Vulcan Energy hat mit der Machbarkeitsstudie zum Lithiumprojekt Ludwig gestern beeindruckende Kennzahlen vorgelegt – doch die Aktie reagiert nur verhalten. Der Kurs notiert bei 1,66 Euro und legt am heutigen Freitag um 0,6 Prozent zu. Das zeigt: Anleger bewerten das Projekt zwar als Fortschritt, sehen darin aber offenbar noch keinen Kurswende-Katalysator.
Ludwig als zweites deutsches Standbein
Das Projekt Ludwig in Ludwigshafen im Oberrheingraben soll künftig jährlich 21.100 Tonnen Lithiumcarbonat sowie 3.125 Gigawattstunden Wärme liefern. Die Vorstudie beziffert die Investitionssumme auf 1,26 Milliarden Euro, die Betriebskosten liegen bei 4.101 Euro je Tonne Lithiumcarbonat-Äquivalent.
Über eine Laufzeit von 30 Jahren kommt Vulcan Energy auf einen Nettobarwert nach Steuern von 1,73 Milliarden Euro und eine interne Verzinsung von 20,2 Prozent. Die zugrunde liegende Ressource wurde auf 1,25 Millionen Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent in der Kategorie „Indicated“ beziffert, ein Plus von 91 Prozent gegenüber früheren Schätzungen.
Eine finale Investitionsentscheidung soll erst fallen, nachdem das Schwesterprojekt Lionheart die Produktion aufgenommen hat – laut Studie im Jahr 2028 beziehungsweise mit Annahme des Produktionsstarts 2029. Ludwig ist damit kein kurzfristiger Umsatzbringer, sondern ein zweites Standbein in der langfristigen Wachstumsstrategie des Unternehmens im Oberrheingraben, das kombinierte Lithiumgewinnung mit geothermischer Wärmeerzeugung verbindet.
Warum die Kursreaktion verhalten bleibt
Die Zurückhaltung der Anleger lässt sich auch am technischen Bild ablesen. Die Aktie notiert rund 60 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,15 Euro, das sie Mitte Oktober vergangenen Jahres erreicht hatte. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand aktuell 24 Prozent nach unten.
Diese Diskrepanz zwischen operativem Fortschritt und Kursentwicklung spiegelt die grundsätzliche Skepsis wider, mit der der Markt Lithiumprojekte derzeit bewertet – vorbehaltlich der langen Zeiträume bis zur finalen Investitionsentscheidung und dem generell schwachen Sentiment für Batterierohstoffe.
Zugleich zeigt der Wettbewerbsvergleich, dass Vulcan Energy mit seinen Kennzahlen nicht isoliert dasteht. Auch andere Lithiumentwickler wie Wildcat Resources in Australien legen ähnlich attraktive Renditeprofile für ihre Projekte vor, was die Aufmerksamkeit der Investoren auf mehrere konkurrierende Projekte gleichzeitig verteilt. Für Vulcan Energy bedeutet das: Die reine Projektqualität allein reicht derzeit nicht aus, um die Aktie aus ihrem Abwärtstrend zu befreien.
Was Anleger im Blick behalten sollten
Kurzfristig dürfte die Aktie stärker von der allgemeinen Marktstimmung für Lithiumwerte getrieben werden als von Projektmeilensteinen wie Ludwig. Die eigentliche Bewährungsprobe steht ohnehin erst mit dem Produktionsstart von Lionheart bevor, der als Voraussetzung für die finale Investitionsentscheidung bei Ludwig gilt. Bis dahin bleibt die Aktie ein Wert, bei dem operative Fortschritte und Kursverlauf deutlich auseinanderfallen.
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