Silber bleibt der volatilste Rohstoff des Sommers. Nach einem heftigen Ausschlag in Richtung 87 Dollar je Feinunze in London kam der Preis wieder zurück – Anleger sortieren gerade neu, ob der jüngste Sprung fundamental getragen ist oder nur ein kurzfristiger Ausreißer war. Am Freitag schloss Silber bei 64,83 US-Dollar, ein Plus von 0,3 Prozent zum Vortag, nach einem Zuwachs von 12 Prozent binnen 30 Tagen.
Peru als Auslöser der jüngsten Preisspitze
Der Auslöser der Rally lag in Südamerika: Peru rief wegen einer Energiekrise einen Notstand aus, der die Silberproduktion im Land direkt bedroht. Da Peru zu den bedeutendsten Förderländern zählt, reagierten die Terminmärkte in Shanghai und an der COMEX prompt – dort kletterten die Notierungen zeitweise deutlich, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten.
Institutionelle Beobachter warnen inzwischen vor einer sogenannten „Pulsfalle“: Ein kurzer Angebotsschock treibt den Preis nach oben, doch sobald sich die Lage in Peru stabilisiert, drohen ebenso schnelle Rückschläge.
Diese Nervosität passt zu einem Markt, der ohnehin unter strukturellem Druck steht. Die World Silver Association rechnet für 2026 bereits mit dem sechsten Defizitjahr in Folge, wobei sich die Angebotslücke gegenüber 2025 um etwa 15 Prozent ausweiten soll.
Gleichzeitig hat die Nachfrage aus der Solarindustrie durch fortschreitende „Entsilberung“ – also den sparsameren Materialeinsatz pro Panel – um rund 19 Prozent nachgegeben. Das dämpft zwar einen Teil des Nachfragedrucks, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Verknappung auf der Angebotsseite.
Analysten uneins über die Preisrichtung
Die Schweizer Großbank UBS hat ihr Kursziel für Silber zum Jahresende 2026 auf 80 US-Dollar gesenkt – ein deutlicher Rückschritt gegenüber früheren, deutlich optimistischeren Prognosen desselben Hauses. Das signalisiert, dass selbst Institute mit strukturell positivem Blick auf das Metall die kurzfristige Volatilität und mögliche Rücksetzer einpreisen.
Das Gold-Silber-Verhältnis ist zuletzt unter die Marke von 55 gefallen, was Silber im historischen Vergleich zu Gold relativ teuer erscheinen lässt und Analysten zu größerer Vorsicht mahnt.
Überlagert wird das Silbergeschehen derzeit von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Die Zuspitzung um die Straße von Hormus, verschärfte Töne zwischen Washington und Teheran sowie steigende Ölpreise sorgen für zusätzliche Nervosität an den Edelmetallmärkten, auch wenn Silber davon zeitweise anders reagiert als Gold, das zeitgleich unter Druck geriet.
Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten
Mit einem Plus von 70 Prozent auf Zwölfmonatssicht hat sich Silber trotz der jüngsten Rücksetzer als eines der stärksten Rohstoffsegmente des Jahres etabliert – auch wenn der Kurs seit Jahresbeginn noch im Minus liegt. Die entscheidende Frage für die kommenden Wochen ist, ob sich die Versorgungslage in Peru wieder normalisiert oder der Ausnahmezustand anhält.
Bleibt der Notstand bestehen, dürfte das strukturelle Defizit am Silbermarkt weiter zunehmen und die Preisbasis stützen. Löst sich die Lage schnell auf, könnte der jüngste Kurssprung tatsächlich als kurzlebige „Pulsfalle“ in die Geschichte eingehen.
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