Silber notiert am Wochenende bei 64,83 US-Dollar und hat damit einen Teil der scharfen Verluste der vergangenen Monate wieder aufgeholt. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Plus von 12 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich der Markt nach den heftigen Kurskapriolen des Frühjahrs wieder stabilisiert.
Seit Jahresbeginn liegt das Edelmetall dennoch mit 8,2 Prozent im Minus, ein Beleg dafür, wie tief der Einbruch von den Rekordständen zu Jahresbeginn tatsächlich war.
Vom Rekordhoch in die Korrektur
Die Ausgangslage war spektakulär: Im Januar erreichte Silber ein Zwölfmonatshoch von 121,78 US-Dollar je Feinunze. Es folgte einer der schärfsten Abverkäufe der jüngeren Geschichte des Metalls.
Mitte Mai brach der Preis binnen weniger Handelstage um teils mehr als 10 Prozent ein, fiel unter die Marke von 80 Dollar und rutschte im Zuge steigender US-Anleiherenditen sowie eines festeren Dollars weiter ab.
Ende Juni gab der Kurs erneut kräftig nach und durchbrach die Marke von 62 Dollar. Mehrere chinesische Banken reagierten auf die Turbulenzen mit einer Anhebung der Sicherheitsleistungen für Gold- und Silbergeschäfte, um die Volatilität an den heimischen Terminmärkten einzudämmen.
Ausgelöst wurde die Verkaufswelle im Mai auch durch Sorgen vor anhaltend hohen Zinsen: Steigende US-Anleiherenditen und ein festerer Dollar belasteten Edelmetalle insgesamt, während gleichzeitig eine Energiekrise in Peru kurzzeitig Angebotssorgen schürte und den Preis vorübergehend auf über 87 Dollar trieb, bevor sich die Rally als kurzlebig erwies.
Der Weltsilberverband bezifferte das globale Angebotsdefizit für 2026 auf rund 46,3 Millionen Unzen und sprach vom sechsten Jahr in Folge mit einer strukturellen Unterversorgung.
Schmuckindustrie stellt sich um
Auf der Nachfrageseite zeichnet sich eine bemerkenswerte Reaktion ab: Der dänische Schmuckkonzern Pandora kündigte an, seinen Silberanteil in Schmuckstücken bis 2027 auf nur noch rund 20 Prozent zu senken und stattdessen verstärkt auf platinierte Legierungen zu setzen. Mindestens die Hälfte des Silberschmucks soll bis dahin umgestellt werden.
Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben bereits 90 bis 100 Prozent seines Silberbedarfs für 2027 zu einem Preis von rund 65 Dollar je Unze gesichert, meldete einen über den Erwartungen liegenden Quartalsgewinn und erhöhte die Dividende um 10 Prozent, stoppte im Gegenzug aber die Aktienrückkäufe.
Analystenmeinungen bleiben gespalten
Die Einschätzungen zur weiteren Preisentwicklung gehen weit auseinander. Während UBS-Analysten aufgrund einer schwächeren Nachfrage aus der Photovoltaikindustrie ihr Jahresendziel für 2026 auf 80 Dollar zurücknahmen, hält die Schweizer Bank Saxo Bank eine Rückkehr zu den historischen Höchstständen für unwahrscheinlich.
Charttechnisch gilt die Marke von 60 Dollar als wichtige Unterstützung – ein Bruch dieser Zone könnte laut Marktbeobachtern erneuten Verkaufsdruck auslösen, während die 200-Tage-Linie als Widerstand fungiert.
Für Anleger bleibt Silber damit ein Metall mit zwei Gesichtern: Einerseits stützt das strukturelle Angebotsdefizit die langfristige Preisbasis, andererseits sorgen Zinssorgen und die schleichende Substitution durch die Schmuckindustrie für erhebliche Unsicherheit auf kürzere Sicht.
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