Strategic China Panda Fund: Exklusiv-Interview mit Managerin Lilian Co über den chinesischen Aktienmarkt!

Unser heutiger Interviewpartner ist die Fondsmanagerin Lilian Co von der Fondsgesellschaft Eric Sturdza. Lilian Co wohnt in Hongkong und hat durch ihre langjährige Berufserfahrung als Fondsmanagerin und ihre Landesexpertise einen eigenen Blick auf den chinesischen Investmentmarkt.

Frau Co, der von Ihnen gemanagte China-Aktienfonds Strategic China Panda Fund investiert in Aktien von chinesischen Unternehmen, die in China und den USA gelistet sind. Hat der jüngste Kursrutsch an den chinesischen Aktienmärkten und dabei insbesondere von chinesischen Tech- und Bildungswerten auch seine Spuren im China Panda Fund hinterlassen?

Lilian Co, Fondsmanagerin Eric Sturdza

L. Co: Vor dem staatlichen Eingriff war der Strategic China Panda Fund ungefähr 2 % in Aktien aus dem Bildungssektor investiert. Nach dem Kurseinsturz haben wir dieses Exposure auf 0,9 % reduziert und auf defensivere Titel umgeschichtet. Jedoch haben wir nicht alle verkauft, da die Aktien sofort nach der Nachricht unter das Nettokassenniveau fielen. Wir denken, dass das Worst Case-Szenario bereits eingetreten ist. Unternehmen müssen letztendlich ihre Geschäftsmodelle umstrukturieren, wenn sie weiterhin im Geschäft bleiben wollen, aber dafür braucht es Zeit. Da die Aktienkurse bereits einen Nullwert für die Kerngeschäfte eingepreist haben, besteht unserer Meinung nach aktuell nur noch ein begrenztes Downside-Risiko, wenn man die Aktien weiterhin hält. Die Kosten, die für uns anfallen, sind Opportunitätskosten, aber angesichts des begrenzten Exposures ist es unserer Meinung nach sinnvoll, die Position im Portfolio zu behalten.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Internet-Branche ein?

L. Co: Die Internet-Branche ist ein anderer Sektor, der unserer Meinung nach davor bedroht ist, vom Staat weiter reguliert zu werden, da dieser aufgrund von einigen wichtigen Marktteilnehmern eine dominante Marktposition hat. Die chinesische Regierung hat den Plan, Schlüsselindustrien zu regulieren, anstatt diese zu vernichten. Das Ziel scheint, für die Branche einen gesunden langfristigen Wachstumspfad zu sichern. Wir gehen davon aus, dass der Internetsektor zwar rückläufig, aber nicht zerstört ist.

Dennoch haben wir unser Exposure in Internettitel aufgrund des stärkeren regulatorischen Eingriffs reduziert. Im Moment haben wir im Portfolio die Cashposition erhöht und auch ein Teil der Einlagen bei Banken geparkt.

Zusätzlich haben wir festgestellt, dass die Regierung chinesische Unternehmen aktiv darin unterstützt, sich in Hongkong anstatt in den USA listen zu lassen. Dies ist für den Standort Hongkong vorteilhaft. Wir haben eine Reihe von chinesischen ADRs (American Depositary Receipt) gesehen, die sich für eine Doppelnotierung in Hongkong beworben haben und glauben, dass dieser Prozess sich beschleunigen wird.

Was denken Sie: Wie geht es mit den Mittelabflüssen der chinesischen Regierung weiter?

L. Co: Wir erwarten in nächster Zeit Mittelabflüsse aus China, aber antizipieren, dass die Mittelzuflüsse wieder zurückkommen werden, sobald der regulatorische Druck nachlässt. Wir denken, dass sich der Staub bis zum vierten Quartal gelegt haben sollte.

Die Situation ist noch ungewiss, und daher wird das Portfolio aktiv verwaltet, um Downside-Risiken so weit wie möglich zu vermeiden und gleichzeitig Chancen zu nutzen, die sich in Zeiten der Volatilität ergeben können.

Vielen Dank für diesen Einblick! Rechnen Sie in Zukunft mit weiteren staatlichen Eingriffen in die chinesische Wirtschaft, die sich negativ auf die chinesischen Aktienmärkte auswirken könnten?

L. Co: Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht und wir wollen auch nicht raten. Daher halten wir es für die beste Strategie, sich von hoch bewerteten Aktien fernzuhalten, unabhängig davon, zu welchem Sektor sie gehören. Wie bereits erwähnt, glauben wir, dass die Internet-Branche ein weiterer Sektor ist, der angesichts der dominanten Marktposition einiger wichtiger Marktteilnehmer für ein regulatorisches Durchgreifen anfällig sein könnte. In dem Zusammenhang möchten wir aber noch einmal betonen, dass wir glauben, dass das Ziel der Regierung darin besteht, Schlüsselindustrien zu schützen, um ihre langfristigen Zielsetzungen für die chinesische Wirtschaft zu unterstützen.

Woran orientieren Sie sich bei der Auswahl der Aktien fürs Portfolio?

L. Co: Der Fonds zielt darauf ab, langfristiges Kapitalwachstum im Hinblick auf den Wert der Anlagen zu erreichen, indem er in Wertpapiere mit China-Bezug, inklusive H- und A-Shares, investiert, die in der Region Großchina gelistet, aber nicht darauf begrenzt sind. Momentan ist der Fonds hauptsächlich in H-Shares investiert.

