Die 2,2 Milliarden Euro schwere Finanzierung für das Lionheart-Projekt ist offiziell besiegelt. Vulcan Energy Resources hat Financial Close erreicht — und damit das größte Einzelrisiko der vergangenen Monate aus dem Weg geräumt. Was jetzt zählt, ist die Umsetzung.
Konsortium gibt grünes Licht
Ein Konsortium aus 13 Institutionen hat rund 1,2 Milliarden Euro an vorrangigen Darlehen freigegeben. Hinzu kommen gut 204 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen. Beteiligt sind die Europäische Investitionsbank, fünf Exportkreditagenturen — darunter Bpifrance und Export Finance Australia — sowie sieben Geschäftsbanken wie BNP Paribas, ING und UniCredit.
Der Abruf der verbleibenden Mittel ist an laufende Bedingungen geknüpft. Vulcan erwartet, diese im Einklang mit dem Baufortschritt und dem Investitionsplan zu erfüllen.
Kurs erholt sich, Abstand zur Spitze bleibt groß
Die Aktie reagierte prompt. An der ASX sprang der Kurs um rund 8 Prozent. In Frankfurt schloss das Papier am Freitag bei 2,39 Euro — ein Plus von 6,5 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Anstieg von gut 10 Prozent.
Allerdings: Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,98 Euro trennt die Aktie noch immer ein Abstand von 40 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier rund 8,5 Prozent im Minus. Der RSI von 4,4 signalisiert extrem überverkaufte Bedingungen — ein Niveau, das technisch oft eine scharfe Gegenbewegung einleitet. Genau das scheint gerade zu passieren.
Bohrungen und Anlage im Zeitplan
Mit gesicherter Finanzierung rückt die Bauausführung in den Mittelpunkt. Zwei operative Stränge sind entscheidend.
Das sechste Bohrloch des Projekts, LSC-2, hat seine Zieltiefe von 3.000 Metern erreicht. Abschlussarbeiten und Fließtests sollen noch im zweiten Quartal folgen. Danach beginnt die Bohrung von LSC-3 und LSC-4 — beide für den weiteren Verlauf von 2026 geplant.
Im Industriepark Höchst in Frankfurt installiert Vulcan derzeit ein kommerzielles Elektrolysesystem. Produktionsbohrung LSC-1 liefert bereits Fließraten zwischen 105 und 125 Litern pro Sekunde. In der zweiten Jahreshälfte soll ein zweites Bohrgerät hinzukommen.
Das Projekt zielt auf eine Jahreskapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat — genug für rund 500.000 Elektrofahrzeuge. Über eine Laufzeit von 30 Jahren sollen außerdem 275 GWh erneuerbare Energie und 560 GWh Wärme erzeugt werden.
Starke Abnehmer, wachsende Investorenbasis
Rund 72 Prozent der geplanten Produktion sind bereits unter Festpreis- oder Mindestpreisverträgen verkauft. Stellantis hat 128.000 Tonnen über zehn Jahre zugesagt, LG Energy Solution weitere 31.000 Tonnen. Umicore und Glencore sind ebenfalls als Abnehmer an Bord.
Auf der Investorenseite gibt es ebenfalls Bewegung. VanEck Associates hat seinen Anteil auf 6,06 Prozent ausgebaut — rund 28,96 Millionen Aktien. Hochtief-Strategiechef Roberto Gallardo zieht neu in den Aufsichtsrat ein. Hochtief hatte im Dezember 169 Millionen Euro investiert und hält damit 15,4 Prozent an Vulcan.
Nächste Bewährungsprobe: LSC-2-Fließtest
Die Finanzierungsarchitektur steht. Jetzt muss Vulcan beweisen, dass ein europäisches Geothermie-Lithium-Projekt ohne Kostenüberschreitungen und Verzögerungen gebaut werden kann. Jeder Rückstand beim Bau trifft direkt die Mittelabrufe.
Der nächste konkrete Datenpunkt ist der Fließtest von LSC-2, dessen Ergebnisse noch im zweiten Quartal erwartet werden. Der Halbjahresbericht folgt am 11. September. Bis dahin werden Fortschritte bei der Elektrolyseanlage in Frankfurt und die Mobilisierung des zweiten Bohrgeräts zeigen, ob der Zeitplan hält.
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