Silber rutscht ab, obwohl im Nahen Osten Krisen eskalieren und die Ölpreise explodieren. Normalerweise treibt eine solche Lage den Silberpreis nach oben. Diesmal bremsen steigende US-Zinsen und ein starker Dollar den Ausbruch über die Marke von 60 US-Dollar.
Geopolitik liefert nur einen Teilschutz
Am Roten Meer droht eine Blockade. Berichten zufolge planen die Houthi-Rebellen ein umfassendes Seeembargo gegen Saudi-Arabien. Quellen melden zudem Angriffe auf Energie-Terminals an der russischen Schwarzmeerküste. Betroffen sind auch Anlagen des Caspian Pipeline Consortiums.
Die Ölpreise für Brent und WTI schossen am Donnerstag um mehr als sieben Prozent nach oben. Silber gilt traditionell als Absicherung gegen solche Energiepreisschocks. Der Impuls reichte trotzdem nicht aus, um den Silberpreis stabil über 60 US-Dollar pro Feinunze zu halten.
Zinsen und EZB bremsen die Rally
Am Rentenmarkt wächst der Gegenwind. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,714 Prozent. Grund dafür sind überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten.
Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 187.000. Das schränkt den Spielraum der US-Notenbank für baldige Zinssenkungen ein. Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität von Silber, das selbst keine Erträge abwirft.
Die EZB hält ihren Leitzins bei 2,25 Prozent stabil. Die begleitenden Kommentare fielen laut Marktteilnehmern weniger locker aus als erwartet. Steigen Realrenditen und Dollar gemeinsam, verliert Silber gegenüber verzinsten Anlagen an Reiz.
Solarindustrie spart an Silber
Trotz der Kursschwäche bleibt die Angebotslage angespannt. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Jahr in Folge mit einem Marktdefizit. Die Lücke soll bei 46,3 Millionen Unzen liegen.
Auf der Nachfrageseite zeigen sich jedoch erste Risse. Analysten von Metals Focus rechnen für 2026 mit einem Rückgang der Silberverarbeitung um rund drei Prozent. Der Hauptgrund liegt im Solarsektor.
Hersteller von Solarmodulen setzen verstärkt auf sogenanntes Thrifting. Sie reduzieren den Silberanteil pro Zelle oder ersetzen das Metall durch günstigere Alternativen. Dadurch koppelt sich der Silberverbrauch zunehmend von den weltweit wachsenden Solarinstallationen ab.
Charttechnik zeigt Unentschlossenheit
Am Donnerstag notierte die Feinunze Silber zeitweise bei rund 58,84 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von etwa 1,7 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf dem Tageschart bildete sich zudem ein Doji-Muster.
Dieses Muster signalisiert hohe Unentschlossenheit im Markt. Die Zone um 57 US-Dollar dient als kurzfristige Unterstützung. Der Bereich zwischen 59,95 und 60,75 US-Dollar bleibt ein massiver Widerstand.
Käufer sind an dieser Marke bereits mehrfach gescheitert. Erst ein nachhaltiger Sprung über 60,75 US-Dollar würde den Weg zu neuen Höchstständen öffnen. Solange die Zinsdaten die Notenbanken zur Vorsicht mahnen, bleibt der Widerstand intakt.
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