Silber hat am Freitag mit einem zeitweisen Anstieg auf 69,94 US-Dollar je Feinunze für Aufsehen gesorgt und damit die psychologisch wichtige Marke von 70 US-Dollar in Reichweite gebracht. Auslöser war die Ankündigung des US-Finanzministeriums vom 19. August, Rückkäufe langlaufender Anleihen mindestens zu verdoppeln. Zum Handelsschluss stand das Edelmetall bei 69,01 US-Dollar, ein Tagesplus von 1,3 Prozent.
Die Bewegung reiht sich in einen kräftigen Aufwärtstrend der vergangenen Wochen ein. Über sieben Tage summierte sich das Plus auf 6,5 Prozent, über 30 Tage sogar auf 15 Prozent – ein Tempo, das den Silberpreis binnen weniger Wochen aus einer Konsolidierungsphase auf ein neues Zwischenhoch katapultiert hat.
Vom Konsolidierungstief zum Rekordlauf
Der Weg dorthin verlief nicht geradlinig. Anfang August pendelte der Preis noch zwischen 63 und 66 US-Dollar. Am 9. August beendete Silber die Handelswoche knapp oberhalb von 63 US-Dollar, ehe US-Inflationsdaten für Bewegung sorgten.
Die für Juli gemeldete Verbraucherinflation von 3,4 Prozent im Jahresvergleich trieb den Preis am 12. August auf ein Acht-Wochen-Hoch von rund 66 US-Dollar, da Marktteilnehmer daraus stabile bis moderate Fed-Zinsen ableiteten.
Danach folgte ein Rücksetzer: Gewinnmitnahmen und neu bewertete geldpolitische Aussichten drückten den Preis am 14. August unter 64 US-Dollar. In der Woche vom 10. bis 14. August konsolidierte Silber zunächst und legte per Saldo von 63,56 auf 64,69 US-Dollar zu, ein Wochenplus von 1,8 Prozent. Am 18. August rutschte der Preis noch einmal auf 64,97 US-Dollar ab, ehe die Ankündigung der Anleiherückkäufe die entscheidende Wende brachte.
Angebotsdefizit als struktureller Unterbau
Neben dem kurzfristigen Treiber der US-Fiskalpolitik verweisen Marktbeobachter auf strukturelle Angebotsengpässe als längerfristige Stütze. Reuters zitierte am 20. August einen Spotpreis von rund 66,63 US-Dollar je Unze und verwies dabei ausdrücklich auf anhaltende Knappheit am physischen Markt.
Für 2026 wird laut einer Marktanalyse erneut ein Angebotsdefizit erwartet – bereits das sechste in Folge. Diese strukturelle Komponente unterscheidet die aktuelle Rally von rein spekulativen Kursausschlägen und erklärt, warum Rücksetzer bislang vergleichsweise schnell aufgekauft wurden.
Auch Euronews bestätigte am 20. August den Aufwärtstrend im August und führte ihn auf Sorgen über die US-Schuldenmärkte zurück, die Anleger verstärkt in Edelmetalle treibe. Der Silberpreis lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 66 US-Dollar.
Ausblick: Volatilität bleibt hoch
Trotz des kräftigen Anstiegs bleibt der Silberpreis seit Jahresbeginn mit minus 2,3 Prozent im Minus – ein Hinweis darauf, wie turbulent das laufende Jahr für das Edelmetall verlaufen ist. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 37 Prozent unterstreicht, dass größere Kursausschläge in beide Richtungen weiterhin wahrscheinlich sind.
Für Anleger bleibt damit entscheidend, ob die fiskalpolitische Unterstützung durch die Anleiherückkäufe und die strukturelle Angebotsknappheit ausreichen, um den Vorstoß über die 70-Dollar-Marke nachhaltig zu bestätigen.
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