Silber bleibt am Mittwoch die Rohstoff-Story des Tages. Nach einem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen notiert das Edelmetall am Vormittag bei 66,15 US-Dollar, ein Plus von 2,24 Prozent.
Zuvor hatte der Silberpreis bereits die Marke von 65,27 Dollar überschritten, im weiteren Handelsverlauf kletterte er sogar auf 66,45 Dollar. Anleger richten den Blick auf anstehende US-Inflationsdaten, die als möglicher Katalysator für die weitere Richtung gelten.
Der Rebound der vergangenen Tage speist sich aus einer Mischung von strukturellen und kurzfristigen Faktoren. Ein anhaltendes Angebotsdefizit trifft auf eine robuste Industrienachfrage aus den Bereichen Solarindustrie, Künstliche Intelligenz und Elektromobilität.
Nach Angaben des Weltverbands für Silber steht 2026 bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt – die Lücke soll laut dieser Einschätzung 15 Prozent größer ausfallen als im Vorjahr, mit einem absoluten Defizit von 46,3 Millionen Unzen.
Analysten sehen weiteres Aufwärtspotenzial
Die Erwartungen an den Silberpreis gehen bei den Banken weit auseinander, doch die Tendenz zeigt überwiegend nach oben. Nach Angaben von Crux Investor sieht RBC Capital in seinem 2027er-Modell noch rund 25 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Rückgang auf 66 Dollar.
Die Schweizer Großbank UBS hat ihr Silberziel für das laufende Jahr zwar auf 80 Dollar gesenkt, bleibt damit aber weiterhin deutlich über dem heutigen Niveau. Die US-Bank Citigroup geht laut Medienberichten sogar von einem möglichen Anstieg auf 90 Dollar aus. Am oberen Ende der Prognosespanne stehen Schätzungen, die bis zu 150 Dollar für möglich halten.
Parallel zum Silberpreis zieht auch Gold weiter an. Der Goldpreis überschritt am Mittwoch die Marke von 4.400 Dollar und markierte mit 4.423,19 Dollar einen neuen Hochpunkt, ebenfalls im Vorfeld der US-Inflationsdaten.
Beobachter werten den Anstieg auch als Ausdruck von Misstrauen gegenüber der aktuellen US-Wirtschaftspolitik, während gleichzeitig die Kapitalmarktzinsen steigen. Für Silberanleger ist diese Goldstärke relevant, weil beide Edelmetalle historisch eng korrelieren und das Gold-Silber-Verhältnis Rückschlüsse auf eine mögliche Aufholjagd des Silberpreises zulässt.
Minensektor profitiert von der Rally
Der Silberboom strahlt spürbar auf den Minensektor aus. Produzenten wie First Majestic Silver gelten als direkte Nutznießer der höheren Preise, während kleinere Explorationsunternehmen wie Silver Hammer und Aftermath Silver als gehebelte Wetten auf die Preisentwicklung gehandelt werden.
Auch Unico Silver treibt sein Projekt Cerro León in Argentinien voran und hat im Juli die Akquisition des benachbarten La-Mata-Projekts abgeschlossen, das kanadische Analysehaus Canaccord Genuity bewertet die Aktie seit Mitte Juli mit einer Kaufempfehlung.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus strukturellem Defizit, steigender Industrienachfrage und geldpolitischer Unsicherheit der entscheidende Treiber. Die anstehenden US-Inflationsdaten dürften kurzfristig über das Tempo der Rally entscheiden, an der grundsätzlich bullishen Ausrichtung der meisten Analystenhäuser ändert das bislang wenig.
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