Der VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) steht weiter im Spannungsfeld zwischen geopolitischer Lieferkettendebatte und schwachem Technologiesektor.
Ein neuer Aufhänger kommt aus Taiwan: Reuters berichtete am Donnerstag, dass der Chipkonzern TSMC bei Ausrüstungslieferanten nach Fabrikautomatisierungsmotoren ohne Seltenerd-Materialien anfragt. Ziel sei es, die Abhängigkeit von möglichen Lieferunterbrechungen durch chinesische Exportkontrollen zu verringern. Die Gespräche befinden sich laut Reuters in einem frühen Stadium.
Für Anleger im ETF ist das kein unmittelbares Ereignis auf Indexebene, aber ein Signal für strukturellen Nachfragewandel. Wenn große Abnehmer wie TSMC aktiv nach seltenerdfreien Alternativen suchen, deutet das auf eine langfristige Diversifizierungsstrategie der Industrie hin – unabhängig davon, wie sich die aktuellen Exportregeln entwickeln.
Aktienmarkt und Rohstoffpreise laufen auseinander
Bemerkenswert ist die Divergenz zwischen Aktienkursen und Rohstoffpreisen in der Branche. Der US-notierte REMX, das Pendant zum VanEck-Fonds, fiel am Donnerstag um 3,43 Prozent – getrieben von einem breiten Ausverkauf bei Technologie- und KI-Werten, nicht von fallenden Seltenerd-Preisen.
Am Freitag drehte das Bild in China: Dort legten Aktien von Herstellern von Seltenerd-Dauermagneten um 2 Prozent zu, befeuert vom Humanoid-Robotik-Thema und starken Gewinnprognosen etwa von China Northern Rare Earth für die ersten drei Quartale. Gleichzeitig gab der Preis für Praseodym-Neodym-Oxid an diesem Tag um 1,3 Prozent nach.
Diese Gegenläufigkeit zeigt: Die Kursbewegungen der Branche werden derzeit stärker von Stimmung und Einzeltitel-Nachrichten getrieben als von den tatsächlichen Rohstoffpreisen. Für den ETF, der ein Korb aus Minen- und Verarbeitungsunternehmen abbildet, bedeutet das erhöhte Schwankungsanfälligkeit unabhängig von der physischen Marktlage.
Exportpolitik bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Im Hintergrund bleibt die chinesische Exportpolitik der zentrale Risikofaktor. Chinas Handelsministerium signalisierte Mitte Oktober laut einer Branchenpublikation Bereitschaft, Exportlizenzen für Seltene Erden in die EU zu erleichtern.
Zugleich zeigen Zollstatistiken für die ersten neun Monate des Jahres einen Rückgang der Gesamtexporte aller 17 Seltenerd-Elemente um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die im Oktober 2025 verhängten und seither ausgesetzten Exportkontrollen laufen Mitte November turnusgemäß aus – ein Termin, den Marktbeobachter bereits als nächsten Prüfstein für Lieferketten und Lizenzvergabe markiert haben.
Für den VanEck-ETF bleibt die Gemengelage aus Nachfragesubstitution bei Großabnehmern, volatiler Aktienbewertung in China und offener Exportpolitik Pekings bestimmend. Konkrete Mittelzu- oder -abflüsse für die thesaurierende Anteilsklasse IE0002PG6CA6 selbst lassen sich derzeit nicht belegen; verfügbare Flow-Daten beziehen sich ausschließlich auf die separat gehandelte US-Variante REMX.
Der Kurs des ETF notiert bei 9,12 Euro und damit nur 2,4 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief, nachdem er sich binnen 30 Tagen um 24 Prozent verbilligt hat. Die Nähe zum Jahrestief unterstreicht, wie stark die jüngste Verkaufswelle bei Technologie- und Rohstoffwerten den Fonds belastet hat, auch wenn die fundamentale Nachrichtenlage uneinheitlich bleibt.
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