Silber steht vor den heutigen Verbraucherpreisdaten unter Druck. Der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 64,09 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 5,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Auslöser sind steigende Erwartungen an eine straffere Fed-Geldpolitik, die Edelmetalle grundsätzlich unattraktiver machen.
Zinsfantasie treibt Verkäufe
Laut Daten des CME FedWatch-Tools rechnen mittlerweile 69,4 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank in der kommenden Woche – am Vortag waren es noch 62,2 Prozent. Diese Verschiebung hat unmittelbare Folgen für zinslos gehaltene Edelmetalle wie Silber.
Verstärkt wird der Druck durch steigende Ölpreise: Nach US-Angriffen auf eine Insel in der Straße von Hormuz und iranischen Gegenangriffen Anfang September zogen die Energiepreise an, was Inflationssorgen schürt und die Argumente für eine restriktivere Fed-Politik untermauert.
Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hatte bereits Anfang September eine hawkishe Linie signalisiert. Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf zwei Datenpunkte: den heute erwarteten Erzeugerpreisindex und die morgen anstehenden Verbraucherpreisdaten. Beide gelten als letzte wichtige Wegmarken vor der Fed-Ratssitzung, die am Dienstag beginnt.
Nachfrageseite verschiebt sich
Während die Zinsdebatte kurzfristig den Kurs bewegt, deutet sich auf der Nachfrageseite ein struktureller Wandel an. Für 2026 rechnet das Silver Institute mit einem Rückgang der Industrienachfrage um 2 Prozent auf 650 Millionen Unzen – ein Vierjahrestief. Grund ist vor allem die Photovoltaik-Industrie, die den Silbergehalt pro Solarmodul aggressiv reduziert.
Gegenläufig entwickelt sich die Investmentnachfrage: Sie soll um 20 Prozent auf 227 Millionen Unzen steigen, den höchsten Stand seit drei Jahren. Westliche Privatanleger kaufen demnach nach drei Jahren rückläufiger Nachfrage wieder verstärkt physisches Silber.
Ein möglicher künftiger Nachfragetreiber kommt aus der Batterietechnologie. Samsung SDI arbeitet an Festkörperbatterien, bei denen laut Unternehmensangaben jede Zelle rund 5 Gramm Silber enthält – bei einer 100-kWh-Fahrzeugbatterie summiert sich das auf etwa ein Kilogramm, ein Vielfaches des Bedarfs klassischer Lithium-Ionen-Zellen. Die Pilotproduktion läuft bereits, eine Massenfertigung wird für 2027 angestrebt.
Regulatorische Eingriffe in Indien
Zusätzliche Verwerfungen liefert Indien. Im Mai wurde die Silbereinfuhr unter Lizenzpflicht gestellt, woraufhin die Importe um mehr als 90 Prozent einbrachen und der Inlandspreis ein zweistelliges Aufgeld gegenüber dem Weltmarktpreis erreichte.
Bereits zum 1. April hatte Indien Gold-, Silber- und Platinschmuck von freiem auf beschränkten Import umgestuft, wovon der Investmentmarkt für physisches Silber laut Angaben der indischen Außenhandelsbehörde DGFT jedoch unberührt blieb.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Kurzfristig dominiert die Zinsdebatte vor den heutigen und morgigen US-Daten, während strukturelle Nachfrageverschiebungen – weg von der Photovoltaik, hin zu Investment und potenziell neuen Batterietechnologien – die mittelfristige Richtung mitbestimmen dürften. Die Marktreaktion auf die heutigen Erzeugerpreise und die morgigen Verbraucherpreise wird zeigen, ob sich die Zinserwartungen weiter verfestigen.
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