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Schroders: „Venture Capital und die Zukunft der Arbeit“

18.11.2020 –

Venture-Capital-Investoren stehen bei Innovation und kreativer Disruption ganz vorne. Sie geben uns daher tatsächlich Aufschluss darüber, wie unser Arbeitsleben nach der Covid-19-Krise aussehen wird.

Die Venture-Capital-Branche unterstützt junge Start-ups von heute, die unser Arbeits- und gesellschaftliches Leben in Zukunft prägen werden. Es waren Venture-Capital-Investitionen, die Unternehmen wie Apple, Amazon, Google, Facebook möglich machten, die für uns inzwischen nicht mehr wegzudenken sind.

Und als Covid-19 zu Lockdowns rund um den Globus führte, war es einer Handvoll ursprünglich wagniskapitalfinanzierter Unternehmen zu verdanken, dass die Umstellung zur Fernarbeit relativ reibungslos verlief. Von Anfang 2020 bis Mitte Oktober legten Aktien des durch Risikokapital finanzierten Videokonferenz-Tools Zoom um 650 % zu, da Videokonferenzen über Nacht zur Norm wurden. Weitere Beispiele für plötzlich unverzichtbare Unternehmen mit Venture-Capital-Ursprüngen sind Github (netzbasierter Dienst zur Versionsverwaltung für Software-Entwicklungsprojekten), Slack (Kollaborations-Tool) und Upwork (Job-Plattform für Selbständige).

Aus der Perspektive von Investoren der frühen Stunde kann uns Venture Capital einen faszinierenden und wertvollen Einblick in die Arbeit von morgen – und übermorgen – bieten. Wie haben sich Venture-Capital-Verwalter selbst an Covid-19 angepasst, und wie sehen sie die Arbeitswelt von morgen? Was bedeutet das für die Zukunft von Arbeit allgemein? An welchen Tools arbeitet die nächste Generation von Unternehmen bereits, und wie werden diese unsere Arbeitsweise und den Betrieb dieser Unternehmen selbst verändern?

Um diese Fragen zu beantworten, führte Schroder Adveq unter den 16 führenden Venture-Capital-Gesellschaften aus den USA, Europa und Asien mit insgesamt über 1.600 Portfoliounternehmen eine Umfrage durch. Wir sprachen auch mit mehreren der Portfoliounternehmen direkt, um mehr über die Arbeitswelt von morgen zu erfahren.

Ist die Fernarbeit in der Venture-Capital-Branche der neue Standard?

Für Venture-Capital-Verwalter – mehr noch als in vielen anderen Branchen – ist der persönliche Kontakt unverzichtbar. Dies liegt daran, dass bei Firmengründungen kollaborativ und innovativ gearbeitet wird.

Vor der Pandemie unterschied sich die Arbeitsweise von Venture-Capital-Unternehmen je nach Region. Daher überrascht es nicht, dass sich auch die jeweiligen regionalen Einschätzungen der Zukunft der Arbeit stark voneinander unterscheiden. Unserer Umfrage zufolge boten schon vor Covid-19 etwa 70 % der Venture-Capital-Unternehmen mit Sitz in den USA ihren Mitarbeitenden die Arbeit im Homeoffice an. In Europa war dies bei 50 % und in Asien bei nur 20 % der Unternehmen der Fall.

Das Virus beschleunigte den Umstieg auf Fernarbeit und flexible Arbeitsmodelle. In nahezu jedem Venture-Capital-Unternehmen, mit dem wir sprachen, arbeiteten die Mitarbeitenden in der frühen Phase der Krise im Homeoffice. Als wir die Umfrage durchführten, arbeiteten die Mitarbeitenden in 78 % der US-amerikanischen und in 50 % der europäischen Unternehmen ausschließlich von zu Hause aus. Die meisten dieser Unternehmen haben ihre Büros bis zum Jahresende geschlossen. Für viele Unternehmen war die Krise der Auslöser, aktiv zu werden und Richtlinien für Fernarbeit mit langfristiger Perspektive umzusetzen.

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Und wie sieht die Zukunft aus?

Die große Mehrheit der US Venture-Capital-Unternehmen sieht einen klaren Trend hin zu mehr Fernarbeit. 89 % der US Venture-Capital-Unternehmen, mit denen wir sprachen, teilten uns mit, Fernarbeit dauerhaft als Option anbieten zu wollen. Sie wollen Mitarbeitenden die Flexibilität bieten, einen Teil der Woche von zu Hause aus zu arbeiten.

