Ein Ausverkauf an den weltweiten Rentenmärkten hat den Silberpreis spürbar belastet. Am gestrigen Mittwoch fiel die Notierung am Terminmarkt um 4,0 Prozent auf 64,93 USD je Feinunze. Auslöser der Abwärtsbewegung war ein kräftiger Renditesprung bei US-Staatsanleihen. Eine schwache Nachfrage bei einer großen Emission von Schuldtiteln hatte die Zinsen sprunghaft nach oben getrieben.
Steigende Kapitalmarktrenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten unverzinslicher Edelmetalle. Zugleich stärkt das Zinsniveau die US-Währung. Das verteuert Rohstoffe für Käufer außerhalb des Dollarraums und drückt auf die Stimmung der Investoren.
US-Renditen klettern auf Mehrjahreshochs
Laut Handelsblatt kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gestern zeitweise auf 5,13 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Auslöser war eine Versteigerung fünfjähriger US-Papiere über 70 Milliarden Dollar. Die Auktion stieß laut Bloomberg auf sehr verhaltene Nachfrage und erzielte eines der schwächsten Ergebnisse seit Jahren.
Zusätzlichen Druck erzeugten Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank. Fed-Gouverneur Michael Barr signalisierte gestern, dass weitere Anpassungen der Geldpolitik wahrscheinlich nötig seien. Die US-Notenbank hob vor gut einer Woche den Leitzins an, seither verlor der Silberpreis 1,2 Prozent. An den Terminmärkten wachsen die Wetten auf einen weiteren Zinsschritt vor dem Jahresende.
Sparpotenziale dämpfen industriellen Bedarf
Neben der geldpolitischen Belastung blicken Marktteilnehmer auf veränderte Bedingungen in der Industrie. Die Solarbranche galt in den vergangenen Jahren als wichtiger Stützpfeiler der physischen Nachfrage. Sam Wilkinson, Experte für erneuerbare Energien bei S&P Global, erwartet jedoch einen Rückgang des weltweiten Photovoltaik-Zubaus im laufenden Jahr.
Zugleich setzen Hersteller verstärkt auf technologische Einsparungen beim Materialeinsatz. Berichten zufolge sinkt der Silberanteil je Modul seit Jahren kontinuierlich. Neuere Technologien wie der Einsatz von silberummanteltem Kupferpulver ermöglichen es den Produzenten, den Bedarf um bis zu die Hälfte zu senken. Dieser Trend bremst das Nachfragewachstum von industrieller Seite deutlich ein.
Technisches Bild trübt sich ein
Die Kombination aus strafferer Geldpolitik, steigenden Anleihezinsen und vorsichtigeren Industrieerwartungen spiegelt sich im Kursverlauf wider. Nach den jüngsten Verlusten notiert Silber nur noch knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Ein nachhaltiger Bruch dieser Unterstützung könnte weiteren Abwärtsdruck auslösen und den Weg zu tieferen Kursmarken ebnen.
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