Silber hat eine harte Woche hinter sich. Erst half die Hoffnung auf Entspannung im US-chinesischen Zollstreit, dann trafen neue Inflationsdaten den Markt mit voller Wucht. Der Kernkonflikt ist klar: Die Angebotsstory lebt weiter, aber der Zinsdruck dominiert kurzfristig.
Am Freitag schloss Silber bei 76,34 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 10,53 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,60 Prozent.
Inflation kippt die Zinshoffnung
Der Wendepunkt kam mit den US-Verbraucherpreisen. Der April-CPI lag bei 3,8 Prozent und damit über der Prognose von 3,7 Prozent. Es war der höchste Wert seit Mai 2023.
Die Reaktion am Zinsmarkt fiel hart aus. Laut CME FedWatch sank die Chance auf eine Fed-Zinssenkung im Juni von rund 48 auf unter 8 Prozent. Der Markt preist den ersten Schritt nun eher für den Herbst ein.
Für Silber ist das ein Problem. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Steigen die Renditen oder bleiben die Zinsen länger hoch, verliert Silber im Vergleich zu verzinsten Anlagen an Reiz.
Auch die Preisdaten jenseits der Verbraucherpreise verschärften das Bild. US-Erzeuger-, Import- und Exportpreise stiegen im April so stark wie seit 2022 nicht mehr. Die Jahresinflation erreichte den höchsten Stand seit 2023, auch wegen des Iran-Kriegs und der geschlossenen Straße von Hormus.
UBS nimmt Defizitfantasie heraus
Neben der Geldpolitik drückte eine neue UBS-Einschätzung auf die Stimmung. Die Bank senkte ihre Prognose für das globale Silberdefizit von 300 Millionen Unzen auf 60 bis 70 Millionen Unzen. Das entspricht einem Rückgang von rund 80 Prozent.
Auch die Preisziele fielen. Das kurzfristige Ziel senkte UBS von 100 auf 85 US-Dollar. Für das Jahresende nennt die Bank nun 80 US-Dollar; für März 2027 sind es 75 US-Dollar.
Die Begründung trifft mehrere Säulen der Silberstory. UBS verweist auf schwächere Photovoltaik-Nachfrage, Abflüsse bei Anlageprodukten und ein steigendes Minenangebot. Damit verliert ein zentrales Argument der vergangenen Monate an Kraft.
Industrie bleibt der Gegenpol
Metals Focus erwartet für 2026 eine Photovoltaik-Nachfrage von rund 151 Millionen Unzen. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 186,6 Millionen Unzen. Der Grund: Hersteller sparen Silber je Modul, weil der Kostendruck steigt.
Auch andere Nachfragefelder schwächeln. Schmuck liegt 9 Prozent im Minus, Silberwaren sogar 17 Prozent. Das sind keine Randthemen, sondern echte Bremsfaktoren.
Trotzdem bleibt die industrielle Seite wichtig. Silber hat wegen seiner Leitfähigkeit in vielen Anwendungen kaum einen günstigen Ersatz. Elektrofahrzeuge, KI-Rechenzentren und moderne Mobilfunknetze können mittelfristig neue Nachfrage schaffen.
Das Gold-Silber-Ratio zeigt die aktuelle Einordnung. Es fiel binnen einer Woche von rund 62:1 auf 55:1. Aktuell liegt es wieder bei etwa 58. Silber handelt damit weniger wie ein sicherer Hafen und stärker wie ein zyklisches Industriemetall.
Am 16. und 17. Juni tagt die Fed. Der neue Dot Plot dürfte den nächsten Impuls liefern. Solange die Zinssenkungen nach hinten rücken, bleibt Silber anfällig; erst sinkender Inflationsdruck würde der strukturellen Defizitstory wieder mehr Gewicht geben.
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