02.03.2023 – Die russische Invasion in der Ukraine hat viele Konsequenzen – vor allem verheerende humanitäre Folgen. Obwohl wir die vielen Millionen Menschen nicht aus den Augen verlieren, die von der Krise betroffen sind, sind wir uns als Anleger bewusst, dass dies eine Zeit großer Unsicherheit ist.
Bei Marktturbulenzen wenden sich Anleger Gold zu, das als sicherer Hafen gilt. Als russische Truppen am 24. Februar in die Ukraine einmarschierten, erreichte das Edelmetall mit 1,974 US-Dollar je Unze den höchsten Stand seit September 2020.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels am 2. März liegt der Preis bei 1,929 US-Dollar.
Vor der aktuellen Krise bewegte sich der Goldpreis um 1,800 US-Dollar und seit Ende 2020 hatte er es kaum höher geschafft.
Der Verkaufsdruck großer institutioneller Anleger, insbesondere in Nordamerika, hat die starke Nachfrage von Schmuckherstellern und Zentralbanken (als Reserveanlage) und die Nachfrage nach Barren und Münzen (häufig als Spar-/Investitionsform) mehr als ausgeglichen. Gold spiegelt die sich ändernden makroökonomischen Bedingungen tendenziell gut wider. So waren die Preisrückgänge Ende 2020 und 2021 größtenteils auf die Erwartung einer Normalisierung der Geld- und Fiskalpolitik nach der Covid-19-Krise zurückzuführen.
Die Nachfrage nach Gold stieg schon vor der Krise
Der Goldpreis hielt sich im Januar und Anfang Februar robust, trotz starker Anstiege der US-Realzinsen – was ihn normalerweise belasten würde. Dies ist zum Teil auf den geopolitischen Stress der Situation zwischen Russland und der Ukraine zurückzuführen, was weitere Aufwärtsbewegungen zufolge haben könnte, wenn sich der Konflikt verschärft oder Sanktionen nicht die gewünschte Wirkung zeigen.
Wir sahen jedoch bereits vor der Eskalation der Situation Anzeichen dafür, dass sich die institutionelle Nachfrage nach Gold als Portfolio-Hedging-Instrument ins Positive drehte.
Wir glauben, dass dies 2023 so bleiben wird, unabhängig davon, wie sich die geopolitische Situation entwickelt.
Warum sollten Anleger jetzt mit der Allokation in Gold beginnen?
Abgesehen von der Suche nach Wertaufbewahrungsmitteln in Zeiten erhöhter Marktspannung glauben wir, dass viele Anleger den bevorstehenden Zinserhöhungszyklus angesichts des ungewöhnlichen makroökonomischen Hintergrunds als äußerst riskant ansehen.
Abgesehen von ihrer hohen Verschuldung sind die Industrieländer auf massive geld- und fiskalpolitische Stimuli angewiesen. Das Potenzial für negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Finanzmärkte, wenn die Stimuli wegfallen und die Zinssätze steigen, ist hoch.
Anders gesagt: Es ist durchaus möglich, dass Zinserhöhungen und die Aufhebung der quantitativen Lockerung derart negative Auswirkungen auf Volkswirtschaften haben könnten, in denen die Verbraucher bereits unter einem negativen Realeinkommenswachstum leiden, dass sie in Kürze wieder rückgängig gemacht werden.
Das Potenzial für eine stagflationäre Entwicklung ist hoch (d. h. niedriges Wachstum und hohe/steigende Inflation) und die Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer langen Phase finanzieller Repression mit negativen Realzinsen bleiben, ist ebenfalls hoch. Dies ist ein sehr positiver makroökonomischer Hintergrund für Gold.
Andere Portfoliodiversifikatoren sehen weniger attraktiv aus
Die aktuellen Ungewissheiten deuten darauf hin, dass Institutionen Portfoliodiversifikatoren wie Gold wahrscheinlich weiterhin stärker in Betracht ziehen werden, da andere Optionen weniger attraktiv erscheinen.
Kryptowährungen, die in den vergangenen Quartalen möglicherweise Kapital vom Gold abgezogen haben, stehen ebenfalls unter zunehmendem Regulierungsdruck.
Im krassen Gegensatz zu 2013 (als Gold weitgehend zugunsten von Aktienallokationen abgestoßen wurde) sind die Aktienbewertungen sehr hoch.
Allgemeiner gesagt ist es schwierig zu argumentieren, dass traditionelle Absicherungsinstrumente wie Staatsanleihen so attraktiv sind wie in der Vergangenheit, nicht zuletzt, weil die Volkswirtschaften hoch verschuldet sind, die Zinsen immer noch nahe an historischen Tiefstständen liegen und die Inflation durchaus noch strukturell höher liegen könnte.
Wird Gold zur einzigen Alternative?
Insgesamt glauben wir weiterhin, dass sich Gold im Jahr 2023 gut entwickeln sollte. Während der Konflikt in der Ukraine weitere Aufwärtsbewegungen zufolge haben könnte, glauben wir, dass Gold mangels besserer Alternativen bei der Diversifizierung der Portfolios auf dem besten Weg ist, in den kommenden Jahren zu einem sicheren Hafen zu werden.
Autor: James Luke
Finden Sie hier weitere Kommentare von Schroders.
Hinweise:
Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht.