Silber ist mit Schwung in den Herbst gestartet. Am Freitag schloss die Feinunze bei 68,13 US-Dollar, ein Plus von 1,5 Prozent zum Vortag. Über sieben Tage summiert sich der Anstieg auf 5,1 Prozent.
Auslöser war eine Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln, um die Kreditkosten der Regierung zu drücken. Die Folge: fallende Anleiherenditen, ein schwächerer Dollar – und Rückenwind für Edelmetalle.
Geldpolitisches Signal als Auslöser
Die Entscheidung aus Washington markiert einen Kurswechsel in der Schuldenverwaltung und wurde von Anlegern als Signal für lockerere Finanzierungsbedingungen gelesen. Sinkende Renditen schmälern die Opportunitätskosten des Haltens von zinslosem Silber, während ein schwächerer Dollar das Metall für Käufer außerhalb der USA verbilligt.
Auf diese Gemengelage reagierte der Markt binnen weniger Tage deutlich. Zusätzlich befeuert wurde die Nachfrage nach sicheren Häfen durch Signale aus dem Weißen Haus, die auf eine wirtschaftliche Eskalation gegenüber dem Iran hindeuten.
Strukturelles Defizit bleibt der langfristige Treiber
Losgelöst von der aktuellen Kursbewegung bleibt der Silbermarkt fundamental angespannt. Für 2026 zeichnet sich laut Silver Institute bereits das sechste Defizitjahr in Folge ab, mit einem Fehlbetrag von rund 46,3 Millionen Unzen.
Auf der Angebotsseite fällt auf, dass Chinas Importe silberhaltiger Erze im Juni im Jahresvergleich um 62,5 Prozent auf 219.000 Tonnen gestiegen sind – ein Hinweis auf die wachsende Produktion von Solarpanelen und Stromnetzen im Land.
Ausgerechnet die Solarbranche, traditionell einer der größten industriellen Silberverbraucher, dürfte 2026 aber weniger Metall abnehmen als erwartet. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang der Solar-Nachfrage um rund 19 Prozent prognostiziert, nachdem bereits das Vorjahr schwächer ausgefallen war.
Hersteller wie LONGi und Aiko Solar produzieren mittlerweile im Gigawatt-Maßstab silberfreie Module – ein technologischer Trend, der die langfristige Nachfragebasis verändern könnte, das strukturelle Defizit aber bislang nicht ausgleicht.
Lagerbestände und Marktbreite
Ein Blick auf die physische Verfügbarkeit zeigt: In den zugelassenen COMEX-Lagerhäusern lagerten im August rund 337,3 Millionen Feinunzen Silber, davon nur knapp 99,5 Millionen Unzen im sofort lieferbaren „registered“-Status. Der überwiegende Teil der Bestände ist als „eligible“ klassifiziert und damit nicht unmittelbar für Lieferungen verfügbar – ein Umstand, der bei angespannter physischer Nachfrage schnell zu Lieferengpässen führen kann.
Ausblick der Analysten
Eine Reuters-Umfrage sieht den durchschnittlichen Silberpreis für 2026 bei 78 US-Dollar. J.P. Morgan kalkuliert mit 81 US-Dollar, während Goldman Sachs eine Spanne von 85 bis 100 US-Dollar für möglich hält.
Gemessen am aktuellen Kursniveau von 68,13 US-Dollar liegt der Markt damit noch unterhalb dieser Konsenserwartungen, auch wenn das Momentum der vergangenen Woche in Richtung dieser Zielmarken weist. Der Rückgang seit Jahresbeginn von 3,5 Prozent zeigt zugleich, dass der jüngste Anstieg zunächst nur einen Teil der zuvor erlittenen Verluste ausgleicht.
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