Der Silbermarkt steuert 2026 auf das sechste Jahr in Folge mit einem Angebotsdefizit zu. Nach Berechnungen von Metals Focus im Auftrag des Silver Institute fehlen dem Markt in diesem Jahr 46,3 Millionen Unzen, während die weltweite Minenproduktion mit 844,1 Millionen Unzen sogar leicht unter dem Vorjahreswert von 846,6 Millionen liegt. Diese strukturelle Angebotslücke bildet den Hintergrund, vor dem sich der Silberpreis derzeit zwischen Zinsspekulation und Dollarschwäche bewegt.
Am Freitag schloss Silber an der Terminbörse COMEX bei 66,82 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 1,1 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Plus von 3,3 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 4,9 Prozent. Der kurzfristige Rücksetzer ändert damit wenig an der übergeordneten Erholungsbewegung der vergangenen Wochen.
Produzenten liefern Zahlen zur Angebotsseite
Während der Markt auf die aggregierte Defizitzahl blickt, veröffentlichten einzelne Silberproduzenten zuletzt Detailzahlen zu ihrem operativen Geschäft. Sierra Madre wies für das zweite Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 8,23 Millionen US-Dollar und einen Bruttogewinn von 1,58 Millionen US-Dollar aus, bei Gesamtkosten (AISC) von 54,73 US-Dollar je Silberäquivalent-Unze.
Vizsla Silver legte im November 2025 eine Machbarkeitsstudie zu seinem Projekt Panuco vor, die eine Jahresproduktion von 17,4 Millionen Silberäquivalent-Unzen über 9,4 Jahre in Aussicht stellt, mit einem Kapitalwert von 1,802 Milliarden US-Dollar und einer internen Zinsfußrendite von 111 Prozent.
Solche Projektzahlen zeigen, dass Produzenten trotz des angespannten physischen Marktes weiterhin auf neue Kapazitäten setzen – auch wenn diese die kurzfristige Angebotslücke kaum schließen dürften.
Fed-Zinsentscheidung als Belastungsfaktor
Überlagert wird die fundamentale Angebotsgeschichte derzeit von der Zinsdebatte in den USA. Nach überraschend starken Arbeitsmarktdaten für August mit 162.000 neuen Stellen gegenüber einem erwarteten Wert von rund 55.000 stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September laut CME FedWatch auf rund 60 Prozent.
Die UBS rechnet nach dem starken Bericht sogar mit zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im September und Dezember – zuvor hatten die Analysten keine Änderung erwartet. Höhere Realzinsen gelten kurzfristig als Gegenwind für zinslose Edelmetalle wie Silber und Gold.
Gegenläufig wirkt zuletzt die Schwäche des US-Dollars: Der Dollar-Index gab im Zuge der Diskussion um die Fed-Unabhängigkeit nach, was Silber Auftrieb verlieh. Die am Freitag anstehenden US-Inflationsdaten für August dürften nun zeigen, welche Kraft sich durchsetzt. TD Securities rechnet mit einer Kerninflationsrate von 0,19 Prozent im Monatsvergleich beziehungsweise 2,3 Prozent im Jahresvergleich.
Charttechnisch angespannte Lage
Mit einem RSI von 53,2 zeigt sich der Silberpreis derzeit weder überkauft noch überverkauft. Der Kurs notiert 6,7 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 62,61 US-Dollar, liegt aber noch 10 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 74,34 US-Dollar.
Diese Konstellation deutet auf eine kurzfristige Erholung innerhalb eines mittelfristig noch nicht abgeschlossenen Konsolidierungsprozesses hin – ein Bild, das zur strukturellen Angebotsknappheit passt, ohne dass sich daraus bereits ein neuer Trend ableiten lässt.
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