Sinkende Renditen bei den US-Staatsanleihen und ein nachgebender US-Dollar haben den Silberpreis am Freitag angetrieben. Das Edelmetall verteuerte sich am letzten Handelstag der Woche um 2,8 Prozent und schloss bei 61,11 USD je Feinunze. Das zinslose Metall profitierte dabei von der Entlastung an den Zins- und Devisenmärkten, nachdem es zuvor auf ein Zwei-Monats-Tief abgerutscht war. Zudem nahmen die Sorgen vor akutem Inflationsdruck ab, da die Ölpreise nach politischen Äußerungen aus Washington spürbar nachgaben.
Trotz dieser kurzfristigen Erholungsbewegung bleibt der Abstand zum bisherigen Jahresverlauf beträchtlich. Mit dem aktuellen Stand notiert Silber rund 50 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 121,78 USD, das Ende Januar erreicht worden war. Neben den makroökonomischen Faktoren blicken Marktteilnehmer verstärkt auf die strukturelle Nachfrageentwicklung in der Industrie.
Schwächere Nachfrage aus der Solarbranche
Hinter der jüngsten Zurückhaltung der Investoren stehen unter anderem veränderte Aussichten im Technologiesektor. Prognosen von Metals Focus und dem Silver Institute beziffern den weltweiten Silberverbrauch in elektrischen und elektronischen Anwendungen einschließlich des Solarsektors für das Jahr 2026 auf 422,9 Millionen Unzen. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei 449,5 Millionen Unzen.
Besonders deutlich zeichnet sich die Verlangsamung in der Photovoltaik ab. Den Schätzungen der beiden Branchenorganisationen zufolge wird der Bedarf bei Solaranwendungen von 186,6 Millionen Unzen auf 151,0 Millionen Unzen schrumpfen.
Analysten der Deutschen Bank gehen für das Gesamtjahr 2026 ebenfalls von einem Nachfragerückgang im Solarsegment um mehr als 20 Prozent aus. Dabei rechnen die Experten der Bank insbesondere in China mit einem Einbruch des photovoltaischen Silberbedarfs um rund 33 Prozent.
Londoner Lagerbestände und Terminmarkt
Die nachlassende industrielle Dynamik schlägt sich auch in den verfügbaren Vorräten nieder. Nach Einschätzung der Deutschen Bank vom Freitag könnte der globale Silbermarkt bereits 2027 von einem Defizit in einen Angebotsüberschuss übergehen.
Ende August lagerten demnach mehr als 914 Millionen Unzen des Metalls in kommerziellen Londoner Tresoren. Davon waren über 300 Millionen Unzen frei verfügbar, was einem Anstieg der frei handelbaren Bestände um etwa 70 Prozent seit Oktober 2025 entspricht.
An den Terminmärkten positionieren sich die Akteure derweil vorsichtig. Der jüngste Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC wies für den Silberhandel an der New Yorker Commodity Exchange zum Stichtag des vergangenen Dienstags ein gesamtes Open Interest von 105.130 Kontrakten aus.
In der Kategorie des spekulativen Kapitals hielten Fondsmanager und Vermögensverwalter dabei 16.457 Long-Kontrakte, denen 8.929 Kontrakte auf fallende Kurse gegenüberstanden.
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