Silber versucht sich zu fangen. Nach dem kräftigen Rückschlag der Vorwoche reicht eine technische Gegenbewegung aber noch nicht, um den Druck aus dem Markt zu nehmen. Der Kernkonflikt ist klar: Hohe US-Renditen und ein fester Dollar bremsen kurzfristig, während die Angebotslage längerfristig angespannt bleibt.
Am Mittwoch notiert Spot-Silber zeitweise bei 75,20 US-Dollar und liegt damit rund 2 Prozent im Plus. Zuvor war der Preis in der vergangenen Handelswoche um etwa 17 Prozent gefallen. Das erklärt, warum die Erholung zunächst eher nach Stabilisierung aussieht als nach neuer Stärke.
Zinsdruck bremst die Erholung
Der wichtigste Gegenwind kommt vom US-Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei 4,64 Prozent, die dreißigjährige Rendite erreicht 5,19 Prozent und damit einen der höchsten Stände seit Juli 2007. Für ein unverzinstes Edelmetall wie Silber ist das ein spürbarer Nachteil.
Der Mechanismus ist einfach. Steigen sichere Renditen, wird das Halten von Silber relativ unattraktiver. Hinzu kommt ein robuster US-Dollar: Der Dollar-Index hält sich nahe 99,33 Punkten und verteuert das Metall für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Auch die Zinserwartungen arbeiten gegen Silber. Händler rechnen wieder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mit einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank im Oktober. Das dürfte spannend werden, weil der Markt nach dem jüngsten Einbruch empfindlich auf jedes Signal der Fed reagiert.
Fundamentale Stütze bleibt intakt
Unter der kurzfristigen Nervosität liegt ein anderes Bild. Silber gewinnt in den USA als strategischer Rohstoff an Bedeutung, vor allem für Verteidigung, Elektronik und Solarenergie. Die hohe Importabhängigkeit macht heimische Explorationsprojekte interessanter.
Dabei geht es nicht nur um klassische Minenfantasie. Projekte wie „Silver King“ von Prismo Metals liegen nahe großen Liegenschaften von Rio Tinto und BHP und könnten vom Wunsch nach stabileren Lieferketten profitieren. Für den Gesamtmarkt zählt vor allem die Frage, wie schnell neues Angebot überhaupt verfügbar wird.
Global steuert Silber auf das sechste Defizitjahr in Folge zu. Die industrielle Nachfrage bleibt durch Elektrofahrzeuge, 5G-Netze und künstliche Intelligenz hoch, während das Angebot nur schleppend wächst. Diese Knappheit liefert dem Preis eine längerfristige Stütze, auch wenn sie kurzfristige Zinswellen nicht neutralisiert.
Analysten driften auseinander
Die UBS hat ihre Einschätzung deutlich vorsichtiger formuliert. Die Bank reduzierte ihre Defizitprognose für das laufende Jahr von rund 300 Millionen Unzen auf 60 bis 70 Millionen Unzen. Als Gründe nennt sie schwächere Photovoltaik-Nachfrage, Abflüsse aus Silber-Investments und ein etwas höheres Minenangebot.
Auch die Preisziele wurden gesenkt. Für das Ende des zweiten Quartals liegt die UBS nun bei 85 US-Dollar, zum Jahresende bei 80 US-Dollar. Für März 2027 erwartet die Bank 75 US-Dollar und damit eher eine Seitwärtsphase.
Andere Häuser bleiben optimistischer. Citigroup sieht in der zweiten Jahreshälfte Potenzial bis 110 US-Dollar. Bank of America rechnet für 2026 mit einem Durchschnittspreis von 85,93 US-Dollar, JPMorgan mit 81 US-Dollar.
Technisch bleibt Silber angeschlagen, solange der Preis unter den gleitenden Durchschnitten bei 76,60 US-Dollar und 81,28 US-Dollar handelt. Der nächste konkrete Impuls kommt am Mittwochabend mit den FOMC-Protokollen. Hinweise auf länger hohe Zinsen würden die Erholung belasten; ein weniger straffer Ton könnte den Stabilisierungsversuch untermauern.
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