Das straffe geldpolitische Umfeld belastet Silber: Die Tagesveränderung beträgt heute -2,6%. Das Rohstoffhaus Sucden Financial erwartet in seiner heutigen Einschätzung anhaltenden Druck auf Gold und Silber durch gestützte Dollar- und Renditeniveaus. Dem steht eine längerfristig positive Angebotsbewertung gegenüber. Die kurzfristige Belastung durch die Geldpolitik und die Erwartung physischer Knappheit weisen damit in unterschiedliche Richtungen.
Zinsausblick wichtiger als Stillstand
Sucden Financial richtet den Blick vor allem auf den Dezember-Ausblick der US-Notenbank. Dieser dürfte nach Einschätzung des Hauses wichtiger sein als der weithin erwartete Zinsstillstand. Für Silber zählt damit nicht allein die jüngste Entscheidung, sondern die Frage, wie restriktiv die Geldpolitik anschließend ausgerichtet bleibt.
Gestern ließ die Federal Reserve den Leitzinskorridor bei 3,75 % bis 4,00 %. Zwei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung. Reuters berichtete, dass die US-Renditen nach der Entscheidung erhöht blieben. Dieses Umfeld belastete zinslose Edelmetalle.
Die heutige Einschätzung von Sucden verlängert diesen Blick über die einzelne Zinssitzung hinaus. Eine straffe Fed-Orientierung könnte den Druck auf Silber demnach aufrechterhalten. Das ist eine makroökonomische Einordnung, keine neue Nachricht über das physische Silberangebot.
Inflationsdaten als nächster Bewertungsmaßstab
Für heute ist die Veröffentlichung der Septemberdaten zu persönlichen Einkommen und Ausgaben einschließlich des PCE-Preisindex angesetzt. Der Termin liegt laut dem Bureau of Economic Analysis bei 8:30 Uhr US-Ostküstenzeit. AP berichtete vor der Veröffentlichung über eine erwartete Inflationsrate von 3,6 % gegenüber dem Vorjahr.
Der PCE-Preisindex ist das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß. Damit steht ein Termin im Mittelpunkt, der die Einschätzung des weiteren Zinskurses beeinflussen kann. Die genannte Inflationsrate ist eine Prognose und kein veröffentlichtes Ergebnis.
Angebotsdefizit liefert ein anderes Zeitsignal
Auf längere Sicht fällt die Bewertung von UBS Global Wealth Management deutlich freundlicher aus. Medienberichten zufolge hielt das Haus am Sonntag an der Prognose fest, Silber könne bis September 2027 auf 80 US-Dollar je Unze steigen. Für 2026 erwartet UBS zudem das sechste globale Angebotsdefizit in Folge.
Diese Prognose widerspricht dem kurzfristigen Zinsdruck nicht zwangsläufig: Sie setzt einen anderen zeitlichen Schwerpunkt. Für Anleger sind deshalb zwei getrennte Maßstäbe entscheidend. Die Geldpolitik prägt das kurzfristige Umfeld, während die Defiziterwartung die längerfristige positive Einschätzung stützt. Eine Erholung bleibt dabei eine Prognose, keine aus dem erwarteten Angebotsdefizit bereits gesicherte Preisentwicklung.
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