Index Ventures ist ein führendes internationales Venture-Capital-Verwalter-Unternehmen mit Standorten in London, Genf und San Francisco. Laut Sarah Cannon, Venture-Capital-Managerin bei Index, zeichnet sich ein klarer Trend hin zu Fernarbeit und, in zunehmendem Ausmaß, globalen und dezentralen Teams ab.

Auch hier planen nur 50 % der Venture-Capital-Unternehmen in Europa vergleichbare Optionen, während alle Unternehmen in Asien möchten, dass ihre Mitarbeitenden wieder ins Büro zurückkehren.

Ein wichtiger Punkt ist, dass kein Unternehmen, mit dem wir sprachen, damit rechnet, dass die Arbeit dauerhaft und vollumfänglich ortsunabhängig geleistet werden wird. Zahlreiche Befragte betonten, dass das Büro des Unternehmens und die physische Präsenz der Mitarbeitenden für die Pflege der Unternehmenskultur und das Geschäft von wesentlicher Bedeutung sind.

Andere stimmen zwar zu, dass die Zusammenarbeit am gleichen Ort unverzichtbar ist, glauben jedoch nicht, dass dieser Ort unbedingt ein physischer sein muss. Scott Kupor von Andreessen Horowitz, einem Venture-Capital-Unternehmen in Silicon Valley, kommentierte: „Die Zukunft der Arbeit ist flexibel, doch es wird weiter notwendig sein, einen fixen Raum dafür zu haben. Dieser kann physischer oder virtueller Natur sein.“

Unternehmen vor morgen: Arbeit wird zunehmend ohne das klassische Büro auskommen

Die Zukunft der Arbeit ist schon seit einiger Zeit ein Schlüsselthema für Venture-Capital-Anlagen. Wie bereits erwähnt werden viele Business-Produktivitätstools, die vor zehn Jahren über Venture Capital finanziert wurden, als Kommunikations-Tools heute weithin genutzt. Während Venture-Capital-Verwalter im Allgemeinen davon ausgehen, dass das klassische physische Büro „in flexiblem Ausmaß relevant“ bleiben wird, erwartet eine zunehmende Anzahl der durch Venture Capital finanzierten Unternehmen, die ihre Anfangszeit nun hinter sich haben, dass Arbeit künftig zur Gänze ortsunabhängig erledigt wird und die physische Präsenz im Büro ganz passé sein wird. Tatsächlich deutet unsere Umfrage darauf hin, dass 15 bis 20 % der durch Venture Capital finanzierten Unternehmen ganz auf Fernarbeit umsteigen werden.

Bernard Dalle, Partner bei Index Ventures, ist überzeugt: „Die Arbeit von morgen, und dies insbesondere in Software-Entwicklungsfirmen, wird zum Großteil ortsunabhängig sein.“

So wurde zum Beispiel GitLab als Unternehmen ohne physisches Büro gegründet, ebenso wie Invision, Pager Duty und Onepassword. Darren Murph ist bei GitLab Leiter für Fernarbeit. Die meisten Menschen haben wohl noch nie von solch einer Stelle gehört, doch seines Erachtens wird sie sich in den kommenden Jahren als wesentlich erweisen.

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„Die fortschrittlichsten Unternehmen, die auf Fernarbeit umsteigen, werden eine Führungskraft einstellen, die sie in den nächsten ein bis zwei Jahren bei der Umstellung unterstützt. Diese Stelle (beziehungsweise das Fehlen derselben) wird künftig der Lackmustest für Talente sein, die erwarten, dass Fernarbeit gefördert – und nicht bloß geduldet – wird.“

GitLab hat 2014 als gänzlich dezentrales Unternehmen begonnen und beschäftigt heute 1.200 Mitarbeitende in 67 Ländern. Darren Murph kommentiert, dass „wir in fünf bis zehn Jahren einen beachtlichen Anstieg von dezentralen Unternehmen beobachten werden, insbesondere bei den Start-ups 2020/2021, von denen viele aufgrund der Krise als voll dezentrale Unternehmen gegründet wurden“.

