Sensationelle Aktienberechnung!?

Liebe Leser,

wenn Sie diese Kolumne bereits seit geraumer Zeit verfolgen, wissen Sie, dass ich mich wie Sie mit den verschiedensten Themen der Geldanlage auseinandersetze. Mit den großen Chancen, den Risiken wegen der ungelösten Schuldenproblematik der Euro-Zone, mit Zinsfragen. Aber auch mit Anlagestrategien, die einer kritischen Prüfung standhalten.

Daher habe ich heute dankend eine Statistik gefunden und untersucht, die behauptet, Deutschlands Aktien wären sehr günstig. Selbst im Krisenfall wären die Aktien aus Deutschland noch zu niedrig bewertet, hieß es sogar. Autor der Studie selbst ist Nick Nelson, der für die UBS Bank arbeitet. Seine These: Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sei Deutschland bei den Faktoren „Bewertung, Gewinndynamik, Profitabilität sowie dem Risiko die Nummer eins“.

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Sind die Aktien zu billig?

Ehrlich gesagt, war ich überrascht. Meine eigenen Einschätzungen kommen zu einem anderen Ergebnis. Aber der Reihe nach: In Deutschland liegt das historische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der vergangenen 20 Jahre demnach bei 14,9. Das halte ich für realistisch. Bei denselben Rahmendaten wie während der Rezessionen von 2000 bis 2002 sowie 2010 bis 2013 würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Deutschland aktuell 13,9 betragen. Das heißt: In einer Rezession wäre das aktuelle KGV noch 7 % günstiger als das historische KGV.

Ohne Rezession betrüge das aktuelle KGV sogar nur 12,6. Stimmten die Berechnungen, dann wäre dies ein Signal für die Unterbewertung der Aktien und also ein Kaufsignal. Ich muss Sie bei dieser Interpretation allerdings enttäuschen.

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Es gibt wohl keinen einzigen ernsthaft genutzten Algorithmus von Investoren, der sich lediglich auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis stützt. Selbst wenn, wäre dies heute kein Kaufsignal: Ist der deutsche Aktienmarkt, nehmen wir der Einfachheit halber den Dax, inklusive Rezession um 7 % unterbewertet (gegenüber dem historischen Mittel), dann ist dies viel zu wenig für ein Kaufsignal. Statistiker sprechen bei solchen Verteilungen von der Standardabweichung bzw. „Varianz“ bezogen auf einen Mittelwert.

Um unnormal günstig zu sein, müssten die Standardabweichung vom historischen Mittel schon deutlich höher sein. Ich würde etwa 15 % Unterbewertung verlangen. Und erst wenn die Standardabweichung oder Streuung unnormal hoch ist, gibt es überhaupt den Impuls zur Korrektur. Also lässt sich daraus zunächst nichts ableiten.

Insofern ist das Ergebnis der Berechnung nicht „sensationell“, sondern es zeigt lediglich eine – scheinbare – Normalbewertung an. Leider hält sich der Markt nicht an diese einfachen Bewertungsmodelle. Das KGV selbst unterliegt Schwankungen, weil die „G“, die Gewinne, typischerweise geschätzt werden (für das betreffende Geschäftsjahr). Bezieht sich die Bewertung auf tatsächliche Gewinne im vergangenen Bilanzjahr, hilft dies auch nur bedingt: Niemand kauft ernsthaft vergangene Gewinne ein, sondern allenfalls einen durchschnittlichen Gewinn über Jahre, der sich glaubhaft auch in die Zukunft verlängern lässt.

Hier sind wir allerdings beim Problem: Die künftigen Gewinne werden – über alle Unternehmen hinweg – deutlich anders ausfallen als die bisherigen. Denn wir leben in einer Niedrigzinsphase mit der Tendenz zu klareren Preissteigerungen (Inflation) als bislang. Das verändert und verzerrt die Gewinne gegenüber den vergangenen Jahren bei einzelnen Unternehmen dramatisch. Wer keine höheren Preise durchsetzen kann (der Handel in der Regel, auch die Banken kaum), wird geringere Gewinne einfahren. Andere hingegen könnten profitieren: Der gesamte Wohnungsbau mit den großen Aktiengesellschaften etwa. Hier ist das historische KGV wiederum als Vergleichsmaßstab ebenfalls ungeeignet.

Meine Empfehlung: Solche KGV-Analysen mit einer kleinen Abweichungsanalyse sind als Entscheidungshilfe vollständig ungeeignet. Wer in Aktien investiert, braucht langfristig Unternehmen, die stets Gewinne erwirtschaften – unabhängig, in welcher Situation. Es gibt sogenannte Dividendenaristokraten, die seit mehr als 50 Jahren a) Gewinne erzielen und b) ihre Dividenden erhöhen. Jahr für Jahr übrigens. Dies sind die zuverlässigen Statistiken für Ihre dauerhafte Anlage.

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