Diplomatische Signale aus New York setzen den Silberpreis unter Druck. Nach einer Erholung geriet die Notierung am Mittwoch ins Stocken, nachdem überraschende Gespräche zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und des Iran bekannt wurden.
Am Dienstag schloss die Feinunze am Terminmarkt noch mit einem Plus von 1,6 Prozent bei 67,61 US-Dollar. Im asiatischen Handel am Mittwoch gaben die Notierungen jedoch wieder nach, da Anleger die geopolitische Risikoprämie im Rohstoffsektor neu bewerteten.
Diplomatischer Vorstoß dämpft geopolitische Prämie
Auslöser der veränderten Marktstimmung war ein dreistündiges Treffen zwischen Unterhändlern der USA und des Iran am Rande der UN-Generaldebatte am Dienstag. Auf amerikanischer Seite nahmen der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Jared Kushner teil. Die New York Times berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, dass Irans Außenminister Abbas Araghtschi an den von Pakistan und Katar vermittelten Gesprächen beteiligt war.
Donald Trump bezeichnete die Zusammenkunft als sehr gut und produktiv, stellte ein formelles Abkommen allerdings erst für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen in Aussicht. Die iranische Delegation knüpfte ein Ende der Spannungen an konkrete Bedingungen.
Teheran forderte die Aufhebung der US-Seeblockade sowie die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und stellte im Gegenzug eine Öffnung der blockierten Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen in Aussicht. Die Aussicht auf eine Deeskalation dämpfte die Nachfrage nach Edelmetallen als sichere Häfen spürbar.
Zinserwartungen erhöhen den Druck
Neben der Entspannung an der diplomatischen Front belasten anhaltende Zinssorgen den Markt. Händler rechnen mit einer weiterhin straffen Geldpolitik. Nach Daten des FedWatch-Tools der CME Group preist der Terminmarkt eine Wahrscheinlichkeit von fast 89,2 Prozent für einen weiteren Zinsschritt im Dezember ein.
Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall und schränken den Spielraum für Käufer ein. Charttechnisch scheiterte der Silberpreis zuletzt im Bereich um 68 US-Dollar. Händler verweisen darauf, dass unterhalb dieser Schwelle zunächst eine Konsolidierung droht, sollte der Verkaufsdruck anhalten.
UBS und JPMorgan uneins über weiteres Kurspotenzial
Doch die Einschätzungen über den weiteren Verlauf gehen bei führenden Instituten weit auseinander.
Bei der UBS bleibt man für die mittelfristige Entwicklung optimistisch. Stratege Dominic Schnider sieht das Kursziel für Silber im Dezember 2026 bei 70 US-Dollar. Für das kommende Jahr prognostiziert die Schweizer Großbank weitere Zuwächse auf 75 US-Dollar im März sowie 80 US-Dollar je Feinunze bis zum September 2027.
Deutlich zurückhaltender positioniert sich dagegen JPMorgan. Die US-Bank kalkuliert für das Gesamtjahr 2026 zwar mit einem Durchschnittspreis von rund 70,60 US-Dollar, warnt jedoch vor einer Korrektur im vierten Quartal auf etwa 63 US-Dollar.
Für das Jahr 2027 stufte das Institut den erwarteten Jahresschnitt auf rund 63,90 US-Dollar je Unze ab. Solange die geopolitische Lage und die US-Zinspfade nicht endgültig geklärt sind, dürfte die Volatilität das Geschehen dominieren.
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