Der Silberpreis rutscht am Mittwoch deutlich ab. Die Feinunze notiert bei 57,19 US-Dollar. Das sind knapp zwei Prozent weniger als noch am Vortag. Grund ist die Zinsentscheidung der US-Notenbank, die am Abend ansteht.
Neuer Fed-Chef bricht mit alten Regeln
Im Zentrum steht die Sitzung des Offenmarktausschusses unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Seit seinem Amtsantritt hat Warsh die bisherige Praxis der „Forward Guidance“ beendet. Die Fed kündigt ihre Schritte nicht mehr Monate im Voraus an. Das erhöht die Schwankungen bei zinslosen Anlagen wie Silber.
Laut Daten von IG UK erwarten Marktteilnehmer zu 62 Prozent, dass die Fed den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Die Überzeugung dahinter ist allerdings so gering wie selten zuvor. Frank Flight, Chef-Makrostratege bei Citadel Securities, hat seine Prognose kurz vor der Entscheidung geändert. Er rechnet nun mit einer überraschenden Zinsanhebung um 25 Basispunkte.
Ein solcher Schritt würde den Dollar stärken. Silber könnte dann unter die psychologisch wichtige Marke von 55 Dollar fallen.
Angebot bleibt knapp, Nachfrage wächst
Trotz der kurzfristigen Nervosität bleibt der physische Markt angespannt. Analysten von Swiss Resource Capital rechnen für 2026 mit dem sechsten Defizitjahr in Folge. Etwa 70 Prozent der weltweiten Silberförderung fällt nur als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Blei und Zink an. Das Angebot kann deshalb kaum schnell auf steigende Nachfrage reagieren.
Die Solarindustrie senkt zwar den Silberverbrauch pro Zelle durch effizientere Zellen. Der Ausbau von KI-Infrastruktur gleicht diesen Rückgang aber teilweise aus. Hochleistungschips und Rechenzentren brauchen wegen der hohen Leitfähigkeit des Metalls große Mengen Silber.
Ein weiterer Indikator stützt die fundamentale Sicht: Das Gold-Silber-Verhältnis liegt aktuell bei etwa 69. Historisch gilt Silber im Vergleich zu Gold damit weiterhin als unterbewertet.
Die Marken für den Handelstag
Charttechnisch befindet sich Silber in einer Konsolidierungsphase. Kitco sieht eine wichtige Unterstützung bei 55,00 US-Dollar je Feinunze. Fällt diese Marke nach einer restriktiven Fed-Entscheidung, drohen Anschlussverkäufe bis in Richtung 50 Dollar.
Auf der Oberseite liegt die entscheidende Widerstandszone zwischen 58,53 und 59,44 US-Dollar. Nur ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau würde den Weg zur 60-Dollar-Marke öffnen.
Die Pressekonferenz von Kevin Warsh findet am Mittwochabend statt. Sie dürfte den Kurstrend für den Rest der Handelswoche vorgeben.
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