GitLab führte vor Kurzem eine Umfrage unter 3.000 Unternehmen durch, von denen 25 % dezentral geleitet werden und 86 % davon ausgehen, dass Fernarbeit das Modell der Zukunft ist. Darren Murph betonte auch, dass die Dezentralisierung nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiten oder nicht mehr persönlich an Meetings teilnehmen. Auch im dezentral geführten Unternehmen GitLab gibt es Meetings mit persönlicher Anwesenheit und unternehmensorganisierte Veranstaltungen. Dezentrale Unternehmen sind deshalb für viele attraktiv, da sie die Möglichkeit bieten, von überall aus zu arbeiten – von zu Hause, im Cafe oder von unterwegs. Fernarbeit ist als Arbeitsmethode inklusiver.

Was verraten uns Venture-Capital-Anlagen über die Zukunft der Arbeit?

Venture-Capital-Anlagen in Business-Produktivitätssoftware und -Tools konnten in den vergangenen fünf Jahren beachtliche Zuwächse verzeichnen und erreichten 2019 60 Mrd. US-Dollar. Investitionen bei der Gründung und in frühen Phasen machten 2019 über 22 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 37 % der Investitionen insgesamt aus.

Business-Produktivität lässt sich in vier Hauptkategorien einteilen:

  1. Kommunikationsplattformen
  2. Kollaborative Software und Tools
  3. Wissens- und Projektmanagement
  4. Virtuelle Arbeitsräume

Betrachtet man die ersten fünf Unternehmen nach aufgebrachtem Kapital in den jeweiligen Kategorien, ist offensichtlich, dass die Erleichterung der Fernarbeit in Zukunft ein wichtiges Thema sein wird.

Wohin fließt das Geld?

Bei den Unternehmen, die am meisten Kapital aufbringen, handelt es sich in allen vier Hauptkategorien um Kommunikations- und Projektmanagement-Plattformen. Dies liegt hauptsächlich an der Entwicklung dieses Bereichs in der Vergangenheit und ist kein Hinweis dafür, wie bedeutsam dieser in Zukunft sein wird. Zoom wurde, wie bereits erwähnt, für die breite Öffentlichkeit lanciert, und auch Fuze ist ein relativ etabliertes Tool. Generell sind hochspezialisierte Kommunikations- und kollaborative Tools allgemein bekannt und unverzichtbar. Interessant ist, dass sich der Fokus – und dies insbesondere im Bereich der kollaborativen Tools – offenbar verschoben hat, und zwar von der effizienteren Zusammenarbeit hin zu erfolgreicher ortsunabhängiger Zusammenarbeit.

Derzeit ist die Kategorie der virtuellen Arbeitsräume gemessen am aufgebrachten Kapital vergleichbar klein. Doch die Investitionen in diesem Bereich weisen darauf hin, dass der Trend nicht in Richtung physisches Büro geht, sondern eher in die entgegengesetzte Richtung.

Die Zukunft der Arbeit – Büroräume weiter wertvoll, aber nicht unverzichtbar

Es ist klar, dass Covid-19 Trends zu größerer Flexibilität in Bezug auf den Ort, an dem wir arbeiten, verstärkt hat, wobei sich Fernarbeit eher in den USA und Europa durchsetzt als in Asien. Wenn die Venture-Capital-Branche, in der enge Zusammenarbeit von jeher wichtig war, damit rechnet, dass Fernarbeit zunehmend ein normaler Bestandteil des Arbeitslebens wird, ist zu erwarten, dass Bereiche, die weniger von enger Teamarbeit abhängig sind, diesen Übergang noch leichter schaffen.

Ferner ergibt sich aus der Umfrage, dass das gemeinsame Büro ein wichtiger Aspekt der Unternehmenskultur und Zusammenarbeit bleibt. Für manche Branchen ist eine Abschaffung nahezu undenkbar. Doch in einigen Branchen kommen immer mehr Unternehmen von Anfang an ohne physische Büroräume aus.

Venture-Capital-finanzierte Portfoliounternehmen arbeiten derzeit an der Entwicklung von Tools, die Fernarbeit noch einfacher machen. Immer mehr Unternehmen, die diese Tools entwickeln, entschließen sich dafür, mit „gänzlich dezentraler“ Struktur zu arbeiten, was auf möglicherweise bevorstehende Änderungen hinweisen könnte.

Die Bürotürme werden aus unseren Skylines wohl nicht verschwinden. Was sich aber ändern dürfte, ist die Rolle, die diese Gebäude für die Art und Weise, wie wir arbeiten, in Zukunft spielen werden.

Finden Sie hier den Originalartikel mit Grafiken.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.


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