Während der Goldpreis im zweiten Quartal 2026 um mehr als 14 Prozent einbrach, tat Tether das, was sonst vor allem Zentralbanken tun: nachkaufen. Rund 14 Tonnen Gold wanderten zwischen April und Juni in die Reserven des Stablecoin-Emittenten — mitten in einer Phase, in der der bewaffnete Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie steigende Anleiherenditen den Markt durcheinanderwirbelten.
Am Ende des Quartals summierten sich die Goldbestände auf 146 Tonnen im Wert von 18,8 Milliarden US-Dollar. Damit setzt Tether einen Trend fort, der sich über mehrere Quartale zieht: Nach mehr als 21 Tonnen im vierten Quartal 2025 und über sechs Tonnen im ersten Quartal 2026 wurde erneut kräftig zugekauft.
Im ersten Halbjahr 2026 kam damit ein Volumen zusammen, das etwa dem Kauftempo der kasachischen Zentralbank entspricht — nur Polen, Usbekistan und China kauften im gleichen Zeitraum mehr.
Diversifikation als Strategie
Das Muster ähnelt dem klassischen Vorgehen von Notenbanken, die sich gegen Inflation und eine mögliche Dollar-Schwäche absichern wollen. Tether verfolgt offenbar ein vergleichbares Ziel und baut seine Reserven bewusst über den Dollar hinaus aus.
Die testierten Zahlen für das zweite Quartal, geprüft von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, zeigen ein Unternehmen mit soliden Kennziffern. Die Gesamtvermögenswerte lagen zum 30. Juni 2026 bei 187,75 Milliarden US-Dollar, denen Verbindlichkeiten von 183,64 Milliarden US-Dollar gegenüberstanden. Daraus ergibt sich ein Reservepuffer von 4,11 Milliarden US-Dollar, während der Nettobetriebsgewinn im Quartal bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar lag.
Die Emission des Stablecoins USDT wuchs im gleichen Zeitraum um etwa 446 Millionen US-Dollar auf rund 184,6 Milliarden US-Dollar. Der Marktanteil am gesamten Stablecoin-Markt kletterte dabei auf über 60 Prozent. Parallel baute das Unternehmen sein besichertes Kreditgeschäft um 15 Prozent ab.
Tokenisiertes Gold wächst gegen den Trend
Getrennt von den Unternehmensreserven entwickelte sich auch der Gold-Token XAUT auffällig. Die physischen Reserven dahinter blieben im Quartal bei knapp 22 Tonnen konstant, verteilt auf Barren in London und der Schweiz. Die Zahl der im Umlauf befindlichen Token stieg dennoch um etwa 9,5 Prozent — ein Anstieg, der beim gleichzeitigen Preisrückgang zeigt, dass die Nachfrage nach dem Produkt unabhängig vom Goldkurs zunahm.
Tether tritt damit an zwei Fronten als Goldkäufer auf: einmal als Unternehmen, das seine eigene Bilanz absichert, und einmal als Anbieter eines Tokens, dessen Nutzerbasis trotz fallender Preise wächst. Beide Entwicklungen laufen parallel zur Kernfrage, wie belastbar der Reservepuffer bei künftigen Marktschocks bleibt.
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