Der Silberpreis gerät unter Druck von zwei Seiten zugleich: geopolitischer Eskalation in Nahost und wachsenden Zinserhöhungserwartungen der US-Notenbank. Am Donnerstag schloss die Feinunze bei 64,09 US-Dollar, ein Minus von 5,6 Prozent binnen eines Handelstages.
Auslöser der jüngsten Verwerfungen war ein Angriff von US-Truppen auf eine Insel in der Straße von Hormuz, auf den der Iran mit Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien reagierte.
Die Eskalation trieb die Ölpreise nach oben und schürte damit neue Inflationssorgen. An den Terminmärkten preisen Investoren dem CME FedWatch Tool zufolge inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 69,4 Prozent für eine Zinserhöhung der Federal Reserve in der kommenden Woche ein.
Fed-Chef Warsh signalisiert Entschlossenheit
Verstärkt wurde die Nervosität durch Äußerungen von Fed-Chef Warsh, der erklärte, es liege noch „Arbeit“ im Kampf gegen die Inflation vor an. Für Edelmetalle ist das Gift: Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des Haltens von zinslosen Anlagen wie Silber und Gold, was Kapital aus dem Sektor abzieht.
Die Fed-Ratssitzung beginnt am 16. September, zuvor stehen an diesem Wochenbeginn noch aktuelle Verbraucherpreisdaten (CPI) an. Beide Termine dürften die kurzfristige Richtung des Silberpreises maßgeblich bestimmen, da sie direkten Einfluss auf die Zinserwartungen haben.
Bemerkenswert ist, dass sich der Silberpreis trotz des Kursrutsches am 50-Tage-Durchschnitt von 63,15 US-Dollar hält, der Abstand beträgt lediglich 1,5 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die kurzfristige Handelsdynamik trotz der geopolitischen Schockwellen noch nicht vollständig gebrochen ist – die Verkaufswelle bleibt bislang im Rahmen einer Konsolidierung statt eines Trendbruchs.
Physischer Markt bleibt angespannt
Abseits der Makro-Getriebenheit zeigt der physische Markt weiterhin Spannungen. Die COMEX-Lagerbestände lagen Anfang September bei 338,1 Millionen Feinunzen, davon nur 99,4 Millionen als sogenannte „registered“-Bestände, die tatsächlich für Lieferungen zur Verfügung stehen.
Zu Monatsbeginn wurden zudem 4.904 Futures-Kontrakte gestellt beziehungsweise angenommen, was rund 24,5 Millionen Unzen physischem Silber entspricht – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach echtem Metall trotz der Preisschwäche an den Terminmärkten ungebrochen bleibt.
Diese Diskrepanz zwischen Papier- und Physischmarkt ist für Marktbeobachter ein wiederkehrendes Muster: Während spekulative Positionen auf Zinserwartungen reagieren, bleibt die strukturelle Nachfrage aus Industrie und Anlegern nach dem eigentlichen Metall robust.
Der Dezember-Kontrakt dominiert das offene Interesse mit über 86.000 Positionen bei einem Gesamtvolumen von rund 104.400 Kontrakten – ein Indiz für erhöhte Positionierung im Vorfeld der Fed-Entscheidung.
Für die kommende Woche dürfte entscheidend sein, wie die Verbraucherpreisdaten ausfallen und ob die Fed dem eingepreisten Zinsschritt tatsächlich folgt. Bestätigt sich das Szenario, könnte der Druck auf Silber kurzfristig anhalten. Fällt die Zinserhöhung dagegen moderater aus als erwartet, wäre eine schnelle Gegenbewegung denkbar.
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