Der Silberpreis ist am Freitag deutlich zurückgefallen: Der Kurs schloss bei 57,90 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 3,54 Prozent. Damit rückt die runde Marke von 60 Dollar, die Analysten zuletzt als Widerstand ausgemacht hatten, wieder in weitere Ferne. Zum bisherigen Jahreshoch von 121,78 US-Dollar, das Ende Januar erreicht wurde, beträgt der Abstand mittlerweile 52,46 Prozent.
Der Rückschlag kommt trotz einer fundamental angespannten Angebotslage. Nach aktuellen Marktdaten weist der globale Silbermarkt ein Defizit von 46 Millionen Unzen aus – Nachfrage und Minenproduktion klaffen also spürbar auseinander. Parallel dazu gilt Silber als Schlüsselrohstoff der Solarwende, doch gerade dieser industrielle Nachfragetreiber stand zuletzt unter Preisdruck, wie Beobachter des Solarsektors festhielten. Die Kombination aus strukturellem Defizit und schwächelndem Kurs wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, erklärt sich aber aus der Nervosität der Finanzmärkte vor der US-Zinsentscheidung der Fed, die für den 29. Juli erwartet wird.
Produzenten profitieren von hohen Metallpreisen
Während der Kurs schwankt, melden Silberproduzenten weiterhin kräftige Gewinnsprünge. Der kanadische Bergbaukonzern Teck steigerte den Bruttogewinn seiner Trail-Hütte im zweiten Quartal von 42 auf 202 Millionen US-Dollar. Neben Kupfer- und Zinkpreisen, die um 40 beziehungsweise 31 Prozent zulegten, trugen auch höhere Silber- und Germaniumpreise zu dem Sprung bei. Der Konzerngewinn von Teck insgesamt kletterte im gleichen Zeitraum von 206 auf 854 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen plant nun Investitionen von bis zu 850 Millionen US-Dollar in den Standort Trail.
Auch der indische Zinkkonzern Hindustan Zinc baut sein Silbergeschäft massiv aus. Silber trug im jüngsten Quartal fast die Hälfte zum Ebitda bei, das sich im Jahresvergleich verdoppelte. Der Umsatz legte um 77 Prozent zu, der Nettogewinn stieg um 145 Prozent. Firmenchef Arun Misra rechnet nach eigenen Angaben mit einem Silberpreis von bis zu 100 US-Dollar je Unze und treibt den Ausbau der konzerneigenen Silberproduktion entsprechend voran.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Die technische Verfassung des Edelmetalls gibt derzeit wenig Anlass für Optimismus. Der Kurs notiert klar unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, und auch kurzfristige Erholungsversuche der vergangenen Handelswoche konnten die grundlegende Schwäche seit Jahresbeginn nicht ausgleichen. Marktbeobachter verweisen zudem auf die bevorstehende Fed-Sitzung als möglichen Katalysator für die nächste größere Kursbewegung – steigende Realzinsen würden zinslose Anlagen wie Silber tendenziell belasten, ein rascherer Zinssenkungspfad könnte dagegen neuen Rückenwind liefern.
Kleinere Explorationsunternehmen wie Regency Silver und Silver Range Resources meldeten zuletzt zwar vielversprechende Bohrergebnisse an nordamerikanischen Gold-Silber-Kupfer-Projekten, für die kurzfristige Preisbildung am Weltmarkt spielen solche Einzelmeldungen aber eine untergeordnete Rolle. Entscheidend bleibt für Anleger das Zusammenspiel aus physischem Defizit, industrieller Nachfrage aus dem Solarsektor und der geldpolitischen Richtung der US-Notenbank in den kommenden Handelstagen.
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