Ein Aufatmen nach einem brutalen Monat. Der Silberpreis schloss den Freitag mit einem Plus von 3,15 Prozent bei 59,69 US-Dollar je Feinunze — ausgelöst durch schwächer als erwartete US-Inflationsdaten. Dennoch beendete das Metall den Juni mit einem Minus von rund 20 Prozent.
Geldpolitik als Hauptbelastung
Der PCE-Index für Mai stieg um 0,4 Prozent monatlich. Erwartet worden waren 0,5 Prozent. Das reichte, um Zinserhöhungssorgen kurzfristig zu dämpfen und dem Silberpreis Luft zu verschaffen.
Der Druck bleibt aber strukturell. Mitte Juni prognostizierten neun von achtzehn Fed-Mitgliedern mindestens eine weitere Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Die Fed hob ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 auf 3,6 Prozent an. Fed-Chef Kevin Warsh bekannte sich in seiner ersten Pressekonferenz klar zur Preisstabilität. Das CME FedWatch Tool sieht die Wahrscheinlichkeit einer September-Erhöhung aktuell bei 61 Prozent. Die Deutsche Bank rechnet sogar mit zwei weiteren Schritten — im September und im Dezember.
Für Silber ist das ein Problem. Das zinslose Metall verliert in einem Umfeld steigender Zinsen und einem starken Dollar an Attraktivität. Internationale Käufer zahlen mehr für denselben Rohstoff.
Angebotsdefizit wächst — trotzdem kein Preisschutz
Die fundamentale Seite erzählt eine andere Geschichte. Das Silver Institute prognostiziert für 2026 das sechste aufeinanderfolgende Angebotsdefizit. Es soll auf 46,3 Millionen Unzen wachsen — ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die COMEX-Bestände sind von 531 Millionen Unzen im Oktober 2025 auf rund 315 Millionen Unzen gefallen.
Das Angebot reagiert kaum auf Preissignale. Ein Großteil des Silbers entsteht als Nebenprodukt beim Abbau von Basismetallen. Fällt der Silberpreis, produzieren Minen trotzdem weiter — weil das Hauptprodukt die Rechnung bezahlt.
Auf der Nachfrageseite gibt es eine Unsicherheit: Solarinstallationen wachsen weltweit. Allerdings könnten Materialeinsparungen und Substitution den Silberbedarf je Modul reduzieren.
Charttechnik: Wenig Spielraum nach unten
Charttechnisch markierte Silber vergangene Woche ein lokales Tief bei 55,62 US-Dollar. Unterstützung liegt bei 56,82 und 55,29 US-Dollar. Auf der Oberseite warten Widerstände bei 61,02, dann bei 71,80 US-Dollar. Der RSI liegt bei 34,3 — nahe dem überverkauften Bereich.
Gemessen am 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar notiert Silber aktuell rund 51 Prozent tiefer. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 73,48 US-Dollar ist ebenfalls weit entfernt.
Die saisonale Schwächephase des Juni könnte nun auslaufen. Eine Gegenbewegung bis in den Bereich von 70 US-Dollar gilt als möglich. Hält die Unterstützung bei 55,29 US-Dollar nicht, rückt das Ausbruchsniveau bei 50 US-Dollar als nächstes Korrekturziel in den Blick.
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