Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper treibt seine Transformation und die Rückkehr zu einer marktüblichen Struktur voran. Während der Bund, der über 99 % der Anteile hält, Medienberichten zufolge den Wiederverkauf und einen möglichen Börsengang vorbereitet, stellt das Unternehmen wichtige personelle Weichen.
Am 1. Oktober übernimmt Dr. Christian Ohlms die Position des Chief Commercial Officer (CCO) und folgt damit auf Dr. Carsten Poppinga, der das Unternehmen bereits Ende Februar verlassen hat. Gemeinsam mit Finanzvorstand Christian Barr, der seit November vergangenen Jahres im Amt ist, soll die neue Führung das Unternehmen durch die anstehende Privatisierungsphase steuern.
Strategische Neuausrichtung auf Rechenzentren und Wasserstoff
Uniper nutzt die vorhandene Kraftwerksinfrastruktur zunehmend für neue Geschäftsfelder. Im Rahmen des Investitionsplans für die Jahre 2025 bis 2030, der ein Volumen von rund 5 Milliarden Euro umfasst, identifizierte das Management über zehn Standorte, die sich aufgrund ihrer Anbindung an europäische Datenkorridore für den Betrieb von Rechenzentren eignen. Mehr als die Hälfte der geplanten Gesamtinvestitionen soll dabei in Projekte innerhalb Deutschlands fließen.
Parallel dazu forciert das Unternehmen den Ausbau wasserstofffähiger Kapazitäten. Geplant sind unter anderem Gaskraftwerke mit einer Leistung von 1,7 Gigawatt an den Standorten Scholven und Staudinger, die perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden können.
Ergänzend dazu strebt Uniper die Entwicklung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien mit einem jährlichen Zubau von rund 500 Megawatt an. Diese Neuausrichtung soll die Abhängigkeit vom klassischen Gasgeschäft verringern und das Profil im Bereich der grünen Energieerzeugung schärfen.
Starke Bilanz stützt Investitionspläne
Die finanzielle Basis für diesen Umbau hat sich zuletzt deutlich gefestigt. In der ersten Jahreshälfte 2026 erwirtschaftete Uniper ein bereinigtes EBITDA von 711 Millionen Euro, was nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Besonders das Segment „Greener Commodities“ profitierte dabei vom Wegfall negativer Effekte aus der Gasoptimierung, die das Vorjahr noch belastet hatten. Im Bereich „Green Generation“ hingegen drückte die ungeplante Nichtverfügbarkeit des schwedischen Kernkraftwerks Oskarshamn 3, das von Februar bis Juli dieses Jahres vom Netz war, auf das Ergebnis.
Die wirtschaftliche Nettocashposition stieg bis Mitte des Jahres auf über 4,5 Milliarden Euro an, verglichen mit rund 2,8 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Diese Liquidität ermöglichte es Uniper bereits im Mai, mit einer Ausschüttung von 0,72 Euro je Aktie die erste Dividende seit der staatlichen Rettung im Jahr 2022 zu zahlen.
Die Ratingagentur Fitch vergab vor rund einem Monat erstmals ein Emittentenrating von BBB- mit stabilem Ausblick, was die wiedergewonnene Kreditwürdigkeit auf Investment-Grade-Niveau unterstreicht.
Analysten bewerten die Kursrally vorsichtig
Am Aktienmarkt spiegelt sich die Erholung deutlich wider: Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Plus von 44 %. Mit einem gestrigen Schlusskurs von 47,20 Euro notiert die Aktie dennoch weiterhin rund 16 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das im Mai erreicht wurde. Die Bewertung stößt bei Experten jedoch auf geteiltes Echo, da die künftige Eigentümerstruktur nach dem angekündigten Staatsausstieg Unsicherheiten birgt.
Die Analysten von Barclays hoben am 20. August ihr Kursziel leicht von 33 auf 35 Euro an, beließen die Einstufung jedoch auf „Underweight“. Bereits am 11. August hatte die LBBW die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ abgestuft und sah ein faires Niveau bei 36,80 Euro.
Im Gegensatz dazu gab sich Oddo BHF am selben Tag optimistischer und passte das Kursziel nach oben auf 42,50 Euro an, wobei die Einstufung auf „Neutral“ verblieb. Während die operativen Fortschritte anerkannt werden, mahnen viele Marktbeobachter angesichts der hohen Marktkapitalisierung von über 19 Milliarden Euro zur Vorsicht.
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