Hormuz-Krise treibt Öl über 100 Dollar — Kaffee und Edelmetalle unter Druck

Die Hormuz-Krise treibt Öl über 100 Dollar, während Gold und Silber von Zentralbankkäufen profitieren. Kaffee fällt auf Neun-Monats-Tief.

Auf einen Blick:
  • Brent und WTI über 100 Dollar
  • Gold gestützt durch Zentralbankkäufe
  • Silber profitiert von Industrienachfrage
  • Kaffeepreis auf Neun-Monats-Tief

Iranische Sanktionssignale, schrumpfende Lagerbestände und eine brasilianische Rekordernte formen den Rohstoffmarkt an diesem Dienstag zu einem Flickenteppich gegensätzlicher Kräfte. Brent und WTI pendeln im dreistelligen Bereich, Gold verteidigt seine Position oberhalb von 4.500 Dollar, Silber profitiert von industrieller Nachfrage — und der Kaffeepreis rutscht auf ein Neun-Monats-Tief. Fünf Rohstoffe, fünf Geschichten.

Silber: Industrienachfrage als Anker im Zinsgegenwind

Silber kletterte heute um rund 2 % auf 77,50 Dollar je Feinunze — das stärkste Tagesplus unter den Edelmetallen. Bereits am vergangenen Freitag hatte das Metall mit einem Kurs von 76,46 Dollar Stärke gezeigt.

Der Aufschwung überdeckt allerdings fundamentalen Gegenwind. Ein stärkerer US-Dollar und steigende Staatsanleihenrenditen belasten Silber seit Wochen. Heißer als erwartete Inflationsdaten haben Zinssenkungshoffnungen für 2026 praktisch beerdigt. Einige Marktteilnehmer wetten sogar auf eine Zinserhöhung bis Dezember.

UBS-Strategen haben ihre Prognose für die Silberinvestitionsnachfrage drastisch von über 400 Millionen auf 300 Millionen Unzen gekürzt. Das globale Marktdefizit dürfte nach ihrer Einschätzung auf nur noch 60 bis 70 Millionen Unzen zusammenschrumpfen — zuvor lag die Schätzung bei rund 300 Millionen.

Was Silber trotzdem stabilisiert: Industrielle Anwendungen machen über die Hälfte der Gesamtnachfrage aus. Allein die Solarproduktion verschlingt jährlich 230 Millionen Unzen. Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 59 — nach einer Erholung vom Tief bei 43. Die durchschnittliche Analystenprognose für 2026 steht bei 79,57 Dollar je Feinunze, also noch ein gutes Stück über dem heutigen Niveau.

Gold: Zentralbanken kaufen aggressiv — JPMorgan senkt die Latte

Gold notiert heute bei 4.565,90 Dollar je Unze. Der Spotpreis legte marginal zu, gestützt durch einen schwächeren Dollar und nachlassende Ölpreise — höhere Anleiherenditen bremsten den Anstieg aber spürbar. In der Vorwoche hatte das Edelmetall den tiefsten Stand seit Ende März markiert.

Das strukturelle Fundament bleibt robust. Zentralbanken kauften im ersten Quartal geschätzte 244 Tonnen netto — deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Nationalbank Polens war mit 31 Tonnen erneut größter Einzelkäufer und hält nun 582 Tonnen. Trotz Äußerungen von Gouverneur Adam Glapiński über mögliche Verkäufe steuert Warschau offenbar weiterhin auf sein 700-Tonnen-Ziel zu.

Bei den Analystenprognosen zeigt sich ein breites Spektrum:

  • JPMorgan senkte sein Jahresdurchschnittsziel von 5.708 auf 5.243 Dollar — eine Abwärtskorrektur um 465 Dollar.
  • Goldman Sachs erhöhte sein Jahresendziel auf 5.400 Dollar und verweist auf Zentralbankkäufe sowie die Diversifikation in reale Vermögenswerte.
  • Der LBMA-Goldpreis setzte im ersten Quartal einen neuen Durchschnittsrekord von 4.873 Dollar.

Kein Bärenmarkt also. Ein Rückgang von 16 % vom Allzeithoch bei 5.405 Dollar, kombiniert mit einer Inflation von 3,8 % und historisch starken Barren-und-Münzen-Käufen, spricht für eine Korrektur innerhalb eines intakten Aufwärtstrends.

Brent Crude: Die Hormuz-Prämie bestimmt jede Kursbewegung

Brent-Futures gaben heute auf rund 102 Dollar je Barrel nach — nachdem sie im frühen Handel noch über 111 Dollar gehandelt worden waren. Ein einziger Bericht iranischer Medien löste die Kehrtwende aus: Die USA sollen eine vorübergehende Aussetzung der Ölsanktionen bis zu einer endgültigen Einigung vorgeschlagen haben.

Die Geopolitik dominiert den Ölmarkt wie selten zuvor. Über das Wochenende wurden Energieinfrastrukturen am Persischen Golf angegriffen, darunter eine Nuklearanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Straße von Hormuz bleibt weitgehend geschlossen. Rund 20 % des weltweiten Seeöltransports passieren normalerweise diese enge Wasserstraße.

US-Präsident Trump verschärfte den Ton gegenüber Teheran in sozialen Medien: „Für den Iran tickt die Uhr.“ Die iranische Seite erklärte unterdessen, den Dialog über Pakistan fortzusetzen. Ein Analyst ordnete die Lage nüchtern ein: Dies sei der größte Ölversorgungsschock in der Geschichte des Ölmarktes.

Die Internationale Energieagentur warnte am Montag, dass die globalen Ölvorräte rapide sinken. Die Gesamtzahlen liegen zwar noch über Notfallschwellen — verbergen aber zunehmend schärfere Engpässe bei bestimmten Produkten und in einzelnen Regionen.

