem Zweck hat man das Terra-Netzwerk als Mehrfach-Coin-Projekt gestartet. So gehört der LUNA-Coin ganz prinzipiell zum Terra-Netzwerk. Darüber hinaus wollte man dann verschiedene Stable Coins ausgeben. Bis dato hatte man schon drei solcher Stable Coins geschaffen, nämlich einen auf den US-Dollar (UST genannt), einen auf den Euro (EU genannt) und einen auf den Südkoreanischen Won (KRT genannt).

Ein Stable Coin ist dabei ein Coin, der 1:1 an den Wert einer entsprechenden Fiatwährung (beim UST also dem US-Dollar, beim EU dem Euro sowie beim KRT dem Südkoreanischen Won) gekoppelt ist. Dies kann man grundsätzlich auf verschiedene Arten erreichen. Andere Stable Coins wie Tether (USDT) behaupten, dass sie das tun, indem sie genügend dieser Fiatwährung vorhalten und so jederzeit ein Tausch, im Falle Tether von USDT in US-Dollar, möglich ist.

In der Vergangenheit gab es jedoch immer wieder Gerüchte, dass dies nicht stimmen würde. Zwar würde das von den Verantwortlichen hinter Tether behauptet, sie könnten es aber nicht beweisen, weil dem nicht so sei. Tatsächlich ergaben Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von New York kleinere Unregelmäßigkeiten. Aber zu einer Anklage kam es nicht. Vielmehr gab es einen außergerichtlichen Vergleich, in dessen Rahmen Tether wohl rund 10 Millionen US-Dollar bezahlen musste.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Bitcoin?

Da auch die Initiatoren von Tether einen eher zweifelhaften Ruf haben, galt dieser Stable Coin bisher vielen als größte Gefahr für das gesamte Krypto-Ökosystem. Zwar gab es auch viele Kritiker am Terra-Projekt, aber diese wurden leider nicht ernst genommen. Rückblickend muss man jedoch gestehen, dass sie wohl Recht hatten. Wenngleich der mögliche Tod von Terra andere Gründe hat, als die Kritiker anführten. Womit wir zu den Details kommen.

Staatliche Institutionen tendenziell gegen Stable Coins!

Dabei müssen wir zuerst einmal feststellen, dass vielen staatlichen Institutionen die Stable Coins schon länger ein Dorn im Auge sind. Auch das inzwischen beerdigte Krypto-Projekt von Facebook (Meta Platforms), dass zunächst Libra und später Diem hieß, verfolgte eine ähnliche Idee wie Terra. Nach Kritik von der Federal Reserve und anderen ist dieses Projekt inzwischen beerdigt worden. Mit staatlichen Institutionen wollte sich Mark Zuckerberg wohl nicht anlegen.

Die Argumentation staatlicher Institutionen geht stets dahin, dass der Staat über seine Zentralbank/Notenbank für die Geldpolitik zuständig ist. Daran ändert ein Stable Coin auf die entsprechende staatliche Fiatwährung zunächst auch nichts. Aber letzten Endes könnte bei einem Erfolg des Stable Coins die staatliche Fiatwährung zunehmend unter Kontrolle des Anbieters des Stable Coins fallen, so dass dieser am Ende die Zentralbank ablösen würde.

Anzeige

Gratis PDF-Report zu Bitcoin sichern: Hier kostenlos herunterladen

Terra hatte dieses Ziel. Schließlich sah man sich ja selbst als De-Zentralbank der Welt. Ich würde daher nicht ausschließen, dass es aus diesem Grund angegriffen und – wie es derzeit ausschaut – vollständig zerstört wurde.

Wie lief die Attacke?

Nun, Terra wollte die Stable Coins, allen voran den Stable Coin auf den US-Dollar mit Namen UST, durch Algorithmen stabil halten, was ja auch lange gelang. Konkret lief dies über ein Zwei-Coin-Modell, in diesem Fall LUNA und UST. Die Nutzer konnten jederzeit LUNA verbrennen und neue UST erzeugen oder UST verbrennen und neue LUNA erzeugen. In der Theorie zunächst eine clevere Idee.

