Siemens Energy hat am Mittwoch mit seinen Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Energietechnikkonzern meldete Aufträge im Wert von 17,9 Milliarden Euro und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57 – auf jeden eingenommenen Umsatz-Euro kamen also 1,57 Euro an neuen Bestellungen. Der Umsatz legte um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zu. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit einem Ergebnis je Aktie von 1,17 Euro gerechnet, einem Plus von knapp 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie mit einer Umsatzsteigerung von rund 15 Prozent. Beide Marken übertraf der Konzern klar.
Gewinn verdreifacht, Gamesa dreht in die Gewinnzone
Der Profit vor Sondereffekten verdreifachte sich im Jahresvergleich auf 1.623 Millionen Euro, nach 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Free Cashflow vor Steuern schoss auf 2.319 Millionen Euro nach oben, nach 419 Millionen Euro im dritten Quartal des Vorjahres. Der Auftragsbestand kletterte zum Quartalsende auf 162 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: Die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Ergebnis und ist nach eigenen Angaben auf Kurs, für 2026 die Gewinnschwelle zu erreichen – jene Sparte, die den Konzern über Jahre belastet hatte.
Im Segment Grid Technologies, dem Netzgeschäft, hob Siemens Energy die Margen-Guidance für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 18 bis 20 Prozent an. Als Reaktion auf die prall gefüllten Auftragsbücher plant der Konzern rund 10.000 Neueinstellungen in dieser Sparte, wie es aus Medienberichten hervorgeht. Für das Gasgeschäft rechnet das Management im vierten Quartal dagegen mit einem saisonal moderateren Verlauf als im dritten Quartal. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Siemens Energy seinen Ausblick: Die Profit-Marge vor Sondereffekten soll am oberen Ende der Zielspanne liegen, das vergleichbare Umsatzwachstum bei 14 bis 16 Prozent, der Nettogewinn bei rund 4 Milliarden Euro und der Free Cashflow vor Steuern bei rund 8 Milliarden Euro.
Kurs zeigt sich nach Zahlen nervös
Die Marktreaktion fiel zunächst euphorisch aus: Vorbörslich sprang die Aktie am Mittwoch um 4,3 Prozent auf 157,42 Euro und erholte sich damit von ihrem Ende Juli markierten tiefsten Stand seit Januar. Im Tagesverlauf drehte das Papier jedoch ins Minus und sackte gegen Mittag um 1 Prozent auf 149,30 Euro ab – nachdem es zuvor zeitweise fast ein Fünftel im Plus gestanden hatte. Zum Handelsschluss am Freitag stand die Aktie bei 153,50 Euro, ein Minus von 0,35 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht bedeutet das dennoch ein Plus von 3,13 Prozent. Damit notiert das Papier zwar rund 21 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 24. April, liegt aber gut 4 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der Schwankungen intakt bleibt. Auslöser der Kursschwäche vor der Zahlenvorlage war unter anderem ein schwächeres Windgeschäft, über das der US-Wettbewerber GE Vernova Ende Juli berichtet hatte.
Analysten bleiben nach den Zahlen optimistisch
Jefferies-Analyst Lucas Ferhani ordnete die Zahlen am Mittwoch als deutlich profitabler ein als erwartet und bekräftigte sein Kursziel von 215 Euro mit der Einstufung „Buy“. JPMorgan bestätigte am selben Tag seine Einschätzung „Overweight“ und nannte mit 235 Euro das höchste bekannte Kursziel im Umlauf.
Parallel treibt Siemens Energy seine Kapitalrückgabe voran: Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 sollen eigene Aktien im Wert von bis zu 6 Milliarden Euro zurückgekauft werden. Die zweite Tranche über bis zu 1 Milliarde Euro läuft seit dem 4. Juni und wird noch bis zum 30. September fortgesetzt. Zudem treibt der Konzern seine Verselbstständigung von der früheren Mutter Siemens voran: Unter der neuen Dachmarke Omterra soll die Abnabelung im weiteren Jahresverlauf in Phasen umgesetzt werden – ein Schritt, der dem Unternehmen laut eigenen Angaben Markenrechte-Gebühren in möglicherweise dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr erspart.
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