WTI-Rohöl: 15 %-Crash an einem Tag — und die Volatilität hält an

WTI-Futures fielen heute auf rund 105 Dollar je Barrel zurück, nachdem sie zwischenzeitlich über 108 Dollar notiert hatten. Der Auslöser war derselbe wie bei Brent: die Sanktions-Meldung aus Teheran.

Die vergangenen Wochen gehörten zu den volatilsten des gesamten Jahres. Anfang Mai schwankten WTI-Futures zwischen 107,46 und 88,66 Dollar — eine Spannbreite von fast 19 Dollar. An einem einzigen Mittwoch brach der Preis intraday um fast 15 % ein. So heftig war ein Tagesverlust zuletzt während des COVID-19-Marktcrashs. Hintergrund war ein Bericht über mögliche Friedensgespräche zwischen Washington und Teheran.

Auf der physischen Seite bleibt die Lage angespannt. Das American Petroleum Institute meldete einen Rückgang der US-Rohöllagerbestände um 8,1 Millionen Barrel in einer einzigen Woche — weit mehr als erwartet. US-Rohöl- und Erdölexporte stiegen auf nahezu rekordverdächtige Niveaus mit Gesamtlieferungen von fast 13 Millionen Barrel pro Tag. Das unterstreicht: Die Nachfrage ist da, die Vorräte schmelzen.

Kaffeepreis: Brasiliens Rekordernte drückt Arabica auf Neun-Monats-Tief

Der Kaffeepreis folgt einer völlig eigenen Dynamik — und die heißt Überfluss. Juli-Arabica-Kaffee schloss am vergangenen Freitag mit einem Minus von 3,19 %, Robusta-Kaffee gab um 3,50 % nach. Arabica markierte ein Neun-Monats-Tief.

An der Londoner Börse fielen Robusta-Futures für Mai deutlich um 70 Dollar je Tonne auf 3.664 Dollar. Auch längerfristige Kontrakte für Juli bis November gaben nach.

Der Abverkauf hat einen klaren Treiber: Brasilien. Die Ernteprognosen für 2026/27 überbieten sich gegenseitig:

  • Coffee Trading Academy: 71,4 Millionen Säcke (+12 % gegenüber Vorjahr)
  • Marex Group: 75,9 Millionen Säcke — Rekordniveau
  • StoneX: 75,3 Millionen Säcke

Begünstigend wirken trockenes Wetter und hohe Temperaturen in den Anbaugebieten, die den Erntefortschritt beschleunigen. Gleichzeitig ermutigt ein schwacher brasilianischer Real die Produzenten zu verstärkten Exportverkäufen.

Wie tief kann es noch gehen? Analyst Garner prognostiziert einen Rückgang auf 2 Dollar je Pfund bis Jahresende. Beatson-Hird von Avere Commodities rechnet sogar mit 1,80 Dollar. Für Verbraucher gilt allerdings: Im Supermarkt kommt der Preisverfall vorerst nicht an. Röstereien sichern sich über langfristige Lieferverträge ab — der Tagespreis an der Börse und der Preis im Regal leben in verschiedenen Zeitdimensionen.

Fünf Rohstoffe, drei Gravitationszentren

Der Rohstoffmarkt ordnet sich gerade um drei Pole:

  • Hormuz-Geopolitik dominiert Brent und WTI. Jede Nachricht aus Teheran oder Washington löst zweistellige Prozentbewegungen aus. Die Risikoprämie im Ölpreis dürfte so lange bestehen bleiben, wie die Meerenge eingeschränkt passierbar ist.
  • Zinspolitik und Inflation bestimmen den Kurs bei Gold und Silber. Beide Metalle profitieren zwar von Unsicherheit, leiden aber unter der Aussicht auf dauerhaft höhere Realrenditen. Silber reagiert dabei empfindlicher als Gold — sein Industriemetall-Charakter macht es anfälliger für Konjunkturerwartungen.
  • Angebotsdynamik steuert den Kaffeemarkt. Brasiliens Rekordernte und die Erholung der kolumbianischen Produktion drücken die Preise — unabhängig von der geopolitischen Großwetterlage.

Ein verbindendes Risiko existiert dennoch: Ein eskalierender Energieschock könnte über steigende Düngemittelpreise auch die Produktionskosten für Kaffeebauern in die Höhe treiben. Die Internationale Kaffeeorganisation hat bereits davor gewarnt. Händler preisen dieses Szenario bisher nicht ein.

Diplomatie als Schlüssel — nicht nur für den Ölmarkt

Der US-Außenminister erklärte, die Straße von Hormuz werde „geöffnet“ und die Energiepreise dürften sinken. Sollte eine dauerhafte Einigung gelingen, würde das nicht nur Brent und WTI entlasten. Auch Gold und Silber könnten unter Druck geraten, sobald die geopolitische Risikoprämie aus dem Markt weicht.

Die globalen Ölvorräte sind noch nicht auf kritisch niedrigem Niveau — das Tempo der Entnahmen und die ungleiche Verteilung über die Regionen hinweg geben aber Anlass zur Sorge. Ohne nachhaltige Wiederherstellung der Lieferströme durch die Meerenge müssten die Preise möglicherweise noch weiter steigen, um die Nachfrage zu zerstören.

Für Rohstoffanleger bleibt die Lage eine Gratwanderung zwischen geopolitischem Risiko, geldpolitischer Straffung und fundamentalen Angebotsfaktoren. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob Diplomatie oder Eskalation die Oberhand gewinnt — und damit die Richtung für alle fünf Märkte vorgeben.

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