Christian Bruch schlägt Alarm. Der Vorstandschef von Siemens Energy sagte am 4. September, Deutschland werde bei Angriffen auf Energieinfrastruktur „besonders stark“ getroffen. Wenige Tage später äußerte er sich zudem kritisch zur Wahlpolitik der AfD, die er als „dramatisch falsche Botschaft“ für Energiewende und Fachkräfteverfügbarkeit bezeichnete. Beide Aussagen fallen in eine Phase, in der die Aktie deutlich unter Druck steht.
Warnung vor Sicherheitsrisiken für die Energiewende
Bruchs Äußerungen zur Infrastruktur-Sicherheit richten den Blick auf ein Risiko, das über das operative Geschäft von Siemens Energy hinausgeht. Als einer der größten Ausrüster für Netztechnik und Kraftwerksanlagen in Deutschland hat das Unternehmen ein unmittelbares Interesse an stabilen Rahmenbedingungen.
Mit seiner zweiten Wortmeldung zur AfD-Politik positionierte sich der CEO zusätzlich politisch deutlich – eine ungewöhnlich klare Haltung für einen Dax-Konzernchef.
Die Kombination aus Sicherheitswarnung und politischer Kritik fällt in eine Woche, in der auch die Konkurrenzsituation im Kraftwerksgeschäft erneut Thema war.
Anfang September hatten Berichte über mögliche Pläne von Elon Musk und SpaceX, in die Gasturbinen-Fertigung einzusteigen, für einen spürbaren Kursrutsch von rund fünf Prozent gesorgt. JPMorgan stufte diese Wettbewerbsgefahr am 1. September als begrenzt ein, ohne die Einschätzung zur Aktie zu ändern.
Aktie bleibt unter Druck
Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 143,92 Euro, nach einem Tagesgewinn von 2,3 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Rückgang von 12 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass die jüngste Nachrichtenlage die Anleger insgesamt eher verunsichert als beruhigt hat. Zum 52-Wochen-Hoch von Ende April fehlen der Aktie inzwischen 26 Prozent, obwohl sie seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von 20 Prozent aufweist.
Dass die Kursreaktion am Freitag trotz einer unveränderten Einschätzung von JPMorgan zunächst negativ ausfiel und erst im Tagesverlauf drehte, unterstreicht die Nervosität am Markt. Ein konkreter Auslöser für die Gegenbewegung wurde nicht öffentlich benannt.
Politische Aussagen als neuer Unsicherheitsfaktor
Für Anleger dürfte weniger die operative Substanz des Konzerns im Vordergrund stehen als vielmehr die Frage, wie sich die politische Positionierung des CEO auf die Wahrnehmung des Unternehmens auswirkt. Siemens Energy ist auf verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen in Deutschland angewiesen, insbesondere mit Blick auf den Netzausbau und die Versorgungssicherheit.
Bruchs wiederholte öffentliche Warnungen signalisieren, dass das Management diese Risiken als real genug einstuft, um sie offen anzusprechen – auch auf die Gefahr hin, in die politische Debatte hineingezogen zu werden.
Jefferies hatte sein Kursziel Ende August von 215 auf 210 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ aber bestätigt – ein Hinweis darauf, dass die grundsätzliche Geschäftsentwicklung von Analystenseite weiterhin positiv gesehen wird, auch wenn kurzfristige Risiken eingepreist werden.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich die politischen Wortmeldungen des CEO als vorübergehendes Thema erweisen oder das Chartbild von Siemens Energy nachhaltiger belasten.
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