Silber Preis: World Silver Survey erwartet 46,3 Mio Unzen Defizit

Steigende US-Inflation und schwindende Zinssenkungshoffnungen setzen Silber zu. Der Preis fällt unter 77 Dollar, trotz anhaltender physischer Knappheit.

Auf einen Blick:
  • Silberpreis fällt unter 77 US-Dollar
  • US-Inflationsdaten belasten Zinserwartungen
  • Nahost-Diplomatie sorgt für Unsicherheit
  • Industrienachfrage bleibt stabilisierender Faktor

Silber verliert zur Wochenmitte Halt, obwohl der Markt strukturell knapp bleibt. Der Preis rutschte am Dienstag unter 77 US-Dollar, nachdem er am Montag noch bis 77,49 US-Dollar gestiegen war. Der Auslöser liegt nicht im Metall selbst. Es sind US-Inflation und Zinserwartungen.

US-Daten drehen die Zinserwartung

Die jüngsten PPI- und Verbraucherpreisdaten aus den USA treffen Silber an einer empfindlichen Stelle. Die Inflation erreichte im Jahresvergleich ein markantes Mehrjahreshoch. Terminmärkte preisen deshalb kaum noch Zinssenkungen für 2026 ein.

Für Silber ist das ein klares Problem. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Wenn Anleihen attraktivere Renditen bieten, steigt der Preis für das Halten von Silberpositionen. Spekulative Nachfrage kann dann schnell abziehen.

Der Rückfall unter die wichtige Marke zeigt, wer derzeit den Ton angibt. Kurzfristig überlagern Zinsdruck und Inflationsangst die Knappheit am physischen Markt. Die Folge: charttechnisch rückt die Zone um 75 US-Dollar näher.

Nahost-Signale sorgen für Schwankungen

Auch die Lage im Nahen Osten bewegt den Preis. Donald Trump sprach von gut verlaufenden Gesprächen mit Teheran über maritime Kontrollen in strategischen Passagen. Er warnte aber weiter vor Militärschlägen, falls die Gespräche scheitern.

Diese Mischung ist heikel. Fortschritte in der Diplomatie können Risikoprämien senken und Silber kurzfristig belasten. Drohungen gegen Raketenabschussrampen und Schiffe im Persischen Golf stützen dagegen den Bedarf an Absicherung.

Industrienachfrage bleibt der Gegenpol

Fundamental bleibt das Bild enger. Der World Silver Survey vom 15. April 2026 erwartet erneut ein Defizit. Für 2026 wäre es das sechste Jahr in Folge, nach dem fünften Defizitjahr 2025.

Das erwartete Minus liegt bei 46,3 Millionen Feinunzen. Treiber sind KI-Anwendungen und Elektromobilität, die den physischen Verbrauch erhöhen. Diese Nachfrage gibt dem Markt einen Gegenpol zum Zinsdruck.

Der politische Faktor liegt in China. Rund 60 Prozent der weltweiten Silbernachfrage kommen aus industriellen Anwendungen. Daher zählt das Treffen zwischen Trump und Xi Jinping in Peking auch für den Rohstoffmarkt.

Neue Zölle könnten Lieferketten für Photovoltaik und Elektronik belasten. Das würde die industrielle Nachfrage dämpfen, obwohl Silber in diesen Technologien gebraucht wird. Genau dieser Widerspruch hält den Markt nervös.

Silber steckt damit zwischen zwei Kräften. Solange die US-Zinsfantasie schwindet, bleibt 77 US-Dollar der schnelle Gradmesser. Eine Rückeroberung würde den Druck mindern; darunter bleibt die Zone um 75 US-Dollar das nächste Kursniveau.

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