Höhere Ölpreise und wachsende Zinssorgen haben Silber gestern belastet. Der Handelstag endete mit einer Veränderung von -6,3%. Reuters zufolge verstärkten robuste US-Inflationsdaten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen der Federal Reserve. Gleichzeitig geriet das Edelmetall durch einen technologiegetriebenen Aktienausverkauf unter Druck. Damit trafen geldpolitische Belastungen auf eine nachlassende Anspannung am physischen Silbermarkt.
Ölpreise verstärken den Zinsdruck
Reuters nannte die höheren Ölpreise ausdrücklich als einen Belastungsfaktor für Edelmetalle. Zusammen mit den Inflationsdaten stärkten sie die Erwartung, dass die US-Notenbank ihre Zinsen weiter anheben könnte. Der Verkaufsdruck beschränkte sich damit nicht auf eine silberspezifische Nachricht.
Hinzu kam laut Reuters-Quellen der Ausverkauf bei Technologieaktien. Für die Einordnung des Rückgangs ist dieses Zusammenspiel entscheidend: Silber stand sowohl unter dem Einfluss veränderter Zinserwartungen als auch unter dem Druck des Aktienmarktes. Der Preisrutsch lässt sich deshalb nicht allein mit der physischen Nachfrage erklären.
Die Federal Reserve hatte den Leitzins am Mittwoch bei 3,75 % bis 4,00 % belassen. Zwei Entscheidungsträger sprachen sich allerdings für eine sofortige Erhöhung um 25 Basispunkte aus.
Der unveränderte Leitzins bedeutete somit keine einheitliche Haltung innerhalb der Notenbank. Die Stimmen für eine Anhebung bilden einen wichtigen Hintergrund für die von Reuters beschriebenen Zinssorgen.
Mehr verfügbares Silber in London
Parallel dazu deutet die gestern berichtete Einschätzung von Metals Focus auf eine Entspannung der physischen Versorgung hin. Das Institut verwies auf nachlassende Marktanspannung und schwächere Nachfrage. Damit liefert die Angebots- und Nachfrageseite keinen eindeutigen Gegenpol zu den Belastungen aus dem Finanzmarkt.
Ende September lagen die Silberbestände in Londoner Tresoren bei 932 Millionen Feinunzen. Das war der höchste Stand seit fast vier Jahren. Ohne die Bestände physisch besicherter ETPs waren dem Bericht zufolge rund 267 Millionen Feinunzen verfügbar.
Die Unterscheidung ist für Anleger wesentlich: Der gesamte Tresorbestand und die ohne ETP-Bestände verfügbare Menge beschreiben unterschiedliche Größen. Beide Angaben gehören zur Einordnung der physischen Versorgung.
Defizit dürfte weiter schrumpfen
Metals Focus erwartete ein weiter schrumpfendes globales Silbermarktdefizit für 2026 und einen Überschuss für 2027. Dabei handelt es sich um eine Prognose, nicht um eine bereits eingetretene Überversorgung.
Für Silber ergibt sich daraus eine doppelte Belastung: Kurzfristig dominierten gestern Zinssorgen und marktübergreifender Verkaufsdruck. Zugleich spricht die Einschätzung von Metals Focus gegen die Annahme einer zunehmend angespannten physischen Versorgung als verlässliche Preisstütze.
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