“Supertaube” Janet Yellen wird US-Finanzministerin: Was Anleger jetzt wissen müssen!

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Die Präsidentschaft von Joe Biden wird vielmehr eine dritte Amtszeit von Barrack Obama, lautet ein Witz, der aktuell in Washington die Runde macht. Je mehr der President-Elect jedoch über seine zukünftig engsten Mitarbeiter verrät, desto treffender ist dieses Bonmots. Denn Biden setzt für seine künftige Administration fast ausschließlich auf Vertraute aus seiner Zeit als Vizepräsident unter Obama zwischen 2008 und 2016.

Eine dieser Personalien ist Janet Yellen. Nachdem Obama sie 2014 zur Notenbank-Chefin gemacht hat, soll sie nun das US-Finanzministerium durch die Corona-Krise führen. Was bei der 74-jährigen gleich auffällt: Sie pflegt einen extravaganten Modestil – und sie braucht oft ein Podest, um ans Mikrofon zu kommen.

Noch-Präsident Donald Trump hat sich damals gelegentlich über ihre geringe Körpergröße mokiert und bootete sie – wie so viele andere kompetente Staatsdiener – gnadenlos aus. 2018 verwehrte er ihr eine zweite Amtszeit bei der Fed, weil sie mit ihrer Zinspolitik Hilary Clinton im Wahlkampf aktiv unterstützt haben soll. Mit der Nominierung der Spitzen-Ökonomin gelingt Biden nicht nur ein Affront gegen Trump – es ist ein politischer Coup des erfahrenen Demokraten, der die Anleger in einen Rausch versetzt hat.

US-Investoren sind von Yellen begeistert

Als am Montagabend die ersten News zur Personalie liefen, machten die Börsen einen symbolträchtigen Freudensprung. Der Dow Jones überwand erstmals in seiner Geschichte die 30.000er Marke – eine Koinzidenz wie in einem Hollywood-Film.

Es war zum einen ein Seufzer der Erleichterung, den die Wall Street ausstieß, da die linke Demokratin Elizabeth Warren das Ministerium ebenfalls im Blick hatte. Mit der Ankündigung eines tiefgreifenden Umbaus der Wirtschaft hat sie „Corporate America“ gewissermaßen den Krieg erklärt. Diese Gefahr scheint für die Märkte erst einmal gebannt.

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Zum anderen ist bekannt, dass Janet Yellen eine lockere Geldpolitik vertritt. Wall-Street-Banker bezeichnen sie gar als „Supertaube“, denn sie steht für die Strategie des „Whatever it takes“ – alle zur Verfügung stehenden Mittel zu verwenden, damit die Zinsen niedrig bleiben und die Banken leichter Kredite vergeben können. Mit Jerome Powell als amtierender Fed-Chef bis 2022 ist klar, dass nun zwei Tauben die finanzpolitischen Geschicke des Landes lenken werden. Damit dürften Zinserhöhungen bis auf weiteres ausbleiben und Konjunkturprogramme durchgewinkt werden.

Integrationsfigur in jeder Hinsicht

Yellen weist einen beachtlichen Track-Record auf, wie es im US-Politik-Jargon heißt. Die ehemalige Fed-Gouverneurin von San Francisco war vor ihrer Notenbank-Regentschaft seit 2010 Stellvertreterin unter Ben Bernanke. Dort sorge sie im Hintergrund dafür, dass sich die über 100-jährige Institution gewandelt hat – mit einer neuen Kommunikationsstrategie und konkretem Inflationsziel. Zuvor beriet sie auch US-Präsident Bill Clinton bei der Wirtschaftspolitik. 2005, drei Jahre vor dem weltweiten Finanzkollaps, war sie eine der ersten, die die Entwicklung der US-Immobilienpreis als gefährliche Blase bezeichnete.

Yellen ist es gewohnt, die erste Frau in Männerdomänen zu sein – etwa in der Wissenschaft und der Geldpolitik. Sie hat an den besten Universitäten der Vereinigten Staaten studiert, geforscht und gelehrt, war bei der Promotion die einzige Frau unter dutzenden Männern. Bald wird die erste Notenbank-Chefin auch die erste Frau an der Spitze des US-Finanzministeriums sein.

