Thyssenkrupp Aktie: TKMS trifft Algoma Steel

Thyssenkrupp treibt Milliarden-U-Boot-Projekt mit kanadischem Partner voran, während die Stahlsparte die EU-Klimapolitik scharf ablehnt.

Auf einen Blick:
  • TKMS verhandelt mit Algoma Steel
  • Stahlsparte kritisiert EU-Klimainstrumente
  • Milliardenauftrag für U-Boote in Kanada
  • Analysten heben Schätzungen für Marine an

Thyssenkrupp fährt zweigleisig. Die Stahlsparte übt scharfe Kritik an der EU-Klimapolitik. Parallel dazu macht die Marinetochter TKMS Nägel mit Köpfen bei einem Milliardenauftrag in Kanada.

Die Aktie schloss am Freitag bei 11,50 Euro. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 7,18 Milliarden Euro. Trotz eines Rücksetzers von 6,73 Prozent binnen sieben Tagen steht seit Jahresbeginn ein Plus von 18,90 Prozent zu Buche.

Stahlsparte zweifelt an EU-Klimainstrumenten

Seit Anfang Juli 2026 gelten neue Handelsregeln für Stahlimporte nach Europa. Der CO₂-Grenzausgleich CBAM soll den Emissionshandel schrittweise reformieren. Thyssenkrupp Steel hält davon wenig.

Das Unternehmen bezeichnet CBAM als „nicht funktionsfähig“. Es fordert eine grundlegende Reform des Emissionshandels.

Trotz der Kritik investiert der Konzern weiter in die Transformation. Gemeinsam mit Wettbewerbern wie Salzgitter baut Thyssenkrupp Direktreduktionsanlagen. Diese sollen langfristig mit Wasserstoff laufen.

Eine Analyse der Beratung BCG macht Hoffnung. Der geplante Industrial Accelerator Act könnte ab 2029 über Vorgaben für die öffentliche Beschaffung eine jährliche Nachfrage von rund 9 Millionen Tonnen CO₂-armem Stahl auslösen.

TKMS verhandelt mit Algoma Steel

Während die Stahlsparte mit der Politik ringt, macht die Marinetochter TKMS Fortschritte. Kanada hat TKMS bereits als bevorzugten Bieter für bis zu 12 U-Boote ausgewählt. Jetzt verhandelt das Unternehmen über lokale Industriepartner.

Am Montag wurde bekannt: TKMS führt konkrete Gespräche mit dem kanadischen Stahlhersteller Algoma Steel. Ziel ist eine Beteiligung Algomas am Bau der U-Boote der Klasse 212CD. Ein erstes Treffen fand bereits am 7. Juli statt, vermittelt durch die kanadische Politik.

Algoma Steel zeigt sich kooperationsbereit. Das Gesamtprojekt wird auf rund 62 Milliarden Euro geschätzt. Zusammen mit weiteren Großaufträgen – darunter vier Fregatten für die deutsche Marine – sichert das die Auslastung von TKMS bis in die 2040er-Jahre.

Analysten sehen Marinegeschäft als Werttreiber

Die Erfolge im Verteidigungssektor wirken sich auf die Analystenmeinungen aus. Mehrere Experten hoben am Montag ihre Schätzungen für TKMS an. In Finanzkreisen gilt das Marinegeschäft zunehmend als entscheidender Wertfaktor für die gesamte Gruppe.

Für eine potenziell eigenständig bewertete Marine-Einheit kursieren Kursziele zwischen 76 und 135 Euro. Diese große Spanne zeigt: Die Erwartungen an TKMS variieren stark unter Analysten.

Technisches Bild bleibt angespannt

Die Aktie notiert 4,58 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 11,00 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 9,96 Euro beträgt der Abstand 15,47 Prozent. Der RSI von 54,7 signalisiert einen neutralen Bereich – weder überkauft noch überverkauft.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 51,95 Prozent. Das ist hoch und spiegelt die Gemengelage aus Großaufträgen und politischen Unsicherheiten wider. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro fehlen noch rund 13 Prozent.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie belastbar die Gespräche zwischen TKMS und Algoma Steel sind. Sollte eine formelle Partnerschaft zustande kommen, würde das den kanadischen U-Boot-Auftrag industriepolitisch absichern – und die Bewertungsdebatte um eine eigenständige Marinesparte weiter befeuern.

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