Siemens Energy hat am Mittwoch einen Großauftrag über 20 Dampf-Turbogeneratoren mit einer Gesamtleistung von 1 Gigawatt gemeldet – bestimmt für den Bau von Rechenzentren. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 3,99 Prozent auf 164,88 Euro. Damit setzt sich die Rally fort: Am gestrigen Mittwoch schloss das Papier bei 163,70 Euro, ein Plus von 3,0 Prozent im Tagesvergleich.
Rückenwind aus zwei Richtungen
Für den Kursschub sorgten am selben Tag gleich zwei Entwicklungen. Zum einen der neue Großauftrag im Bereich der Turbogeneratoren, der auf den anhaltenden Bedarf an Stromversorgung für Rechenzentren zielt – ein Markt, der in den USA derzeit unter Strom steht, aber auch unter Druck: Laut einer Analyse, die Engpässe bei Genehmigungen, Stromkapazitäten und Fachkräften thematisiert, könnten bis 2028 nur rund die Hälfte der geplanten Kapazitäten tatsächlich ans Netz gehen. Gerade deshalb gewinnt zuverlässige, schnell verfügbare Erzeugungstechnik wie die von Siemens Energy an Bedeutung.
Zum anderen zog der dänische Windturbinenhersteller Vestas seine Marge nach oben: Der Wettbewerber hob seine EBIT-Marge-Prognose auf 7 bis 9 Prozent an und meldete einen Auftragseingang von 3,35 Gigawatt im zweiten Quartal, ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das signalisiert Anlegern, dass die Erholung im Windgeschäft branchenweit an Fahrt gewinnt – ein Umstand, der auch auf die Siemens-Energy-Sparte Siemens Gamesa ausstrahlt, die zuletzt wieder schwarze Zahlen schrieb.
Bernstein sieht weiteres Potenzial
Bernstein Research stufte Siemens Energy am Mittwoch auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 210 Euro hoch. Analyst Chad Dillard begründet seine positive Einschätzung mit dem strukturellen Nachholbedarf im US-Rechenzentrumsmarkt: Der Ausbau werde durch Arbeitskräftemangel auf rund 35 Gigawatt jährlich bis 2030 begrenzt, was die Nachfrage nach effizienten Turbinenlösungen zusätzlich stütze. Damit reiht sich Bernstein in eine Riege optimistischer Stimmen ein – die Kursziele der Analysten bewegen sich mittlerweile zwischen 195 und 250 Euro, durchweg mit Kaufempfehlung.
Diese Einschätzungen fußen auch auf den zuletzt vorgelegten Zahlen: Im dritten Quartal steigerte Siemens Energy den Auftragseingang auf 17,9 Milliarden Euro, der Umsatz wuchs um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro.
Das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose mit einem Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, einer EBIT-Marge von 10 bis 12 Prozent und einem Gewinn von rund 4 Milliarden Euro.
Strukturelle Rückenwinde bleiben
Der neue Auftrag fügt sich in ein größeres Bild: Die Debatte um den deutschen Netzausbau zeigt, wie stark der Energiesektor insgesamt unter Investitionsdruck steht.
Eine Studie im Auftrag mehrerer Institute rechnet für 2045 mit einer Endstromnachfrage von 895 bis 1.016 Terawattstunden – gegenüber 487 Terawattstunden im Jahr 2025. Für Siemens Energy als Ausrüster von Kraftwerks- und Netztechnik bedeutet dieser Trend einen langfristig wachsenden Absatzmarkt, unabhängig von kurzfristigen politischen Auseinandersetzungen um die Regulierung.
Der jüngste Auftrag über die Dampf-Turbogeneratoren dürfte damit kein Einzelfall bleiben, sondern Teil einer Serie ähnlicher Deals, die den Konzern von der weltweiten Elektrifizierungswelle profitieren lässt.
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