Thyssenkrupp Steel Europe hat am 30. August den Hochofen Schwelgern 2 in Duisburg planmäßig für eine sechswöchige Instandsetzung abgeschaltet. Die Anlage zählt zu den größten der Stahlsparte, ein temporärer Ausfall dieser Größenordnung ist für die Produktionsplanung des laufenden Geschäftsjahres relevant.
Parallel dazu verhandelt der Konzern mit der Bundesregierung und der EU-Kommission über eine Anpassung der Förderbedingungen für das geplante Duisburger DRI-Werk – die Anlage soll zunächst auch ohne Wasserstoff betrieben werden können, um den Zeitplan der Direktreduktionstechnologie nicht an die Wasserstoffverfügbarkeit zu binden.
Beide Themen betreffen den Kern der laufenden Transformation der Stahlsparte, die für Anleger seit Monaten im Zentrum der Neubewertung steht. Erst am 20. August hatte Thyssenkrupp Steel die finale Abnahme für den neuen Slab Caster am Standort Duisburg vermeldet – ein operativer Meilenstein, der zeigt, dass Investitionsprojekte trotz der schwierigen Marktlage im Zeitplan bleiben.
Kursreaktion fällt in eine Konsolidierungsphase
Die Aktie verlor am heutigen Mittwoch 2,6 Prozent und rutschte auf 13,82 Euro, nach einem Rückgang von bereits 3,9 Prozent auf Wochensicht. Damit setzt sich eine Abkühlung fort, die seit dem 52-Wochen-Hoch von 15,18 Euro Ende August eingesetzt hat – aktuell notiert das Papier 8,9 Prozent darunter.
Der langfristige Trend bleibt davon unberührt: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 48 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 52 Prozent. Der Kurs liegt weiterhin deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,49 Euro, was die grundsätzlich intakte Aufwärtsdynamik unterstreicht, auch wenn die jüngste Bewegung eine Verschnaufpause markiert.
Diese Konsolidierung folgt auf eine Phase, in der mehrere Analystenhäuser ihre Kursziele deutlich angehoben hatten – ein Thema, das seit dem vergangenen Sonntag bereits verarbeitet ist und die Aktie seither um 5,7 Prozent zurückfallen ließ. Die operative Nachrichtenlage der vergangenen Tage liefert nun neue, eigenständige Impulse.
Konzernumbau schreitet voran
Der Wandel des Konzerns zeigt sich nicht nur im Stahlgeschäft. Die Aktionäre hatten Anfang August der Verselbstständigung der Sparte tk accelis zugestimmt, die laut Reuters für einen Börsengang im Herbst vorbereitet wird.
Bei der Tochter Thyssenkrupp Nucera bleibt die Lage dagegen angespannt: Nach dem Ausstieg aus den SOEC-Stack-Plänen senkte das Unternehmen die Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26, Berenberg stufte die Aktie Ende August auf Neutral mit einem Kursziel von 9 Euro ein. Das betrifft die Tochter, nicht die Thyssenkrupp AG selbst, zeigt aber, dass der Konzernumbau nicht in allen Segmenten reibungslos verläuft.
Für die Kernsparte Stahl bleibt die Förderfrage zum DRI-Werk der entscheidende Faktor. Gelingt es Thyssenkrupp, mit Berlin und Brüssel eine Lösung zu finden, die den Bau der Anlage unabhängig von der Wasserstoffversorgung ermöglicht, könnte das Projekt deutlich schneller Fahrt aufnehmen als bislang geplant. Der Wartungsstopp bei Schwelgern 2 dürfte dagegen kurzfristig auf die Produktionszahlen drücken, ehe der Hochofen nach sechs Wochen wieder anläuft.
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