Durch ihre außerordentliche Expertise und ihre konsensorientierte Art genießt Yellen parteiübergreifend hohes Ansehen. Mit der eher moderaten Demokratin geht Biden auf Nummer sicher, denn er braucht Mitstreiter in seinem Kabinett, die zu allen Seiten hin anschlussfähig sind.

So wird sie den Demokraten dabei helfen, die nötigen Stimmen im republikanisch dominierten Senat zu bekommen – etwa für ein neues Konjunkturpaket. „Wir müssen mehr Geld ausgeben“, forderte Yellen bereits und meint damit den Staat. Voraussichtlich wird die Biden-Regierung gleich nach Amtsantritt damit beginnen, mit dem neu gewählten Kongress über neue Finanzhilfen zu verhandeln.

Auch innerhalb der eigenen Partei wirkt sie bei Flügelkämpfen zwischen linken und eher moderaten Kräften schlichtend. Linke rechnen ihr an, dass sie stehts Distanz zu den Hochfinanzen wahrte. Anders als der amtierende Finanzminister Steven Mnuchin und Fed-Chef Powell hat sie keine beruflichen Stationen an der Wall Street gemacht. Die linke Gallionsfigur Elizabeth Warren bezeichnet Yellen sogar als „hervorragende Wahl“ für den Posten, da sie als Fed-Chefin „den Investment-Banken die Stirn geboten“ hat.

Zudem kennt die Ex-Fed-Chefin freilich die kurzen Wege in Washington zwischen Finanzministerium und Notenbank und hat profunde Kenntnisse von geldpolitischen Zusammenhängen. Allein mit ihrer Nominierung zeigt Biden einen gewissen Respekt vor der Fed, den sein Vorgänger Trump regelmäßig vermissen ließ. Im Gegensatz zu den Vorjahren spricht vieles dafür, dass es zu einem reibungslosen Zusammenspiel von Regierung und Fed kommen kann.

Der Arbeitsmarkt ist für Yellen wichtiger als die Preisstabilität

Yellen dürfte ihre lange Karriere in Washington nun endgültig krönen. Während sie bei der Fed vor allem mit Aufräumarbeiten nach der großen Finanzkrise von 2008 beschäftigt war, wird sie nun die US-Wirtschaft aus der Covid-19-Krise führen müssen. Die USA braucht eine Grundlage dafür, dass ein Millionenheer von Arbeitslosen wieder einen Job findet.

Für langfristige Schäden des Arbeitsmarkts ist die Spitzenökonomin besonders gut ausgebildet. In einem gemeinsamen Artikel mit ihrem Mann, dem Nobelpreisträger George Akerlof, hat sie 2004 bereits umrissen, wie man die Wirtschaft in einem Abschwung stabilisieren kann – ein wichtiges Element dabei: Geldspritzen für die Erwerbslosen.

Für die Geldwertstabilität dürfte die finanzpolitische Regentschaft von Yellen und Powell nicht ohne Folgen bleiben. Bereits in den Neunzigerjahren betonte Yellen, dass Vollbeschäftigung gesamtgesellschaftlich wichtiger sei als stabile Preise. Schon mittelfristig könnte das Tauben-Duo die Inflation eine Weile heiß laufen lassen.

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Für den Umgang mit einer steigenden Teuerungsrate hat sich die US-Notenbank mit ihrem neunen Durchschnittsziel vorsorglich schon ein gewisses Maß an Flexibilität verschafft. Da die offizielle Teuerung über Jahre nicht nennenswert angezogen hat, lässt die Notenbank künftig ein Überschreiten des Inflationsziels von zwei Prozent zu.

Die Fed gibt jedoch immer noch keine Auskunft darüber, wie weit und wie lange die Preissteigerung nun über das Ziel hinausschießen darf. Eines ist jedoch gewiss: Sollte sich der Dollar bald über einen langen Zeitraum mit ungewohnt hohen Raten entwerten, wird die Biden-Präsidentschaft garantiert nicht als Obamas dritte Amtszeit in die Geschichte eingehen.

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