US-Präsident Donald Trump wirft den großen Ölkonzernen vor, sich bei den Benzinpreisen abzusprechen. Shell und Wettbewerber wie Chevron und Exxon weisen die Vorwürfe zurück – und liefern dafür ihre eigenen Zahlen als Argument.
Deutlich höhere Gewinne durch gestiegene Ölpreise
Shell steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 22 Prozent, der Gewinn je Aktie kletterte auf 2,94 US-Dollar nach 1,40 US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit übertrifft der Konzern sogar die prozentuale Umsatzentwicklung von Exxon, das ebenfalls 22 Prozent Zuwachs meldete, bei einem Gewinnsprung von 66 Prozent auf 5,60 US-Dollar je Aktie. Chevron legte beim Umsatz um 28 Prozent zu und kam auf einen Gewinn je Aktie von 7,23 US-Dollar gegenüber 3,46 US-Dollar im Vorjahr.
Die Argumentation der Konzerne: Nicht Preisabsprachen, sondern gestiegene Rohölnotierungen treiben die Gewinne. Tatsächlich hat sich der Ölmarkt zuletzt spürbar bewegt. Nachdem die USA und Iran ein 60-tägiges Memorandum nicht verlängerten und die Vereinigten Arabischen Emirate Finanztransaktionen mit Iran aussetzten, kletterte die Nordseesorte Brent auf über 91 US-Dollar je Barrel.
Auch die US-Sorte WTI zog auf knapp 86 US-Dollar an. Steigende Notierungen wirken sich unmittelbar auf die Margen der Förderkonzerne aus – ein Zusammenhang, den die Unternehmen nun öffentlich betonen, um sich gegen den politischen Vorwurf der Preistreiberei zu verteidigen.
Dividendenrendite als Verkaufsargument
Neben der Gewinnentwicklung verweist Shell auch auf seine Ausschüttungspolitik. Mit einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent liegt der Konzern zwischen Exxon mit 2,5 Prozent und Chevron mit 3,5 Prozent. Für Anleger, die auf laufende Erträge setzen, bleibt Shell damit im Branchenvergleich attraktiv positioniert, auch wenn Chevron nominell knapp vorne liegt.
Die politische Auseinandersetzung um angebliche Preisabsprachen dürfte die operative Entwicklung der Ölmultis kaum beeinflussen, solange sich keine handfesten Beweise oder regulatorischen Schritte ergeben. Für die Aktie zählt am Markt derzeit vor allem die fundamentale Ertragslage.
Kurs nahe am Jahreshoch
An der Börse spiegelt sich die robuste Geschäftsentwicklung im Kursverlauf wider. Die Shell-Aktie schloss am Freitag bei 39,94 Euro, nur 3,3 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,32 Euro aus Ende März. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 28 Prozent zu Buche, über die vergangenen sieben Handelstage legte das Papier um 2,4 Prozent zu.
Mit einem RSI von 62,9 notiert die Aktie in einem moderat überkauften Bereich, ohne dass dies als Warnsignal zu werten wäre. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 13 Prozent unterstreicht den intakten mittelfristigen Aufwärtstrend.
Anleger dürften die Kombination aus starken Halbjahreszahlen, attraktiver Dividendenrendite und günstigem Ölpreisumfeld weiterhin positiv bewerten – die politische Debatte um Preisabsprachen wirkt daneben eher wie Begleitrauschen als wie ein echtes Kursrisiko.
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