Schroders: Greenflation

28.03.2022 – Unterinvestitionen in die Versorgung mit Rohstoffen in den Bereichen Energie, Metalle und Landwirtschaft infolge von Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels begrenzen das Angebotswachstum und treiben die Preise in die Höhe.

Zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt übertrafen Rohstoffe 2021 Anleihen und Aktien. Schon vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine schienen sich diese Trends aufgrund sehr niedriger Lagerbestände, einer steigenden Nachfrage und einer gedämpften Reaktion des Angebots angesichts höherer Preise im Jahr 2022 fortzusetzen.

Von den Ereignissen überholt?

Eine Schlüsselfrage ist nun, ob eine verstärkte europäische Konzentration auf Sicherheit (sowohl bei der Energieversorgung als auch in militärischer Hinsicht) Änderungen in Bezug auf die vorstehend beschriebenen Effekte herbeiführen wird. In einigen Märkten lautet die Antwort wahrscheinlich ja. Der erneute Fokus auf Energiesicherheit und die geringere Abhängigkeit von russischer Energie werden jedoch voraussichtlich zu einer Verdoppelung der Vereinbarungen über erneuerbare Energien und die Elektrifizierung des Verkehrs führen.

Eine kurzfristige Lockerung der Dekarbonisierungspläne des Energiesektors (z. B. durch den längeren Betrieb von Kohlekraftwerken als ursprünglich geplant) könnte ebenfalls erforderlich sein, um die Risiken ungeordneter Entwicklungen auf den Energiemärkten zu verringern.

Die „Greenflation“ kommt

Es ist bekannt, dass die Klimaschutzpolitik die Nachfrage nach Rohstoffen wie Kupfer und Nickel stärkt, eine Tatsache, der viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die Auswirkungen der Änderungen auf der Angebotsseite sind jedoch wohl größer und betreffen eine breitere Palette von Rohstoffen.

Der Fokus von Produzenten, Regierungen und Investoren auf Strategien, die mit den Klimaschutzmaßnahmen vereinbar sind und Klimaziele erreichen, schränkt Investitionen in das neue Angebot an fossilen Brennstoffen und Metallen ein. Dies wiederum führt zur sogenannten „Greenflation“: ein starker Preisanstieg bei Materialien, die bei der Schaffung erneuerbarer Technologien verwendet werden.

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In einer Welt, die sich auf die Elektrifizierung und die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen konzentriert, haben die Befürchtungen zugenommen, dass fossile Brennstoffanlagen „verloren gehen“, also einer unerwarteten oder vorzeitigen Abschreibung oder Abwertung unterliegen könnten. Gleichzeitig sehen sich die Produzenten fossiler Brennstoffe wegen ihres derzeitigen ökologischen Fußabdrucks einem erheblichen Druck sowohl von Investoren als auch von Regierungen ausgesetzt.

Infolgedessen hat sich der Anreiz für Ölproduzenten, in langwierige und teure Projekte zu investieren, bei denen die langfristige Nachfrage sehr ungewiss und die Unterstützung der Investoren minimal ist, deutlich verringert.

Viele Investitionen legen den Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung, nicht auf die Steigerung der Produktion

Mineralproduzenten konzentrieren sich ebenfalls eher darauf, ihren aktuellen CO2-Fußabdruck zu verringern, als ihr Angebot zu erhöhen. Ein zunehmender Anteil des investierten Kapitals wird nicht für die Ankurbelung der Produktion dringend benötigter Metalle, sondern für die Dekarbonisierung der derzeitigen Lieferketten verwendet, um immer strengere Auflagen zu erfüllen.

Die Bedeutung des staatlichen Einflusses sollte hier nicht unterschätzt werden. Das Engagement der chinesischen Regierung für Klimaziele hat dramatische Auswirkungen auf die Nachfrage nach saubereren „Überbrückungsbrennstoffen“ wie Erdgas und schränkt Investitionen in Bereichen wie der Aluminiumschmelze stark ein.

Indirekte Auswirkungen sollten ebenfalls betrachtet werden. Während hohe Erdgas- und LNG-Preise in Europa und Asien fast keine direkten Auswirkungen auf die Renditen von Rohstoffindizes haben, könnten die sehr hohen Preise für Düngemittel, die sie verursacht haben, die Produktionskosten verschiedener landwirtschaftlicher Rohstoffe weltweit steigen lassen.

Die üblichen Regeln gelten nicht mehr

Das Endergebnis dieser dramatischen Verschiebung ist, dass der normale Zyklus höherer Preise, der in Zukunft zu mehr Investitionen und Produktion führt, durchbrochen wurde.

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Die Ölpreise befinden sich auf einem Niveau, das in der Vergangenheit erhöhte Investitionen ausgelöst hätte. Die Nachfrage nach Öl wird voraussichtlich im Jahr 2022 das Niveau vor der Pandemie überschreiten. Die Investitionsausgaben in diesem Sektor steigen jedoch nicht und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat Mühe, ihre aktuellen Förderquoten überhaupt zu erreichen, was die Preise in die Höhe treiben dürfte.

Dieser Mangel an Investitionen führt zu einem Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage robust bleibt, aber das Angebot begrenzt ist, hat das höhere Preise zur Folge. Dies ist ein Thema, das sich 2022 auf allen Rohstoffmärkten zeigen wird.

Autoren: James Luke, Malcolm Melville, Dravasp Jhabvala

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