Der Aufsichtsrat von Siemens Energy hat am Dienstag den Verkauf der Mehrheit an der Sparte „Transformation of Industry“ beschlossen. Ein Private-Equity-Käufer soll die Kontrolle übernehmen, Goldman Sachs berät die Transaktion. Die Bewertung liegt Berichten von Bloomberg zufolge bei über zehn Milliarden Euro.
Die Sparte bündelt Dampfturbinen, Kompressoren und Wasserstoff-Elektrolyseure und kam im vergangenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro. Als Interessenten werden CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR gehandelt.
Siemens Energy plant, das Geschäft zu entkonsolidieren, will aber eine wesentliche Minderheitsbeteiligung behalten. Der Konzern reagiert damit auf die im Juli angekündigte Umbenennung zu „Omterra“, mit der sich das Unternehmen künftig auch namentlich von der Siemens AG lösen will – dem ehemaligen Mutterkonzern, an dem die Siemens AG nur noch gut fünf Prozent hält.
Starkes Quartal als Verhandlungsbasis
Der geplante Verkauf trifft auf ein operativ deutlich verbessertes Unternehmen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz auf 11,4 Milliarden Euro, ein Plus von 18,5 Prozent auf vergleichbarer Basis.
Der Gewinn vor Sonderposten kletterte auf 1.623 Millionen Euro, nach nur 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Auftragseingang erreichte mit 17,9 Milliarden Euro einen Rekordwert, die Book-to-Bill-Ratio lag bei 1,57.
Auch die einstige Problemtochter Siemens Gamesa lieferte das erste profitable Quartal seit Ende 2022 ab: Bei einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro stand ein Gewinn vor Sonderposten von 75 Millionen Euro, nach einem Verlust von 430 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Das Management bestätigte die Jahresprognose mit einem Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und einer Marge vor Sonderposten von 10 bis 12 Prozent, tendenziell am oberen Ende der Spanne. Der Nettogewinn soll sich auf rund vier Milliarden Euro belaufen, der freie Cashflow vor Steuern auf etwa acht Milliarden Euro.
Analysten sehen Bewertungsspielraum
RBC Capital Markets senkte am Dienstag das Kursziel von 210 auf 200 Euro, bestätigte aber das Rating „Outperform“. Die Anpassung sei eine Bewertungskalibrierung gewesen, an der operativen Zuversicht habe sich nichts geändert.
An der Börse zeigt sich die Aktie derweil in einer Konsolidierungsphase. Zum Wochenschluss am Freitag notierte das Papier bei 149,28 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagesbasis.
Über den Zeitraum von sieben Tagen steht ein Rückgang von 2,7 Prozent zu Buche, während sich der Kurs auf Sicht von 30 Tagen um 12 Prozent verbessert hat. Vom bisherigen 52-Wochen-Hoch bei 195,38 Euro, erreicht im April, ist die Aktie damit rund ein Viertel entfernt.
Der geplante Verkauf der Industriesparte markiert für Siemens Energy einen weiteren Schritt in der Neuausrichtung, die mit dem Namenswechsel zu Omterra begonnen hat. Für November hat der Konzern ein Update zu seinen mittelfristigen Zielen angekündigt, bei dem einem Medienbericht zufolge auch ein Aktienrückkaufprogramm zur Sprache kommen könnte.
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