Am Edelmetallmarkt dominieren vor den anstehenden geldpolitischen Entscheidungen in den USA defensive Töne. Laut Reuters gab der Spotpreis für Silber am heutigen Dienstag um 0,7 Prozent auf 56,69 US-Dollar je Feinunze nach. Anleger wägen kurz vor der nächsten Zusammenkunft der US-Notenbank Federal Reserve die Zinsaussichten ab, während makroökonomische Daten das Sentiment dämpfen.
Bereits am vergangenen Freitag hatte der COMEX-Front-Month-Kontrakt bei 57,13 US-Dollar je Feinunze geschlossen. Auf Sicht der vergangenen 30 Tage summiert sich das Minus im Terminhandel auf 14 Prozent.
Ungewissheit vor dem Zinsentscheid
Die nächste Sitzung der Federal Reserve ist für den 27. und 28. Oktober angesetzt. Am Markt sorgt die künftige Zinsausrichtung für Zurückhaltung. Nach jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Kevin Warsh, die keine konkreten Hinweise auf den bevorstehenden Beschluss enthielten, sank die an den Terminmärkten abgeleitete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung Medienberichten zufolge auf rund 16,1 Prozent.
Noch Mitte vergangener Woche hatten Inflationsdaten die Zinssorgen spürbar geschürt. Im September stieg die US-Verbraucherpreisinflation auf Jahressicht um 3,7 Prozent, während die Kerninflation im Monatsvergleich bei 0,3 Prozent lag. Vor allem die über den Erwartungen liegende Gesamtteuerung hatte die Furcht vor einer strafferen Gangart der Notenbanker zeitweise angeheizt und zu deutlichen Verkäufen an den Terminmärkten geführt.
Physische Verknappung stützt im Hintergrund
Trotz des jüngsten Zinsdrucks bleibt das fundamentale Angebotsumfeld auf der physischen Seite angespannt. Das Brancheninstitut Metals Focus rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem weltweiten Angebotsdefizit von rund 46,3 Millionen Unzen, nachdem die Unterdeckung im Vorjahr noch bei 40,3 Millionen Unzen gelegen hatte. Damit steuert der Silbermarkt auf das sechste jährliche Defizit in Folge zu.
Verstärkt werden diese strukturellen Engpässe durch Produktionsausfälle bei wichtigen Förderern. Vor rund zwei Wochen traten rund 800 Beschäftigte der San-Dimas-Mine in Mexiko in den Streik.
Bei der von First Majestic Silver betriebenen Mine war die Silberförderung bereits im dritten Quartal laut Unternehmensangaben im Jahresvergleich um 41 Prozent eingebrochen. Bis zur geldpolitischen Weichenstellung der Notenbank nächste Woche bestimmen jedoch vor allem Zinstrends das Handelsgeschehen.
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