Neue EU-Handelsregeln treffen den Stahlmarkt mit voller Wucht. Thyssenkrupp profitiert direkt davon. Die Aktie springt am Freitag um 6,02 Prozent auf 11,98 Euro und markiert damit den vorläufigen Höhepunkt einer bemerkenswerten Kursrally.
Der Anstieg kommt nicht aus dem Nichts. Binnen sieben Handelstagen hat das Papier bereits 16,20 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 23,86 Prozent zu Buche, verglichen mit dem Vorjahr sind es sogar 31,36 Prozent. Vom Tief bei 7,10 Euro im März hat sich der Kurs um 68,68 Prozent entfernt.
Brüssel schließt die Tür für Billigimporte
Seit dem 1. Juli gelten in der EU deutlich schärfere Importregeln für Stahl. Brüssel senkt die zollfreie Einfuhrquote um 47 Prozent gegenüber 2024 – auf nur noch 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Wer diese Quote überschreitet, zahlt künftig 50 statt bisher 25 Prozent Zoll.
Das trifft vor allem Stahl aus China, Indien und der Türkei. Diese Länder galten lange als Preisdrücker auf dem europäischen Markt. Für Thyssenkrupp Steel Europe bedeutet die neue Regel: weniger Konkurrenz durch Billigware, mehr Spielraum bei den Margen.
Der Konzernumbau nimmt Fahrt auf
Die Zoll-Nachricht trifft auf einen Konzern im Wandel. Thyssenkrupp treibt die Abspaltung mehrerer Unternehmensteile voran. Die Werkstoffhandelssparte soll unter dem Namen tk accelis eigenständig werden.
Der Aufsichtsrat hat den Plänen bereits am 16. Juni zugestimmt. Am 7. August entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung über den nächsten Schritt. Zwei Treiber, ein Ergebnis: Anleger honorieren sowohl die politische Rückendeckung als auch den klareren Konzernzuschnitt.
Charttechnik bestätigt den Trend
Die Kursbewegung zeigt sich auch in den technischen Indikatoren deutlich. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,75 Euro – die Aktie notiert 11,46 Prozent darüber. Noch deutlicher fällt der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt aus: Mit 9,99 Euro liegt dieser 19,93 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Der RSI von 64,1 signalisiert intakte Aufwärtsdynamik, ohne bereits in überkaufte Bereiche vorzustoßen. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen der Aktie noch 9,55 Prozent.
Die außerordentliche Hauptversammlung am 7. August wird zeigen, wie konkret die Abspaltung von tk accelis Gestalt annimmt. Bis dahin bleibt die Kombination aus EU-Schutzmaßnahmen und Konzernumbau der zentrale Treiber für die Aktie.
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