Denn immer, wenn der UST über einen US-Dollar stieg, gab es einen Anreiz LUNA zu verbrennen, um so neue UST zu erzeugen und dadurch den Preis wieder auf 1:1 zu senken. Umgekehrt, wenn der UST unter einen US-Dollar fiel, gab es einen Anreiz UST zu verbrennen, um so neue LUNA zu erzeugen. Dadurch sollte der Preis des UST wieder auf 1:1 steigen. Solange alles im Gleichgewicht war, funktionierte dies.

Nun hatte sich jedoch ein Angreifer viele UST besorgt und durch große Verkäufe die 1:1-Bindung (Peg) des UST an den US-Dollar nachhaltig gesprengt. Dies führte zu einer Art Bank Run bei auf Terra basierten DeFi-Projekten wie Anchor Protocol, was die Sprengung dieser Bindung verstärkte und nachhaltig zementierte. In der Folge war der Anreiz, UST zu verbrennen und neue LUNA zu erzeugen, gigantisch.

Um das mal an Zahlen festzumachen. Eigentlich gab es vor dieser Attacke rund eine Milliarde LUNA. Inzwischen aber ist deren Anzahl auf 6,53 Billionen gestiegen. Was zur Folge hat, dass der Kurs von LUNA von einst über 100,00 US-Dollar auf unter 0,01 US-Dollar gefallen ist. Zugleich gibt es inzwischen „nur“ noch 11,28 Milliarden UST. Wobei deren Wert unverändert weit von einem US-Dollar entfernt liegt.

Ziel der Attacke: Vollständige Zerstörung von Terra

Um dieses Ziel zu erreichen, mussten der oder die Angreifer über vier Milliarden US-Dollar aufbringen und könnten etwas mehr als eine Milliarde US-Dollar verdient haben. Kein besonders gutes CRV, zumal zuvor nicht klar war, ob die Attacke auch klappen wird. Daher ist zu vermuten, dass das Ziel der Attacke von Anfang an die vollständige Zerstörung von Terra war – und dieses Ziel scheint erreicht zu werden.

Da stellt sich natürlich die Frage, wer hinter dieser sehr koordiniert abgelaufenen Attacke stecken könnte. Gerne genannt wird dabei immer wieder BlackRock, aber das sind Spekulationen. Fakt ist aber, dass die Grundidee der De-Zentralbank der Welt gut war, die Umsetzung jedoch mangelhaft. Politisch war und ist so etwas zudem unerwünscht. Man darf gespannt sein, wie es nun weiter geht. Insbesondere natürlich mit Terra, LUNA und UST…

Sollten Bitcoin Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg?

Wie wird sich Bitcoin jetzt weiter entwickeln? Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Anleger lieber verkaufen? Die Antworten auf diese Fragen und warum Sie jetzt handeln müssen, erfahren Sie in der aktuellen Bitcoin-Analyse.

Trending Themen

Warum die meisten Aktienhändler scheitern!

Erwartungen: Verstehen Sie Ihr Ziel. Verstehen Sie es wirkli...

Anlagemöglichkeiten: Keine Lust auf Aktien?

Falls Sie sich aufgrund der jüngsten Nachrichten über den ...

Dividenden-Aktien: Diese 6 sollten Sie kennen!

In Phasen der Börsenschwäche können Anleger immer noch Re...

Terra-Kollaps: Vitalik Buterin reagiert!

In einem Tweet am Samstag schlug der Ethereum-Experte Anthon...

Vorsorgetipps für Millennials: Darauf solltet ihr achten!

Nehmen wir an, Du fängst jetzt an, 100 Euro pro Monat zu in...

Wohnungsbau: Steigende Hypothekenzinsen!

Mehr Immobilienkäufer nahmen trotz steigender Zinsen Hypoth...

Inflation: Experten reagieren

Der SPDR S&P 500 ETF Trust SPY ist in den vergangenen Ta...

Tether: Löst sich vom Dollar?!

Der führende Stablecoin Tether verlor nach dem Kollaps von ...

NFT-Markt: Ein toter Markt?

Nachdem NFTs den Markt im Jahr 2021 im Sturm erobert hatten,...