Der Fonds verfolgt einen Ansatz, den man mit den Worten „Wachstum zu einem vernünftigen Preis“ (Growth At a Reasonable Price [“GARP”]) zusammenfassen kann. Die Aktienselektion wird durch einen Bottom-up-Ansatz hinsichtlich der Portfoliozusammensetzung bestimmt und verfügt über ein Top-down-Overlay. Wir haben das Ziel, Marktineffizienzen bzw. Fehlbepreisungen auszunutzen, während wir Trends und Themen zu einem frühen Zeitpunkt identifizieren. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis der Portfoliobestände ist entscheidend (z. B. PEG). Der Fonds geht aktive Engagements in Aktien und Sektoren ein.

China hat die Ausbreitung von Covid-19 relativ schnell unter Kontrolle gebracht und das Jahr 2020 sogar mit einem leichten Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent abgeschlossen. Haben Sie Ihre Anlageschwerpunkte im Zuge der Corona-Krise umgestellt?

L. Co: Unser Investitions- und Aktienselektionsprozess ist unverändert geblieben, wobei wir uns hauptsächlich auf einen Bottom-up-Ansatz stützen. Jedoch behalten wir ein Makro-Overlay bei, das Faktoren wie politische und regulatorische Veränderungen berücksichtigt, die sich wiederum auf unseren Ausblick und Positionierung auswirken können. Das wiederum kann sich z.B. in einer Erhöhung des Bargeldanteils im Portfolio ausdrücken. Dies ermöglicht uns eine Absicherung, wenn es in einigen Marktbereichen an Klarheit mangelt, aber auch die Möglichkeit, diese Vermögenswerte schnell einzusetzen, wenn sich Chancen ergeben.

Die jüngsten makroökonomischen und regulatorischen Entwicklungen in China haben zu einer Neugewichtung des Portfolios geführt, wie oben zusammengefasst; unser Schwerpunkt liegt jedoch nach wie vor auf der Erzielung eines langfristigen Kapitalzuwachses bei den Vermögenswerten durch Investitionen in Wertpapiere mit China-Bezug.

Berücksichtigen Sie auch Nachhaltigkeit in Ihrem Investmentprozess? Sind chinesische Unternehmen in dieser Hinsicht gut aufgestellt oder ist es schwierig, nachhaltige chinesische Unternehmen zu finden?

L. Co: ESG- bzw. Nachhaltigkeitsfaktoren fließen in unseren Aktienauswahlprozess mit ein. Dafür arbeiten wir mit der Ratingagentur Sustainalytics zusammen, die unserem Investmentteam Zugang zu ESG-Risikofaktoranalysen für jede Aktie sowie zu Produktbeteiligungs- und Kohlenstoffdaten bietet. Der Anlageberater (LBN Advisers Limited) und der Anlageverwalter (Eric Sturdza Investments) verfügen über eigene und unabhängige Richtlinien für verantwortungsbewusstes Investieren; es besteht jedoch eine enge Abstimmung in dieser Hinsicht – die Richtlinien von Eric Sturdza Investments sind auf der Internetseite einzusehen.

Unser Ansatz besteht aus zwei Hauptkomponenten: Die erste ist das Ausschlussprinzip. Wir führen eine Negativprüfung potenzieller Investitionsmöglichkeiten durch und versuchen, Investitionen in Produktbereiche auszuschließen, die wir nicht finanzieren möchten. Die zweite Stufe unseres Prozesses ist die Integration von ESG-Faktoren in den Aktien-Auswahlprozess. Der Fonds wird derzeit von Morningstar mit der höchsten Bewertung von 5 Globen für Nachhaltigkeit bewertet.

Darüber hinaus wird der Fonds gemäß der EU-Verordnung über die Offenlegung von Informationen über nachhaltige Finanzierungen als Fonds eingestuft, der ökologische oder soziale Merkmale fördert. Derzeit konzentrieren wir uns auf die Integration dieser Ansätze in unseren Anlageprozess und nicht auf einen reinen Fokus auf “nachhaltige” Unternehmen.

Der China Panda Fund hat dieses Jahr bereits um rund 14 Prozent zugelegt (Stand 30.6.21), die Benchmark, der MSCI China NR USD, nur um 1,83 Prozent. Worauf führen Sie die starke Performance des Fonds zurück?

L. Co: Bis Ende Juli hat der Fonds auf relativer Basis (brutto) eine Rendite von +7,48 % erzielt, wobei die Titelauswahl den größten Beitrag zum Alpha lieferte. Der Allokationseffekt hingegen hat die Renditen belastet. Allerdings war dies auf der Ebene der zugrunde liegenden Sektoren unterschiedlich, wobei einige Sektoren positive Beiträge leisteten.

Aus Sicht der Aktienauswahl waren die Titel aus den Sektoren zyklische Konsumgüter und Industrie im Laufe des Jahres besonders stark, wobei auch Immobilienwerte Alpha lieferten. Titel aus dem Kommunikationsdienstleistungssektor haben sich dagegen negativ auf die Portfolioentwicklung ausgewirkt.

Was die Allokation betrifft, so hat sich die Übergewichtung (+7,99% relativ) des Industriesektors ausgezahlt. Leider wurde dies durch die Übergewichtung (+13,17% relativ) des Immobiliensektors und die Untergewichtung der Sektoren Werkstoffe und Versorger wieder zunichte gemacht.

Zum Abschluss habe ich nun noch eine Frage an Sie, Frau Co: Wer oder was hat Sie in der Pandemie besonders beeindruckt?

L. Co: Mich hat die schnelle Reaktion Chinas auf die Pandemie beeindruckt und die Fähigkeit der Regierung, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Die Volksrepublik hat einen dreimonatigen Lockdown im Land verhängt und strikte Kontrollmechanismen eingeführt, welche dazu geführt haben, dass China sich als erste große Volkswirtschaft von der Pandemie erholt und ein positives Wirtschaftswachstum in 2020 verzeichnet hat.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview Frau Co! Dazu wünsche ich Ihnen sowie Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!